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Reinhold Budzinsky ist nicht nur Präparator: Lust an Haut und Haar

Reinhold Budzinsky ist Bildhauer, Dekorateur und Präparator in einer Person. Seit fast 50 Jahren beschäftigt sich der Elbtaler Tierpräparator mit erlegtem Wild oder verstorbenen Haustieren. Ob er nun den Kadaver als Ganzes bekommt oder eine bereits abgezogene Haut – Wenn seine Arbeit beendet ist, steht das Tier wieder lebensecht auf seinen Beinen oder würdigt als Trophäe an der Wand die Treffsicherheit des Jägers.
Seit fast 50 Jahren präpariert der Elbtaler Reinhold Budzinsky erlegtes Wild oder verstorbene Haustiere. Foto: Kerstin Kaminsky Seit fast 50 Jahren präpariert der Elbtaler Reinhold Budzinsky erlegtes Wild oder verstorbene Haustiere.
Elbtal. 

„Mein zuerst erlernter Beruf war Dekorateur, doch im näheren Bekanntenkreis hatte ich sowohl den Leiter eines Präparationsbetriebs als auch einen Tierbildhauer, die mich beide für meinen Werdegang positiv beeinflussten“, antwortet der inzwischen berentete Budzinsky auf die Frage, wie er denn zu seinem außergewöhnlichen Metier gekommen sei.

Also schloss er eine dreijährige Zusatzausbildung als Präparator an und ging anschließend weitere drei Jahre bei dem Tierbildhauer in die Lehre. 1980 konnte Budzinsky sein eigenes Geschäft eröffnen. Mit Beginn der Rente gab er die große Werkstatt auf, zog in ein kleineres Domizil um und präpariert inzwischen nur noch, wenn er Lust dazu hat.

„Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, etwas Totes zum Leben zu erwecken." (Tierpräparator Reinhold Budzinsky)

„Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, etwas Totes zum Leben zu erwecken“, schwärmt er. Seine Arbeit verlange aber auch eine gehörige Portion an Tierliebe. Ungezählte Präparate, vom Piepmatz über niedere Wildtiere bis zu einem riesigen Eisbären, hatte Budzinsky im Laufe der Jahre schon auf seiner Werkbank.

„Ob Groß oder klein, die Herangehensweise ist immer gleich“, erklärt der Fachmann. Zuerst müsse das Fell oder der Kadaver vermessen werden. Da geht es um die exakte Höhe von Schultern und Becken, die Länge der Beine oder die Breite des Bauches. Nun ist Budzinskys Talent als Bildhauer gefragt, denn er fertigt ein individuelles anatomisches Modell des Tieres aus Ton. „Ich muss zum Beispiel genau wissen, wo die Muskeln hinkommen, damit das gegerbte Fell nachher auch richtig passt.“ Wenn das Körpergrundmodell aus Ton fertig ist, wird es mit Kunststoff abgeformt und diese Kunststoffform letztendlich mit einem PU-Schaum ausgefüllt. Dem geschäumten Rohling kann nun schon mal das Fell „anprobiert“ werden. So lassen sich Fehler erkennen und Feinheiten mit Ton nachmodellieren.

Es gibt fast kein heimisches Tier, das der Elbtaler nicht präpariert hat. Bild-Zoom Foto: Kerstin Kaminsky
Es gibt fast kein heimisches Tier, das der Elbtaler nicht präpariert hat.

„Die Stellung der Beine ist ganz wichtig für den lebendigen Charakter des präparierten Tieres“, sagt Budzinsky und zeigt auf zwei Wildschweine in seiner Werkstatt, von denen das eine scheinbar trabt und das andere lauschend verharrt. Die Wände der Werkstatt zeigen die Vielfalt seiner Präparate. Nicht nur ausgestopfte Tiere – da ist zum Beispiel ein Rehfell-Teppich mit Kopf und Hufen oder eine Mütze mit Gesicht, die Budzinsky auf Wunsch eines Amerikaners, der im Westerwald einen Waschbären erlegte, aus diesem Fell genäht hat.

Haustiere ausgestopft

Die größte Herausforderung sieht der Tierpräparator nicht in Größe oder Form des „auszustopfenden“ Fell- oder Federträgers. Nicht selten kommen Kunden, deren Haustier verstorben ist und die sich nicht trennen mögen. „Diese Menschen wollen, dass das Präparat den Gesichtsausdruck und die Wesensart des vierbeinigen Freundes genau wiedergibt.“ Eine Geschäftsfrau hatte zum Beispiel ihren verstorbenen Pitbull zuvor immer mit ins Büro genommen, wo das Tier brav neben ihrem Schreibtisch liegend ausharrte. In genau dieser Haltung wollte sie den Hund verewigen. „Das ist mir richtig gut gelungen“, sagt der Präparator lachend. „Manche Kunden sollen einen ordentlichen Schreck beim Anblick des vermeintlichen Kampfhundes bekommen haben.“ Auch einen wunderschönen, mehrfach prämierten Afghanen habe er präpariert und damit seinen guten Ruf weit über die Grenzen des Landkreises hinaus gefestigt. Gibt es ein Tier als Herausforderung, der sich Budzinsky gern noch stellen würde? Nein, antwortet er prompt. Alles für ihn Wichtige habe er schon gemacht.

„Nach mir ist Schluss“

Sogar ein Krokodil. Anders als bei Felltieren sei die Haut der Panzerechse nicht flexibel und muss deshalb 100 Prozent auf den Unterbau passen. Einen Nachfolger für seinen Betrieb hat Budzinsky nicht in Sicht. „Nach mir ist Schluss! Das ist kein Job, mit dem sich gut Geld verdienen lässt“, bedauert er. Die Arbeit sei sehr aufwändig, deshalb wollen gute Präparatoren am liebsten für Museen arbeiten, wo Zeit keine Rolle spiele.

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