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Wenn die Germania klingelt: Kreishandwerkerschaft kooperiert mit Inkasso-Unternehmen

In zwei bis fünf Prozent aller Fälle zahlen Kunden nicht ihre Handwerkerrechnung im Landkreis Limburg-Weilburg schätzt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stefan Laßmann.
Damit möglichst viele Handwerksbetriebe nicht auf ihren unbezahlten Rechnungen sitzenbleiben, setzt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, Stefan Laßmann, auf eine Kooperation mit der „Germania Inkasso“. Foto: Anette in Concas Damit möglichst viele Handwerksbetriebe nicht auf ihren unbezahlten Rechnungen sitzenbleiben, setzt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, Stefan Laßmann, auf eine Kooperation mit der „Germania Inkasso“.
Limburg-Weilburg. 

In zwei bis fünf Prozent aller Fälle zahlen Kunden nicht ihre Handwerkerrechnung im Landkreis Limburg-Weilburg schätzt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stefan Laßmann. Weil ausstehende Rechnungssummen gerade für kleinere Betriebe ein größeres Problem sein können, kooperiert der Arbeitgeberverband des heimischen Handwerks mit einem Inkasso-Unternehmen, das auch Hausbesuche macht. Was das bedeutet, darüber sprach NNP-Redakteur Stefan Dickmann mit Laßmann.

NNP: Die Kreishandwerkerschaft kooperiert künftig mit der „Germania Inkasso“. Müssen säumige Handwerkerkunden jetzt damit rechnen, dass vor Ihrer Haustür muskulöse Männer auftauchen und einen böse anschauen?

STEFAN LASSMANN: Nein, ganz und gar nicht. Das ist ein seriöses, zertifiziertes Unternehmen. Es gibt leider immer wieder Fälle, in denen ein Kunde aus unterschiedlichen Gründen seine Rechnungen nicht bezahlt und auch auf Mahnungen nicht reagiert. Auch nicht auf Mahnungen, die per Post von einem Inkassobüro verschickt werden, das von uns, der Kreishandwerkerschaft (KH) Limburg-Weilburg, und der KH Gießen beauftragt worden ist. In 40 bis 50 Prozent der Fälle führt das zwar zum Erfolg. Aber hier geht es uns nur um diese Kunden, die sämtliche Schreiben ignorieren. Die kriegen dann persönlich Besuch von Mitarbeitern der „Germania Inkasso“.

NNP: Warum sind persönliche Hausbesuche in diesen Fällen so wichtig?

LASSMANN: Wir haben das Unternehmen getestet, weil wir es selber wissen wollten. Mitte Dezember vergangenen Jahres haben wir der Germania zwölf Fälle übergeben, in denen Kunden auf Zahlungsaufforderungen und Mahnungen unserer Mitgliedsbetriebe nicht reagiert haben. Mitte Januar waren davon neun Fälle geklärt; in den drei anderen Fällen muss geklagt werden, damit die betroffenen Handwerksbetriebe ihr Geld hoffentlich kriegen. Die Germania geht persönlich zu den zahlungsunwilligen Kunden – sowohl Firmen- als auch Geschäftskunden – und spricht die Leute direkt an oder findet heraus, wo jemand neu wohnt, wenn er weggezogen ist. Das hilft! Manchen ist es einfach peinlich, dass sie nicht zahlen können, andere machen das aus Kalkül, um zum Beispiel den Rechnungsbetrag zu drücken. Die Germania kommt aber nicht nur einmal vorbei, sondern immer wieder. Natürlich wird da ein psychischer Druck aufgebaut. Aber nur so geht es.

NNP: Und am Ende sind alle bereit, doch zu zahlen?

LASSMANN: Nein. Aber wir gehen davon aus, dass nur rund 20 Prozent übrigbleiben, die noch immer nicht zahlen können oder wollen. In diesen Fällen bleibt lediglich der Klageweg – und am Ende kommt der Gerichtsvollzieher. Grundsätzlich könnten die anderen 80 Prozent häufig dadurch vermieden werden, dass der Kunde, der nicht sofort alles bezahlen kann, sich mit dem Handwerker in Verbindung setzt und um eine Ratenzahlung bittet. Ich kenne keinen Handwerker, der das nicht machen würde! Wir kennen solche Fälle als Arbeitgeberverband auch, wenn ein Mitgliedsbetrieb mal seine Beiträge nicht zahlen kann, weil es ein Liquiditätsproblem gibt. Das kann ohne Verschulden sehr schnell passieren, wenn man als kleiner Betrieb einen Großauftrag hat und seine Rechnungen selbst nicht bezahlt bekommt. Wir rufen dann erst mal an und fragen, was los ist.

