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Erster Weltkrieg: Die ersten Gefallenen

Krieg ist kein Geländespiel – das mussten auch die Limburger schon nach wenigen Kriegstagen im August 1914 schmerzlich erfahren. Die ersten Gefallenen waren zu beklagen.
Josef Lyczek starb in Limburg. Bilder > Josef Lyczek starb in Limburg.
Limburg. 

Als erster Limburger fiel am 11. August 1914 bei Lagarde in Lothringen der 22-jährige Litho-graf Wilhelm Reinhardt aus der Stiftsstraße, Sohn des Anstreichers Jacob Reinhardt und Franziska Josepha Reinhard geb. Lang. Zunächst wurde er als vermisst gemeldet. Sein Tod wurde in Limburg sehr viel später bekannt und erst 1929 vom Standesamt dokumentiert.

Auf Wilhelm Reinhard sollten bis zum Jahresende viele weitere Gefallene folgen, darunter im August Johann Faust (20. August), Gregor Kemmer (21. August), Karl Adolf August Heinrichen, Wilhelm Mille, Hans Meinecke und Wilhelm Ruhe (22. August), Friedrich Wilhelm Arretz (23. August) und Otto Werner Axel Frowerk (28. August).

Auch in den heutigen Stadttei-len waren seit Kriegsbeginn zahlreiche Tote zu beklagen. Noch im August fielen: Aus Ahlbach Wilhelm Lang (19. August), aus Lindenholzhausen fielen Georg Hilfrich (20. August) und Philipp Otto (22. August), aus Mühlen Ludwig Benack (28. August), aus Staffel Wilhelm Hammer (11. September), aus Offheim Hermann Rörig (16. Septem-ber), aus Linter Wilhelm Schöneberger (November). In Dietkirchen wurde das erste Opfer im Dezember betrauert, als der Tod des Reservisten Josef Pötz bekannt wurde.

Der Umgang mit dem Tod in der Heimat lässt noch nichts ahnen vom Massensterben in den Schützengräben.

 

Gestorben im Hospital

 

Der erste in Limburg beigesetzte Soldat war der französische Kriegsgefangene Lucien Paul, der am 29. August 1914 im Alter von 22 Jahren im St.-Vincenz-Hospital verstarb. Sein Tod wurde mit einer kurzen Notiz in der Zeitung gemeldet. Die Vorstände der Limburger Kriegervereine luden per Zeitungsanzeige ihre Mitglieder zum Begräbnis ein.

Am 2. September war in der Zeitung nachzulesen, dass dem verstorbenen Soldaten alle militärischen Ehren zuteil wurden, die die Kriegervereine auch ihren eigenen Mitgliedern erwiesen. Es waren Angehörige der Kriegervereine „Teutonia“ und „Germania“, des Artillerievereins und des Kavallerievereins sowie eine Abordnung des Landsturmbataillons anwesend. Auch viele Bürger erwiesen dem toten Lucien Paul die letzte Ehre.

 

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Der große Krieg

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„Als Grabstätte hatte die Stadtverwaltung einen für Krieger bestimmten, geschmückten Ehrenplatz zur Verfügung gestellt. … Über das Grab wurden die üblichen Ehrensalven abgefeuert. Kaplan Schmidt vollzog die kirchlichen Handlungen – Einsegnung und Gebete – am Grabe. In einer hierauffolgenden Grabrede hob er den Verlauf der Kriegsereignisse hervor und wie Gott mit der gerechten Sa-che Deutschlands sei“, berichtet die Zeitung

 

„Ehrendes Begräbnis“

 

Der Geistliche war vom allgemein verbreiteten Nationalismus erfasst, denn er hob hervor, dass hier ein Gefallener beigesetzt werde, der dem Volk angehörte, das den Krieg heraufbeschworen habe. „Die Tatsache aber, daß der Soldat, der Pflicht gehorchend, am Kriege teilgenommen hat, und er im christlichen Glauben gestorben sei, gestatte es, daß ihm auch ein christliches, ehrendes Begräbnis zuteil werde. Vielleicht hofften daheim die Eltern noch auf seine Wiederkehr – währenddem er hier nach dem Kampfe zum ewigen Frieden eingekehrt sei!“

Nach dem Kaplan sprach Andreas Knöppler, der Vorsitzende der „Teutonia“. Er „widmete dem toten Franzosen zum Schlusse der ernsten Feier mit Niederlegung eines Lorbeerkranzes einen militärisch ehrenden Nachruf.“ Der Bericht schließt mit der spitzen Bemer-kung: „Man hörte nach dem Begräbnis vielfach die Frage erörtern, ob die Franzosen in solchem Falle auch einen der ’Unsrigen’ so ehrend feierlich beerdigen würden?“.

Am 11. September 1914 wurde ein weiterer französischer Soldat, der im Limburger Reservelazarett verstorben war, auf dem Friedhof beigesetzt. Wieder riefen die Vorstände der Kriegervereine ihre Mitglieder zur Teilnahme auf. Die Ehrung des toten Feindes fand aber nicht nur Beifall. Am 21. September war im Limburger Anzeiger zu lesen, dass verschiedene Personen ihr Missfallen darüber geäußert hätten.

