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Eine Chance auf vier Rollen

Von Der 16-jährige Tim Ludwig-Pistor gilt als Nachwuchstalent im Rollstuhl-Basketball. Damit er auch künftig punkten kann, hat ihm die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung einen neuen Sportrollstuhl geschenkt.
Elz. 
Begabter Sportler: Tim Ludwig-Pistor gilt als Nachwuchstalent im Rollstuhl-Basketball. Bild-Zoom
Begabter Sportler: Tim Ludwig-Pistor gilt als Nachwuchstalent im Rollstuhl-Basketball.

Wenn alles gut läuft, wird sein Einsatz etwa zehn Minuten dauern. Viel Zeit hat er also nicht, um zu zeigen, was er kann. Das weiß Tim Ludwig-Pistor, und genau das wird ihn zur Höchstleistung anspornen, wenn er in wenigen Wochen mit seinem Vater für einen Tag nach Salzburg fährt, um in der zweiten Mannschaft des Bundesligisten RSV Lahn-Dill auszuhelfen.

Tim Ludwig-Pistor ist vom zwölften Brustwirbel an abwärts gelähmt. Vor etwas mehr als fünf Jahren begann der heute 16-jährige beim Rollstuhl-Sportverein RSV in Wetzlar Rollstuhl-Basketball zu spielen, in der Oberliga und – aushilfsweise – in der zweiten Bundesliga-Mannschaft.

Tim wurde mit offenem Rücken, Spina bifida, sowie einer Fehlbildung des Gehirns, Hydrozephalus, geboren. Er ist seit seiner Geburt querschnittgelähmt. Aber er war schon immer ein Kämpfer. „Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig“, sagt der kräftige junge Mann mit den klug blitzenden Augen. Das gilt nicht nur für den Sport, sondern auch für die Schule: Nach der Grundschule in Elz ging er zunächst aufs Gymnasium nach Hadamar. Aber als er und seine Eltern nach einem halben Jahr merkten, dass diese Schule für ihn nicht zu bewältigen sein würde, wechselte er auf die Körperbehindertenschule in Hochheim bei Wiesbaden. „Das war eine unserer besten Entscheidungen“, betont Tims Vater Frank Ludwig-Pistor. Sein Sohn startete durch. Der Notendurchschnitt in seinem letzten Zeugnis ist 1,1.

 

Mannschaftssportler

 

Auch im sportlichen Bereich rollte Tim sich auf einen der vorderen Plätze. Er wollte keinen Behinderten-Breitensport betreiben, sondern als Mannschaftssportler an Wettkämpfen teilnehmen. So wie er es 2007 bei den Europameisterschaftsspielen der Rollstuhl-Basketballer gesehen hatte. Als er dieses Turnier als Zuschauer miterlebte, wusste er: „Das ist mein Sport.“ Und der RSV Wetzlar sollte sein Verein werden, denn dieser Club ist für die Rollstuhl-Basketballszene das, was der FC Bayern München für die Fußballwelt ist: Er ist fast unschlagbar, und er fördert junge Talente. Für Tim, einen leidenschaftlichen Bayern-Fan, erwies sich diese Kombination als perfekt.

Im Oktober 2008 begann er zu trainieren und bekam seinen ersten Sportrollstuhl, finanziert von der Krankenkasse und von einer großzügigen Spende der neurologischen Abteilung des St.-Vincenz-Krankenhauses. „Das Besondere am Sportrolli sind die schrägstehenden Räder“, erklärt Tim. „Die machen ihn schneller und wendiger.“ Außerdem sind Gurte angebracht, damit die Spieler bei rasanten Aktionen nicht aus dem Stuhl fallen. Und ein zusätzlich montierter Fußschutz soll verhindern, „dass da nichts plattgemacht wird, wenn wir beim Spiel mal ineinander krachen“.

Zwischen 4000 und 8000 Euro kostet ein Sportrollstuhl, berichtet Tims Vater. So einen Betrag könne man nicht eben mal so auf den Tisch legen. Das konnte die Familie auch zwei Jahre später nicht, als der Sportrollstuhl zu klein war. Die Krankenkasse teilte der Familie mit, dass sie diesmal allenfalls die Kosten für die Räder übernehmen würde, erinnert sich Frank Ludwig-Pistor. Wie soll das gehen, fragte er sich? Der Junge sollte schließlich weiter Basketball spielen und brauchte einen passenden Stuhl.

 

Individuell angepasst

 

Ludwig-Pistor schrieb an die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung, die sich seit Jahrzehnten für die Bedürfnisse von behinderten und benachteiligten Kindern und deren Eltern einsetzt. Er schilderte die Situation, bat um Unterstützung und bekam sie. Klar sei er glücklich gewesen, als er im Frühsommer letzten Jahres erfuhr, dass die Leberecht-Stiftung ihm einen neuen Sportrollstuhl schenkt, sagt Tim. Und klar, dafür könne er sich nicht oft genug bedanken. Das Fahrzeug wurde individuell auf seine Körpermaße angepasst und kurz vor Weihnachten an ihn übergeben.

Ob sich der 16-Jährige aus Elz mit dem neuen Sportrolli seinen Traum erfüllen kann und eines Tages in der ersten Bundesliga des Rollstuhl-Basketballs mitspielen wird, weiß er nicht. „Im Moment ist diese Vorstellung noch utopisch“, räumt er ein. Dreimal in der Woche trainiert Tim in Wetzlar. An den Wochenende spielt er bei Turnieren mit und fährt für ein paar Minuten Spieleinsatz bis nach Salzburg. Zweimal war er bereits bei Sichtungslehrgängen für die U-19-Nationalmannschaft.

Er wird sich weiter nach oben kämpfen. Beim RSV Lahn-Dill spielt Tim Ludwig-Pistor auf der Position des „Forward“, also desjenigen, der den anderen die Bälle für die Körbe vorlegt. Tim Ludwig-Pistor trägt ein Trikot mit der Nummer 21 – beim FC Bayern München ist das die Rückennummer von Philipp Lahm.

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