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Wahlkampfveranstaltung: AfD-Wahlkampf: Unbeteiligt sein geht nicht

Schmuddel-Image hin oder her: Demokratisch legitimierte Parteien dürfen sich in öffentlichen Räumen versammeln. Das gilt auch für die AfD, die die Stadthalle am Sonntag für eine Wahlkampfveranstaltung nutzte. Willkommen waren die Rechtspopulisten allerdings nur rund 140 Zuhörern.
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Montabaur. 

Unbeteiligt ist an diesem Nachmittag niemand im großen Saal der Stadthalle. Die Rechtsaußen-Partei AfD hat sich in der guten Stube von Montabaur eingemietet – weil sie ein Recht dazu hat, sagt ein Mann, der im Rathaus für die Gebäudeverwaltung zuständig ist. Wäre es nach ihm gegangen, dann dürfte die AfD hier nie und nimmer Wahlkampf treiben. Aber es geht nicht nach ihm, sondern nach dem „gesetzlichen Gebot, politische Parteien gleich zu behandeln“, stellt er klar und zieht die Kopie eines Schreibens aus einer Mappe, die er mit sich herumträgt, als müsse er die Entscheidung rechtfertigen.

Er sei gekommen, um den Hausmeister zu unterstützen, sagt der Mann von Stadt. Denn der Hausmeister weigert sich, die Halle überhaupt zu betreten. „Mit denen“ will er nichts zu tun haben, betont der Hausmeister, verschränkt die Arme vor der Brust und bleibt im Foyer stehen. Später geht er in sein Büro und in den Technikraum. In der Nähe muss er bleiben.

Minimum an Distanz

Ein paar Meter weiter steht eine junge Frau hinter einem Tisch mit Kaffeetassen und Getränken. Auch sie will mit der Veranstaltung nichts zu tun haben, ist aber eben doch da. Ihre Eltern, die normalerweise für die Bewirtung der Halle zuständig sind, seien in Urlaub gefahren, sagt sie. Deshalb ist sie kurzfristig eingesprungen. Zuhören, was Herr Gauland und seine Mitstreiter zu sagen haben, werde sie auf keinen Fall. Das interessiert sie nicht. Und Zeit dafür hat sie auch nicht. Die Kaffeetassen müssen geräumt, die Getränkeflaschen sortiert und aktuelle Smartphone-Nachrichten gelesen werden. Der Tisch, hinter dem sie hantiert, schafft ein Minimum an Distanz. Und die wird sie nicht aufgeben. Sie will unbeteiligt bleiben, auch wenn vor der Halle allmählich der Lärmpegel steigt.

Oben, auf den Stufen vor dem Eingang haben sich ein paar AfD-Sympathisanten versammelt, um die Demonstranten auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu verspotten. Die haben Plakate ausgerollt, um sich gegen Nationalismus und Rassismus zu positionieren. Sie haben einander bei der Hand genommen und singen „We shall overcome“. Die Rechtspopulisten johlen, und es entwickelt sich ein Wortgefecht, das an kindliche Spielplatzrüpeleien erinnert. Beschimpfungen werden ausgetauscht, jedes Mal ein wenig lauter und noch ein bisschen unflätiger.

Eigene Security

Im Saal der Stadthalle redet derweil nur einer. AfD-Kandidat Alexander Gauland arbeitet sich an seinem Lieblingsthema ab, der Flüchtlingskrise. Angela Merkels Politik sei „pfui Teufel“, die „schleichende Landnahme“ stehe bevor, was insbesondere die Presse nicht begreife. Applaus brandet auf bei den rund 140 Zuhörern. Mehr als 200 Stühle bleiben leer. Weit hinter den letzten leeren Stuhlreihen sitzen die zwei Männer von der Technik an ihrem Mischpult und spenden dem Redner Beifall. Nein, sagt einer von ihnen, er sei kein Parteimitglied, gehöre aber zum Wahlkampftross. Ebenso wie die Sicherheitsleute, die im Saal und am Eingang der Stadthalle stehen. Jeder von ihnen ist so gebaut, dass er ohne weiteres einen Türrahmen ausfüllt. Das sei auch gut so, sagt einer, auf dessen weißem Oberhemd die Bezeichnung „Security“ prangt. Auf die eigene Truppe sei Verlass. Andere Sicherheitsdienste zu engagieren, könne unter Umständen riskant sein. Was das bedeuten soll, erklärt er nicht. Er muss jetzt aufpassen. Worauf eigentlich?

Es passiert nichts. Dafür sorgt auch das große Polizeiaufgebot rund um die Stadthalle. Etwa 70 Beamte sind im Dienst, haben Straßen gesperrt und stehen an den Gittern, die die beiden Fraktionen trennen. Selbst Kriminaldirektor Volker Schmidt ist im Dienst. Auch er ist inhaltlich völlig unbeteiligt, und nein, mit Zwischenfällen rechnet er nicht. Aber es sei noch Urlaubszeit. Da müsse jeder ran.

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