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Literatur im Tauschverfahren: Ein Pferdestall für Bücher

Gemeinsam mit seiner Ehefrau hält Rudolf Weidner seit November 2012 die Bücherbörse in der Unterstraße am Laufen. Der 61-jährige hat sich der fantastischen Literatur sowie dem Science-Fiction-Genre verschrieben. Dabei bevorzugt er die Geschichten des Weltall-Helden Perry Rhodan, lässt sich aber gerne von der Bücherbörse inspirieren.
Den Schriftsteller Wolfgang Hohlbein entdeckte Rudolf Weidner in seiner Bücherbörse. Foto: Leoni Dowidat Den Schriftsteller Wolfgang Hohlbein entdeckte Rudolf Weidner in seiner Bücherbörse.
Mensfelden. 

Entweder hat es der Beschenkte schon oder es trifft gar nicht seinen Geschmack: Das „falsche“ Buch ist schnell verschenkt. Gut, dass Rudolf Weidner und Angelika Zeininger in der Bücherbörse in Hünfelden-Mensfelden für Tauschwillige Tausende anderer Optionen bereit halten.

Fantasy, Science-Fiction, historische Wälzer, nervenaufreibende Thriller und gar englischsprachige Kost: Inzwischen mussten sie sogar Regale anbauen, um die 3000 Werke unterzubringen. „Wenn wir größere Spenden bekommen, sortieren wir Ladenhüter inzwischen aus“, erklärt Weidner. Eine Zeit lang hatten sie Bücher, die nicht mehr in die Regale passten, auf dem Boden gestapelt. „Das wollen wir nicht mehr machen.“ Dabei hatten der Mensfeldener und seine Frau Angelika Zeininger vor fünf Jahren klein angefangen: mit einigen Bücherkartons in der Autogarage und mit einem Wunsch.

Vieles noch in Folie

„Ich liebe Bücher“, betont Angelika Zeininger. „Und ich liebe es, mich mit anderen Lesefreunden über Bücher auszutauschen oder mich von ihnen inspirieren zu lassen.“ Was lag da also näher, als selbst einen Ort zu schaffen, in dem Leseratten und Bücherwürmer tief in ihr liebstes Hobby eintauchen können. Und das ohne ein schlechtes Gewissen für den Geldbeutel, wie Rudolf Weidner anfügt. „Oft ist es ja so, dass man im Laden ein Buch sieht und sich nicht wirklich schlüssig ist, ob man es mag oder nicht.“ Ob es ihren Geschmack trifft, das stellten die meisten Leser erst nach einigen Kapiteln fest. Zum Zurückgeben ist es dann jedoch im Normalfall zu spät. „Daher haben wir hier manchmal Bücher, die vollkommen ungelesen oder sogar noch eingeschweißt sind“, sagt Rudolf Weidner.

Darunter fielen gerade um diese Jahreszeit Bücher, die zu Weihnachten verschenkt werden. „Das Buch muss dabei gar nicht mal schlecht sein“, verteidigt Angelika Weidner diese verschmähten Geschenke. „Der Beschenkte hat es einfach nur doppelt oder es ist ein Genre, mit dem er einfach nichts anfangen kann.“

Dass das Herantasten an fremde Autoren sich jedoch durchaus lohnen kann, hat Rudolf Weidner in der Bücherbörse schon am eigenen Leib erfahren. „Ich mag Fantasy sehr gerne und Science-Fiction-Bücher“, erzählt der 61-Jährige. Wenn ein neues Werk aus diesem Genre seinen Weg nach Mensfelden findet, studiere er daher erst einmal den Klappentext. „So bin ich auf Wolfgang Hohlbein gestoßen.“ Heute schätze er den Autor sehr und habe schon einige Bücher des Fantasy-Moguls verschlungen.

Bei angenehmen 20 Grad

Im Sommer halten sich Angelika Zeininger und Rudolf Weidner privat gerne zum Schmökern in der Bücherbörse auf. „Wenn es draußen total heiß ist, herrschen hier in dem umgebauten Pferdestall immer noch angenehme 20 Grad“, erzählt Rudolf Weidner. Ein Vorteil, der ein längeres Verweilen in den kalten Wintermonaten jedoch nicht sonderlich angenehm macht. „Da sucht man sich doch eher schnell ein Buch aus und verschwindet zum Lesen ins warme Wohnzimmer“, sagt er mit einem Schmunzeln. Für die monatliche Bücherbörse, die natürlich auch am zweiten Dezember stattfand, wurde der Raum jedoch präpariert und aufgeheizt. Auch für die innere Wärme sorgten die beiden aufmerksamen Gastgeber: „Statt Kaffee gibt es bei uns für alle Lesefreunde Glühwein.“ Die nächste Bücherbörse startet wieder im neuen Jahr, am 6. Januar. Für dieses Mal rechnen Rudolf Weidner und Angelika Zeininger wieder mit viel Zulauf. Schließlich gingen zu Weihnachten wieder zahlreiche Bücher über den Gabentisch.

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