 

Für Freund und Feind

 

Dazu erklärten die Vereinsvorstände: „1. Die Teilnahme der Kriegervereine erfolgte nach vorheriger Verständigung mit den hiesigen Militärbehörden;

2. Der deutsche Kriegerbund hat auf eine diesseitige Anfrage über unser Verhalten in fraglichen Fällen folgendes mitgeteilt:

An den Vorstand des Kreiskrie-gerverbandes Limburg.

’Wir haben nichts dagegen ein-zuwenden, im Gegenteil wir können die Ehrung unserer heimgegangenen Helden durch Gestellung einer militärischen Leichenparade ohne Rücksicht darauf ob Freund oder Feind nur empfehlen.’ …

3. Der deutsche Kriegerbund gibt in Nr. 72 der ’Parole’ vom 9.9.1914 den angeschlossenen Verbänden und Vereinen bekannt:

’Es ist Ehrenpflicht unserer Verbände und Vereine, diejenigen unserer heldenmütigen Kameraden, die in ihrem Bereiche an den Folgen der im Kriege erlittenen Verwundungen gestorben sind, gleichviel ob Freund oder Feind, mit militärischen Ehren zur Gruft zu geleiten …

Wir haben hiernach ganz vor-schriftsmäßig gehandelt und müssen jede unbefugte und auch unbegründete Kritik über unsere Handlungsweise ganz entschieden zurückweisen“ .

 

Trauerzug zum Friedhof

 

Der erste in Limburg verstorbe-ne deutsche Soldat war der aus Zabrze in Oberschlesien (1915 bis 1946: Hindenburg) stammende Josef Lyczek. Er erlag am 29. August 1914 im Alter von 24 Jahren im St.- Vincenz-Hospital einem Starrkrampf nach einem Fußschuss. Seine Beerdigung wurde noch ehrenvoller gestaltet als die am Vortag erfolgte des Franzosen Lucien Paul.

Der Trauerzug formierte sich unter dem Läuten der Domglocken und musikalisch begleitet von der Kapelle Keul auf dem Roßmarkt und führte zum Friedhof. Dabei waren wieder die Kriegervereine mit ihren Fahnen, das Landsturmbataillon, aber auch Bürgermeister Philipp Haerten und Abordnungen von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sowie viele Bürger.

 

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Die Sanitätskolonne trug den Sarg vom Eingang des Friedhofs zum Grab. Es wurde zu Ehren des Toten Salut geschossen. Der kirchlichen Feier stand Stadtpfarrer Wilhelm Tripp vor. „Er führte aus, wie tief bewegt man an diesem Grabe stehe. Ein deutscher Soldat, der mitgekämpft für das Recht und die Freiheit unseres Vaterlandes, der getreu seinem Fahneneide, mutig in den Reihen derer gestanden, die Blut und Leben eingesetzt haben, um die Schrecken des Krieges von uns fern zu halten, sei eines Heldentodes gestorben, fern von der Heimat und fern von seinen Eltern und Geschwistern. Sei er uns auch fremd gewesen, so war er nach seiner Verwundung doch liebevoll hier aufgenommen worden. Treueste Pflege konnte ihn leider nicht mehr vom Tode erretten. Mutig und gottergeben, getröstet in seiner Religion sei er gestorben. Und nun fände er – wie merkwürdig – mit dem Feinde der gestern beigesetzt, hier seine Friedensruhestätte. Möchte doch, so schloß die Grabrede, der uns Deutschen aufgezwungene große Krieg mit dem Sieg unserer gerechten Sache und einem ehrenvollen Frieden für unser Vaterland schließen“.

 

Verlustlisten

 

Im Anschluss hielt Bürgermeister Haerten eine Ansprache: Josef Lyczek solle „hier in treuem Angedenken bleiben und sein Grab als eines der Unserigen gepflegt werden“. Er legte ebenso wie der Vorsitzende des Kriegesvereins „Teutonia“ einen Kranz nieder. „Noch einmal ertönten die Ehrensalven und ein Trauerchoral, dann nahm man tiefbewegt von dem Grabe des ersten hier verstorbenen deutschen Kriegers aus dem Kriege 1914 Abschied“.

Als am 5. September der im Hospital verstorbene Füselier Alfred Seyfahrt aus Straßburg auf dem Limburger Friedhof beigesetzt wurde, erfolgte dies wieder in Anwesenheit der Kriegervereine sowie einer Delegation von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. Der Bericht darüber fiel aber schon deutlich kürzer aus. Es wurde nur noch auf die feierliche Weise der Beerdigung hingewiesen.

Die Namen der Toten und Ver-wundeten wurden regelmäßig in den „Kreis-Verlustlisten“ bekanntgegeben. In vielen Fällen wurde aber der Tod eines Soldaten erst nach Monaten oder Jahren bekannt. Das damit verbundene Leid kann durch Statistiken nicht wiedergegeben werden.

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