NNP: Wie finanziert sich die Kooperation mit der Germania?

LASSMANN: Weder wir als Arbeitgeberverband noch unsere Handwerksbetriebe zahlen das selbst. Das Inkasso-Unternehmen kassiert von den Kunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlen, Gebühren und finanziert so seine Dienstleistung.

NNP: Wie haben Sie das bislang geregelt bei der Kreishandwerkerschaft?

LASSMANN: Von 1990 bis 2007 haben wir das selbst gemacht. Unter anderem aus personellen Gründen war das dann nicht mehr möglich, aber auch, weil der Gesetzgeber verlangt hat, dass dafür eine Zertifizierung erforderlich ist. Das hätte sich für uns aus finanziellen Gründen nicht gelohnt. Wir haben daraufhin eine Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Gießen geschlossen. Die gibt es bis heute und die läuft sehr gut. Aber das von uns gemeinsam beauftragte Inkassobüro hat keinen Außendienst.

NNP: Gibt es heute mehr Probleme mit der Zahlungsbereitschaft von Kunden?

LASSMANN: Ja, ein Stück weit schon. Manchmal ist es nur Taktik, nicht alles zu zahlen, weil es angeblich Mängel gibt. Oder es wird bei kleineren Rechnungsbeträgen gar nichts bezahlt und darauf spekuliert, der Handwerker werde aus Kostengründen einen Rechtsstreit scheuen. Es kommt auch vor, dass mündlich ein zusätzlicher Auftrag vereinbart und ausgeführt, aber nicht bezahlt wird, weil es keine schriftliche Vereinbarung gab. Ich kenne aber auch einen Fall, da hatte ein heimischer Handwerker einen Auftrag in einer reichen Taunusgemeinde. Der Kunde war sehr zufrieden und hat den Handwerker sogar gelobt. Bezahlt hat er aber nur einen Teil des Rechnungsbeitrags mit der Begründung, mehr sei ihm die Leistung des Handwerkers nicht wert. . . Das war ein sehr reicher Kunde. Ich empfehle unseren Innungsbetrieben auf alle Fälle, die Rechnungen möglichst zeitnah zu stellen. Denn unmittelbar nach Leistungserbringung werden erfahrungsgemäß die Rechnungen am schnellsten bezahlt.

NNP: Wie haben die Obermeister der Innungen auf die Kooperation mit der Germania reagiert, als Sie sie in der Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft vorgestellt haben?

LASSMANN: Die Reaktionen waren positiv. Die einzelnen Mitgliedsbetriebe werden von uns deshalb noch angeschrieben. In der Regel wenden sie sich an uns, wenn sie mit dem Mahnverfahren nicht weiterkommen. Wir geben die Kundendaten an die Germania weiter. In vier bis sechs Wochen soll dann in jedem Fall ein Ergebnis vorliegen. Die lassen den Schuldner nicht so schnell vom Haken. Und wenn er trotzdem nicht zahlt, auch keine Raten, muss geklagt werden.

NNP: Haben Sie sich selbst schon mal geweigert, eine Handwerkerrechnung zu begleichen, weil Sie mit der Leistung nicht einverstanden waren?

LASSMANN: Jein. Ich hatte persönlich einen Fall, weil ich mit der Ausführung eines Handwerkers nicht so ganz einverstanden war. Die Qualität war in Ordnung, aber ich hatte etwas anderes gewollt und habe deshalb mit dem Handwerker eine eine Einigung erzielt, dass ich etwas weniger zahlen musste.

NNP: Aber eine Rechnung zu bezahlen, haben Sie noch nie vergessen?

LASSMANN: Jeder vergisst das mal, auch ich. Das ist zutiefst menschlich! Deshalb ist es ja richtig, erst einmal ein Erinnerungsschreiben zu verschicken. Dann entschuldigt man sich als Kunde und bezahlt. Ich wäre auch böse, wenn sofort eine Mahnung mit Säumniszuschlag käme.

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