E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
4 Kommentare

Inklusion: Es geht nicht ohne Förderschulen

Von Die hessische Landesregierung tue „mehr als jede andere in Deutschland“ für die Ausstattung mit Förderlehrern, erklärte Kultus-Staatssekretär Dr. Manuel Lösel (CDU) bei einem „Info-Abend“ im Offheimer Bürgerhaus. Doch die Inklusion funktioniert trotzdem nicht immer. Es gibt „Förderschulen trotz Inklusion“, wie das Thema des Abends lautete.
Diskutierten mit Lehrern und Eltern (von links): Judith Lehnert, Michael Uhl, Joachim Veyhelmann, Dr.Manuel Lösel und Kerstin Bender. Bilder > Diskutierten mit Lehrern und Eltern (von links): Judith Lehnert, Michael Uhl, Joachim Veyhelmann, Dr.Manuel Lösel und Kerstin Bender.
Offheim. 

Eine Infoveranstaltung mit dem Hessischen Kultus-Staatssekretär Dr. Manuel Lösel (CDU) zum Thema „Förderschulen trotz Inklusion“ im Offheimer Bürgerhaus war am Dienstagabend gut besucht. Dabei wurde deutlich: Förderschulen für Kinder mit Lernbeeinträchtigungen und Behinderungen sind auch in der heimischen Region eine wichtige Alternative zur Inklusion an Regelschulen.

Die Franz-Leuninger-Schule aus Mengerskirchen hat gerade einen zweiten Platz beim Deutschen Schulpreis für sein am Einzelwohl des Kindes orientiertes Inklusionskonzept erhalten. Aber es gibt in der Region auch Kinder mit Lernbeeinträchtigungen oder Behinderungen, die nicht an einer Regelschule klarkommen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Veyhelmann als Moderator sprach sich deshalb für den Erhalt der Förderschulen als Alternative aus. Staatssekretär Dr. Manuel Lösel (CDU) sagte: „Fünf große Förderschulen im Landkreis in Limburg, Weilburg und Bad Camberg tragen dazu bei, dass Schüler mit Behinderungen und Beeinträchtigungen den bestmöglichen Förderort finden.“

Das Förderschulangebot im Landkreis sei „hervorragend organisiert“, lobte der Staatssekretär. So unterstützt beispielsweise die Weilburger Walderbachschule („Schule für praktisch Bildbare“) die Leuninger-Schule mit ihrem Fachwissen bei der Inklusion.

Das Statement einer betroffenen Mutter zeigte, wie wichtig dennoch reine Förderschulen sind. Kerstin Benders hat vier Kinder, eines davon ist behindert. Sie erlebte eine gescheiterte Inklusion. Vor der Einschulung an der Dauborner Freiherr-vom-Stein-Schule 2011 habe es geheißen: „Wir versuchen es mit der Integration“. Anfangs sei auch alles toll gewesen. Doch schon nach kurzer Zeit in der Klasse habe ihr Kind gemerkt, dass es anders sei als die anderen Kinder. Es war überfordert. „Wir waren schnell am Rande der Inklusion angekommen“, erzählte Bender. Die Mutter wusste, ihr Kind muss da raus. Auf der Max-Kirmsse-Förderschule in Idstein funktioniere es jetzt. Das Kind fühle sich nicht mehr als Außenseiter. Es werde gut aufs spätere Leben vorbereitet.

Lehrer brauchen Zeit

Judith Lehnert, Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule, versicherte, dass ihre Kollegen sehr bemüht seien, Inklusionskinder individuell zu fördern. Oft funktioniere die Inklusion auch, nicht aber in jedem Fall. Michael Uhl, Leiter des Johann-Christian-Senckenberg-Schulzentrums Runkel/Villmar berichtete, dass sich betroffene Eltern oft bei der Wahl der richtigen Schulform für ihr Kind schwer täten. Sie bräuchten vor Schulwechseln eine bessere Beratung.

Uhl gab offen zu, dass viele Lehrkräfte schon am Limit seien. Er forderte „Inklusive Beschulung“ als Pflichtmodul im Studium für alle angehenden Lehrer. Außerdem wünscht er sich für Inklusionsklassen weniger Schüler und weniger bürokratischen Aufwand. Denn Lehrer bräuchten mehr Zeit, pädagogisch wirken zu können.

Manuel Lösel und Joachim Veyhelmann wollen die Entscheidung auf jeden Fall den Eltern überlassen. Der Kultus-Staatssekretär betonte, dass die hessische Landesregierung mehr als jede andere in Deutschland für die Ausstattung mit Förderlehrern tue.

Zu geringe Qualifikation

Doch die folgende Diskussion zeigte, dass in der Realität nicht überall die heile Welt herrscht. Der Staatssekretär räumte dann selbst ein, dass zu wenig junge Menschen auf Förderlehrer studierten und folglich bundesweit Fachpersonal fehle. „Ich kann niemanden zwingen, diese Richtung zu studieren“, sagte Lösel: „Die meisten wollen Grundschul- oder Gymnasiallehrer werden“. Durch eine bessere Bezahlung als in anderen Bundesländern versucht Hessen trotzdem, den einen oder anderen angehenden jungen Pädagogen in den Förderschulsektor zu locken. Die Diskussion zeigte, dass es für die Schulen nicht einfach ist, wenn nicht durchgehend ein ausgebildeter Förderschullehrer anwesend sein kann. Den unterstützend tätigen „Teilhabeassistenten“ fehle oft die nötiger Qualifikation.

Joachim Veyhelmann bot an, dass sich Lehrer und Eltern an sein Büro wenden könnten. Dann werde man schauen, wie man noch auftretende Probleme an den heimischen Schulen lösen könne. Manuela Woloschanowski von der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen sagte: „Wir haben viele engagierte Lehrkräfte, die nur das Wohl der Kinder im Sinn haben. Aber wir haben nicht ausreichend Kräfte, um Inklusionskinder intensiv betreuen zu können“. Claudia Pagel vom Malteser Hilfsdienst sagte, der Kreis als Schulträger müsse mehr Geld rausrücken, um mehr Schulbegleiter optimal ausbilden zu können. Niemand könne erwarten, dass die Malteser bei Ausbildungsangeboten noch Geld drauflegten. Andere Regionen wie Frankfurt täten da bereits mehr.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen