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Gefährlicher Unfall: Ausgelaufene Gülle: Bruch im Biogas-Tank

Mit Schaufeln und Spezialgerät waren sie am Werk: Die umliegenden Landwirte und die Firma Reusch arbeiteten gestern mit Hochdruck. Das Ziel: Weiteren Schaden nach dem Gülle-Unfall in Laubuseschbach einzudämmen. Der Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernent Helmut Jung (SPD) war gemeinsam mit Vertretern des Regierungspräsidiums und der Gemeinde Weilmünster vor Ort. Er sprach vom schlimmsten Unfall dieser Art in seiner Amtszeit, also den letzten zehn Jahren.
Der Erste Kreisbeigeordnete und Dezernent für die Untere Wasserbehörde Helmut Jung stand an der Unglücksstelle Rede und Antwort. Bilder > Foto: Klaus-Dieter Häring Der Erste Kreisbeigeordnete und Dezernent für die Untere Wasserbehörde Helmut Jung stand an der Unglücksstelle Rede und Antwort.
Weilmünster. 

Wie es zu dem Bruch im Tank kommen konnte, wird derzeit noch geklärt. Fest stehe: 500 000 Liter Gülle sind ausgetreten. Nicht alles gelangte in den Bach, berichtet Helmut Jung. Zuvor breitete sich das Material in der Wiese aus. Schon dort wurde versucht, den Schaden einzudämmen. Rund 300 000 Liter seien jedoch in den Dernbach geflossen. Der Hof liegt direkt daneben. Über Dern- und Bleidenbach gelangte die Flüssigkeit in die Weil. Der Bleidenbach ist zum Teil verrohrt. Hier wurde immer wieder gespült. Der Schaden sei erheblich, so Jung.

Gerade im Bleidenbach hatte man in den letzten Jahren umfangreiche Naturschutz-Maßnahmen ergriffen, Populationen wieder angesiedelt. Gülle, die sich mit Wasser verbindet, entzieht ihm den Sauerstoff – das ist das Problem. In hoher Konzentration kann kein Lebewesen überleben, so Gewässerwart Winfried Klein.

Angler: „Totalschaden“

Dies bestätigt auch die Behörde. Allerdings: Bei der Substanz handele es sich nicht um Gülle, sondern um Gärsubstrat, nimmt der Kreisbauernverband Stellung. Den Unterschied erläutert Verbands-Geschäftsführerin Carina Martin: „Gärsubstrat unterscheidet sich von dem, was landläufig als Gülle bezeichnet wird, dadurch, dass die in die Biogasanlage eingebrachten Materialien bereits durch Mikroorganismen umgesetzt wurden, daher ist kaum eine Geruchsbelastung (im Vergleich zu Schweine- oder Milchkuhgülle) mehr vorhanden.“

Tote Fische säumen den Bleidenbach nach dem Zwischenfall in einer Biogasanlage in Weilmünster.
Defekt an Biogasanlage Gülle-Katastrophe vernichtet Fische in Flüssen

Mehr als 500 000 Liter Gülle sind am Donnerstagmorgen infolge eines Defekts an einer Biogasanlage in Weilmünster zunächst in den angrenzenden Bleidenbach und später in die Weil geflossen. Alle Fische in den beiden Gewässern sind tot. Am späten Nachmittag erreichte die Gülle-Welle die Lahn. Auch hier droht nach Angaben von Experten ein massives Fischsterben.

clearing

Nichtsdestotrotz: Der Bleidenbach ist in Mitleidenschaft gezogen. Gewässerwart Winfried Klein verweist hier auf die in den vergangenen Jahrzehnten von Mitgliedern des Angelsportvereins angesiedelten Lachse und Bachmuscheln. Für ihn ein „Totalschaden“. Er rechnet auch mit Auswirkungen auf die Lahn.

Der Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernent Helmut Jung beschrieb es gestern so: „An der Lahn bei Hirschhofen waren gestern weder Gerüche noch Trübungen wahrnehmbar. Wir werden erst in den nächsten Jahren sehen, ob es Auswirkungen wie verstärkte Algenbildung in der Lahn geben wird.“ Er rechne nicht mit einem Fischsterben in der Lahn, denn das Material sei durch die sofort eingeleiteten Maßnahmen stark verdünnt worden.

Carina Martin vom Kreisbauernverband verweist ebenfalls auf die sofort eingeleiteten Maßnahmen. Nicht allein, dass mehr als 200 000 Liter Gärsubstrat zurückgehalten werden konnten und nicht direkt in den Bach gelangt seien. „Aus dem Bach konnte Gärsubstrat an mehreren Stellen mit Vakuumfässern herausgefördert werden.“

Da es sich um ein Fließgewässer handelt, die verbleibenden Nährstoffe zunehmend verdünnt werden, bezweifelt sie Auswirkungen auf das Algenwachstum in den Folgejahren, „da es sich um einen kurzfristigen Eintrag handelt“. Bei diesem Unfall sei keineswegs leichtfertig ein Fischsterben in Kauf genommen worden.

Eine Gefahr für das Trinkwasser bestehe nicht, so der Erste Kreisbeigeordnete. Wie es zu dem Leck im Tank gekommen war, konnte gestern noch nicht geklärt werden. Insgesamt hat er ein Volumen von 600 000 Liter, wobei 100 000 Liter im Tank verblieben waren. Auch diese müssen abgepumpt werden.

Hochdruck-Reinigung

Das Gärsubstrat kommt von benachbarten Landwirten und wird vom Betreiber des Hofs Dernbach zum Betreiben der Biogasanlage genutzt. Wie Helmut Jung anführte, liegt die Schadensbegleichung aufseiten des Hofbetreibers oder dessen Versicherung.

Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, wurde ein Limburger Spezialunternehmen angefordert, das gleich mit mehreren Spezialfahrzeugen und zahlreichen Mitarbeitern in dem Wasserschutzgebiet tätig war. – Wie Wolfgang Musgat, Geschäftsführer der Firma Reusch, anführte, mussten zweieinhalb Kilometer des Dernbachs von Schlamm und Gülleresten befreit werden. Hierfür wurde frisches Wasser aus der Kläranlage Weilmünster an den Dernbach gebracht. Kanalreinigungsdüsen wurden dann durch das Bachbett gezogen, die mit Hochdruck den kontaminierten Schlamm und die Gülle lösten. Am unteren Teil des Dernbachs wurde diese Brühe aufgefangen und entsorgt. Schäden für Menschen schloss er aus, „außer, dass es so stinkt“.

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