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An vielen Orten kamen keine Busse: „Egon“ sorgt für schulfrei

Die Schul-Sekretariate hatten am frühen Morgen angesichts der Sturmwarnung alle Hörer voll zu tun: Es gab immer dieselben Fragen: „Läuft Unterricht?“ „Fahren die Busse?“ Deren Fahrer kämpften gestern nicht nur an der Streik-, sondern auch an der Wetterfront.
Verschneite Strecken wie hier auf der Landstraße 317 bei Eppenrod bremsten den Verkehr. Viele Schulbusse kamen gar nicht mehr. Foto: Manfred Horz Verschneite Strecken wie hier auf der Landstraße 317 bei Eppenrod bremsten den Verkehr. Viele Schulbusse kamen gar nicht mehr.
Limburg/Diez/Montabaur. 

An vielen Haltestellen und auch Bahnhöfen warteten die Fahrgäste gestern vergeblich. Nicht alle Eltern wagten sich im eigenen Auto ins Schneegestöber, um ihre Kinder zum Unterricht zu bringen. Manche Schulen stellten den Betrieb ein. Andere unterrichteten vor halbleeren Klassenzimmern.

Die Lage war komplett konfus, die Schlechtwetterfront teilte die Region: Harmloser Schneeregen auf der einen Seite im Limburger Lahntal, umgerissene Zäune oder umgekippte Bäume rundherum. Oder kreuz und quer stehende Fahrzeuge vor allem auf zugeschneiten Seitenstraßen – beispielsweise zwischen Wetzlar und Weilburg.

Wo sich mutige Pkw-Fahrer noch durchpflügten, mussten Bus-Chauffeure kapitulieren. Ein Lehrer berichtete über die „ganz schlimme“ Fahrt über glatte B 54 aus Richtung Hangenmeilingen. Ab Oberzeuzheim sei es jedoch schlagartig nur noch nass und windig gewesen. An der Hadamarer Fürst-Johann-Ludwig-Schule blieben viele Klassenzimmer nur halb gefüllt. Der stellvertretende Schulleiter Matthias Roßbach kann allerdings nicht sagen, ob es eher am Busfahrerstreik oder am Schneefall lag. Jedenfalls lief Unterricht nach Plan.

Busse und Züge ausgefallen

Dirk Fredl, 1. stellvertretender Leiter der Marienschule in Limburg , berichtet zwar von „ordnungsgemäßem Unterricht“. Ab 6 Uhr stand er im Telefonkontakt mit den Kollegen und aktualisierte die Internet-Seite bis zur letzten Meldung: „Schulbetrieb an der Marienschule nach Plan.“ Ein paar Lehrkräfte und einige Schüler hätten die Schule wegen ausgefallener Busse und Bahnen oder gesperrter Straßen nicht oder erst viel später erreicht. Fredl: „Bevor sich jemand ins Unglück stürzt“, solle er lieber zu Hause bleiben.

Die Westerwaldschule in Waldernbach sagte den Unterricht am Morgen ab. Die Mittelpunktschule St. Blasius in Frickhofen beschränkte den Unterricht auf die Grundschüler.

Im Diezer Schulzentrum ist gestern kein Unterricht ausgefallen, allerdings waren die Klassenzimmer nicht alle voll besetzt, weil diverse Busse vor allem aus dem Raum Katzenelnbogen/Nastätten nicht gefahren sind.

In der Bad Camberger Taunusschule lief der Unterricht den ganzen Morgen. „Die Schüler bis zur siebten Klasse sind nach der sechsten Stunde gegangen. Die älteren nach der fünften“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Ines Gräfe. Für die wenigen Kinder, die noch geblieben waren, hatte die Taunusschule eine Betreuung bis 15.30 Uhr eingerichtet. „Ich hätte ja Schule gehalten, aber die Busse sind nicht gefahren“, sagte gestern Mittag die kommissarische Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn , Judith Lehnert. „Alle Lehrer sind da, aber wir müssen ja sehen, dass die Kinder auch wieder nach Hause kommen.“

