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Der vergessene Hilfsverband

Auf einem Flohmarkt ist das Protokollheft eines bisher unbekannten Verbandes in Villmar aufgetaucht.
Vor genau 95 Jahren, am Mittwoch, 12. November 1919, fand eine Trauerfeier in der Kirche St. Peter und Paul für die 102 Gefallenen des Weltkrieges 1914 bis 1918 statt.	Foto: Aumüller Vor genau 95 Jahren, am Mittwoch, 12. November 1919, fand eine Trauerfeier in der Kirche St. Peter und Paul für die 102 Gefallenen des Weltkrieges 1914 bis 1918 statt. Foto: Aumüller
Villmar. 

95 Jahre hat das alte Notizheft schon auf dem Buckel, das Lesen seines Inhalts dürfte vielen schwer fallen, denn es handelt sich um altdeutsche Schrift. Wer sich dennoch die Mühe macht, wird Interessantes entdecken, denn in Villmar gab es einen Verein, der inzwischen in Vergessenheit geraten ist.

Aus der Not geboren, bildete sich nach dem Ersten Weltkrieg ein Verband mit dem Ziel, die Kriegshinterbliebenen und Kriegsbeschädigten in Villmar und dem Nachbarort Arfurt zu unterstützen. Am 27. März 1919 meldet der Nassauer Bote, dass am 1. März in Villmar eine „Ortsgruppe Villmar“ des parteipolitisch streng neutralen Verbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegsteilnehmer gebildet wurde.

Vorsitzender war der Lehrer Otto Schmitt (geb. 1887 in Camberg, Sohn des Taubstummenlehrers Philipp Wilhelm Schmitt). Er wurde zu Kriegsbeginn aus dem Schuldienst genommen und musste als Reservist in die Arbeiterkompanie in Mainz eintreten. Zum Vorstand der Ortsgruppe gehörten ein 1. und 2. Vorsitzender, 1. und 2. Schriftführer, ein Rechnungsführer sowie drei Beisitzer. Genannt werden die Herren J. Kuhn, Jos. Fluck, Joh. Flach, H. Dill und J.A. Schmidt.

Zur Linderung der Not fand am 22. Juni 1919 in der Turnhalle eine gut organisierte Wohltätigkeitsveranstaltung statt, deren Reinerlös den bedürftigen Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen zugutekam. Zu einer weiteren Veranstaltung lud die Ortsgruppe Arfurt mit einem vielsagenden Plakat ein; die Leitung hatte Lehrer Schmitt übernommen. An der Veranstaltung wirkten der Operettensängers W. Hendgen aus dem Metropol -Theater Berlin sowie viele Mitglieder des Verbandes mit. Beide Veranstaltungen waren ein großer Erfolg. 121 Mark konnten an bedürftige Kriegswaisen verteilt werden.

Für alle Opfer und Gefallenen des Ersten Weltkriegs fand am Mittwoch, 12. November 1919, in der Pfarrkirche St. Peter und Paul ein feierlicher Trauer- und Gedenkgottesdienst statt, der von Pfarrer Wilhelm Schmidt zelebriert wurde. Sämtliche zehn Vereine Villmars waren mit Fahnenschmuck vertreten. Kränze und Girlanden stifteten Vereine und Schulkinder. Die musikalische Begleitung hatten Musikverein und Kirchenchor von der Empore aus übernommen. „Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt“, schreibt der Chronist. Leider kam schon Ende des Jahres 1920 das satzungsgemäße Aus für diesen jungen Verband. Warum? Die nötigen versprochenen Unterstützungen des Staates wurde nicht eingehalten und blieben trotz mehrmaligen Bittens einfach aus, bedauerte der Vorsitzende.

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