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Adolf Langschieds letzter Brief

Am 26. September jährt sich der Todestag von Heinrich Adolf Langschied aus Birlenbach zum 100. Mal. Einen Tag vor seinem Tod schrieb der Unteroffizier seinen letzten Brief an seine Frau Lina.
Adolf Langschied aus Birlenbach wurde 32 Jahre alt. Bilder > Adolf Langschied aus Birlenbach wurde 32 Jahre alt.
Birlenbach. 

Als der Brief bei der Ehefrau und dreifachen Mutter Lina Langschied in Birlenbach ankam, war ihr Mann schon tot. Gefallen im Alter von 32 Jahren in Cernay an der Marne. Enkel Reinhard Langschied hat den Brief und seine Geschichte dokumentiert, mit Bildern versehen. Heute erinnert noch ein Gedenkstein auf dem Friedhof an Adolf Langschied, der zusammen mit seiner Frau ein Gasthaus und Weinhandlung betrieb.

 

Kein Hurra-Ton

 

Es ist ein Schreiben, das gar nicht so in den Hurra-Ton der Anfangszeit des Kriegs passt, sondern schon Tod und Sterben sehr deutlich und drastisch thematisiert. Vielleicht lag es daran, dass Langschied nicht nur seine Frau, sondern auch seine drei Kinder Adolf, Werner und Erna zurücklassen musste, um in den Krieg zu ziehen.

Der letzte Brief von Adolf Langschied:

„Meine liebe gute Lina!

Ich liege hier wie ich Dir bereits schon einmal geschrieben immer noch in demselben Schützengraben und das uns der Feind eben in Ruhe läßt möchte ich Dir einen Brief schreiben. Unser erstes Gefecht war bei Neuf-Chateaux wo wir gleich im Laufschritt auf den Feind losgerannt sind. Die feindlichen Kugeln pfiffen um uns herum und rissen so manchen braven Kameraden nieder darunter unseren Hauptmann & Leutnant. Unsere Companie hatte die meisten Verluste. Wir haben aber auch viele Gefangene gemacht. Einige Tage später habe ich bei La Trembolois in einem schrecklichen Granatfeuer gelegen. Ich lag mit einem Zug unserer Compagnie in einem Schossegraben und sind bis auf eine Entfernung von 8 Metern meistens auf der anderer Seite im Graben mindestens 15 bis 20 Granaten eingeschlagen. Viele liefen fort, was gut war.

Ich lag platt im Graben und hielt die Ohren zu damit mir das Trommelfell nicht platzte. Als ich mich nachher umsah lagen nur noch Tote und schwer Verwundete um mich herum. Ich halt einigen noch und rief dann Sanitätsleute. Mir hatte ein Granatsplitter das Kochgeschirr und den Tornister quer durchschlagen, bin aber unverwundet geblieben. Von da ab sind wir immer in schnellem Tempo hinter dem Feind her gewesen. Wir haben dabei noch manches Gefecht gehabt. An einem Tage mußten wir beim vorgehen 4mal bis über die Knie durch Wasser. Jetzt haben wir hier eine Verteidigungsstellung eingenommen und liegen wir schon lange Zeit im Schützengraben. Die feindliche Infanterie vor uns schießt fast gar nicht und wir deshalb auch nicht. Dagegen beschießt sich die Artillerie gegenseitig heftig und sausen die Granaten meistens über uns weg. Die feindliche Artillerie schießt auch noch oft nach uns und hat etwas links von uns manchem das Leben genommen. Ich glaube unser Regiment hat bedeutend mehr Verluste als die meisten aktiven Regimenter. Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange bis es Frieden gibt.

 

Schokolade ist gefragt

 

Ich fühle mich trotz der schlechten Lage noch recht gesund. Hoffentlich seid Ihr meine Lieben es auch noch alle. Ich habe jetzt schon viele Karten und Briefe von Dir erhalten. Auch die Schokolade. Von Pappa, Karl und Pauline habe ich auch schon Briefe erhalten, auch von Kroppsch 2 Karten. ..

Schicke mir alseinmal 1/2 Pfund Speck, dies würde mich sehr freuen, Schokolade esse ich auch gern. Ich werde jedenfalls bald einmal Geld heimschicken, denn hier braucht man doch keins. Ich habe einen starken Vollbart mit der stärkste in der Compagnie. Wenn Du mich jetzt sehen würdest, würdest Du mich bald nicht mehr wieder kennen. ... Von der Diezer Farbenfabrik habe ich schon 5mal Zigarren und Pfefferminz erhalten. Die Zigarren habe ich verschenkt oder auf Schokolade vertauscht.

Indem ich hoffe daß uns der liebe Gott, der mich so oft beschützt hat, ein frohes Wiedersehen bereitet grüßt und küßt Dich recht herzlich

Dein Adolf.

Grüße mir meine liebe Mama, Pappa, Tante, Lina wenn es daheim sein sollte, sowie alle Bekannte die nach mir fragen. Besonders Hei-mann, Scheidt, D.A. Langschied, unsere Stammgäste und Nachbarsleut. Meine lieben Kleinen werden wohl auch noch munter sein. Es ist gut daß sie noch nicht wissen, was Krieg heißt.“ jl

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