Meldung: Keine Busse

Am Morgen bis 5.30 Uhr habe es noch gut ausgesehen. Dann meldete die Firma Medenbach, dass die Schulbusse nicht fahren könnten. Judith Lehnert: „Wir haben den Eltern mitgeteilt, dass sie ihre Kinder nicht bringen sollen, weil ja auch der Rücktransport nicht gesichert war.“ Für die wenigen Schüler direkt aus Dauborn, die nicht auf Busse angewiesen sind, gab es die Betreuung, aber keinen regulären Unterricht. „Bei uns hat der letzte Schüler die Schule um 9.05 Uhr verlassen“, informiert Heiko Last, Leiter der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters. Auch hier war der Busverkehr das Problem. „Erst nach 6 Uhr kam der Schnee, ab 7 Uhr hatten wir dann eine Schneedecke. Eigentlich haben wir es spätestens um 6.30 Uhr auf der Homepage, wenn die Schule ausfällt. Doch dafür kam die Info, dass die Busse nicht fahren können, zu spät.“ Die Niederselterser hatten über eine Telefonkette Lehrer und Schüler informiert, den Ausfall auf die Homepage gestellt, das Schulamt und das Radio informiert. „Von über 500 Kindern waren zehn bis zwölf da. Sie sind alle wieder nach Hause gekommen, ein Mädchen wurde gesondert transportiert.“ Ungewohnt: „Ab 9.05 Uhr waren nur noch Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter im Gebäude“, berichtet Heiko Last.

Die Johann-Christian-Senkenberg-Schule hat den Unterricht abgesagt für die Standorte Runkel und Villmar , sagte Direktor Michael Uhl. Ursache waren auch dort die ausgefallenen Busse. An der Grundschule Arfurt lief der Unterricht wie geplant. So auch in Ahlbach , wo die Kinder ebenfalls weitgehend zu Fuß zum Unterricht kommen. Schulleiterin Maria Bopp freut sich über den Schlittenhang an der Schule. „Das ist einfach genial.“

Des einen Freud, des anderen Leid: Die gesamte Verkehrssituation ändert sich aufgrund der anhaltenden Schneefälle ständig“, hieß es am Morgen beim Polizeipräsidium Westhessen. „Teilweise geht nichts mehr.“ Problematisch sei die Situation auch für die Fahrzeuge des Winterdienstes, die nicht an liegengebliebenen Fahrzeugen vorbeikämen. Umgestürzte Bäume behinderten den Verkehrsfluss zusätzlich. Vielfach hätten sich die Verkehrsteilnehmer selbst geholfen oder kleinere Unfälle untereinander geregelt, sagte eine Sprecherin.

Im Westerwaldkreis sah die Situation noch einmal deutlich krasser aus, auch wenn Unfälle „bisher weitgehend glimpflich“ verlaufen seien. Die Wachen und Inspektionen im Westerwaldkreis nahmen am Morgen bis gegen 11 Uhr 18 Verkehrsunfälle auf.

100 Fahrzeuge im Stau

Auf verschiedenen Strecken in den Verbandsgemeinden Loreley und Nastätten kam es zu Behinderungen durch umgestürzte Bäume und auf den Höhen auch zu Schneeverwehungen. Schlimm traf es die L 335 zwischen Marienfels und Dachsenhausen . Dort kam es gegen 5.30 Uhr zu einem Verkehrsunfall mit drei Pkw infolge dichten Schneetreibens. Es entstand glücklicherweise nur Blechschaden. Jedoch kam wenig später der gesamte Verkehr dort zum Erliegen. Trotz pausenlosem Einsatz der Räumfahrzeuge kamen schwere Lkw nicht mehr voran und stellten sich teilweise quer. Pkw rutschten beim Versuch, die Gefällstrecken zu befahren, in den Straßengraben. Die Landstraße wurde zweitweise voll gesperrt. Später konnten die Verkehrsteilnehmer blockweise aus dem Gefahrengebiet herausgeführt werden. Wegen des Berufsverkehrs waren zeitweise mehr als 100 Fahrzeuge an der Weiterfahrt gehindert.

Von „Stress pur“ spricht Mike Löw, Dienststellenleiter der Malteser in Wallmerod. Deren Fahrzeuge legen täglich 2500 Kilometer zurück, um Menschen mit warmen Mahlzeiten zu versorgen. Löw: „Unsere Kunden haben ihr Essen bei uns bestellt, da können wir nicht auf besseres Wetter warten.“ cris/pp

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