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Der rote Wanja vom Westerwald: Martin Klein aus Stein-Wingert tritt als Direktkandidat für Die Linke an

Von Martin Klein ist seit Jahren im politischen Geschäft. Seit 2009 sitzt er für Die Linke im Kreistag. Jetzt tritt er als Direktkandidat seiner Partei für den nächsten Bundestag an. Seine Erfolgsaussichten sind überschaubar. Aber er sagt, er habe Hoffnung für die Zukunft.
Der Westerwald ist ein strukturkonservativer Raum, sagt Linken-Kandidat Martin Klein. Trotzdem hat er Hoffnung. Der Westerwald ist ein strukturkonservativer Raum, sagt Linken-Kandidat Martin Klein. Trotzdem hat er Hoffnung.
Montabaur. 

Die Geschichte vom starken Wanja, jener von Otfried Preußler geschaffenen Märchenfigur, geht so: Der Bauernsohn Wanja soll sieben Jahre auf dem Ofen liegen, um Kraft zu sammeln für die Abenteuer, die er danach in der Welt bestehen muss und bei denen er stets für das Gute und Schwache eintritt. Der starke Wanja ist Retter und Beschützer, und als solcher habe er auch immer gewirkt, sagt Martin Klein, weshalb er schon in der Schulzeit den Spitznamen Wanja bekam.

Ob es genau sieben Jahre später war oder doch ein wenig länger dauerte, bis er der rote Wanja wurde, lässt sich nicht rekapitulieren. Jedenfalls trat er für sozialistische Ideale ein, und später, als die DDR bereits Vergangenheit war, schloss er sich deren sozialistischem Überbleibsel an. Martin Klein wurde Mitglied der PDS. Das war 1990.

Zu Brandt aufgeschaut

Dabei lag die politische Heimat des Westerwälders ursprünglich in der Sozialdemokratie. „Als ich zwölf Jahre alt war, hieß der Bundeskanzler Willy Brandt“, erzählt der heute 58-Jährige aus dem 280-Seelen-Ort Stein-Wingert, nahe Hachenburg. Brandt sei ein Vorbild gewesen, zu dem er aufschaute. Die ausgehandelten Ostverträge bewunderte er ebenso sehr wie dessen Bildungs- und Rentenpolitik. Er sei Juso gewesen, durch und durch. Doch dann zog Helmut Schmidt ins Kanzleramt und drückte den Nato-Doppelbeschluss durch – und Martin Klein aus der SPD und in die KPD hinein. Zehn Jahre trug er das Parteibuch der Kommunisten mit sich herum. Jene Jahre, in denen Helmut Kohl von der „geistig-moralischen Wende“ sprach, die nach Kleins Meinung eine Rolle rückwärts ins Ur-Konservative war.

Aber auch der SPD-Mann Gerhard Schröder brachte Klein zufolge keine Verbesserung für die Bürger. Als Schröder 1998 das Amt von Kohl übernahm und seine Hartz-Gesetze auf den Weg brachte, hatte sich Westerwälder endgültig mit den Sozialdemokraten überworfen. „Weil sie ihre Inhalte aufgegeben haben“, sagt er. Deshalb werde die SPD auch nie wieder so stark werden wie einst, ist er überzeugt. „Wo soll deren Stärke herkommen?“

Wer für Gerechtigkeit eintritt, für die Menschen in der Mitte und auch für die, die darunter leben, hat sich den Linken zugewendet, sagt er. Dass seine Analyse stimmt, beweise die Unterstützung, die er erfährt. Immer mehr junge Leute engagierten sich für linke Politik, ohne sich an der Herkunft der Linken zu stören. Sympathien, gar ein Bekenntnis zu seiner Partei sei inzwischen normal geworden, betont er. In anderen Bundesländern sei die Linke ohnehin in Landesparlamenten vertreten. Rheinland-Pfalz habe da noch Nachholbedarf. Man befinde sich im ländlichen strukturkonservativen Raum. Da dauern politische Entwicklungen länger. Aber Martin Klein hat Hoffnung.

Denn: „Für die jungen Leute spielen die Schlachten der Vergangenheit keine Rolle mehr, und das ist gut so.“ Sie wollen verändern, wollen die Infrastruktur verbessern, damit der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut und der Gesundheitsbereich flächendeckend optimiert wird. Und sie wollen der Unternehmenskultur im Mittelstand zu mehr Blüte verhelfen.

„7 Prozent wären gut“

Dafür tritt der Linke aus Stein-Wingert an, der neben seiner Juso-Vergangenheit und seiner Vorreiterrolle als eines der ersten PDS-Mitglieder in Rheinland-Pfalz auch jahrelange Erfahrung als Gewerkschafter mitbringt. Als gelernter Bauschlosser war er in der IG Metall organisiert. Dann lernte er um zum Heilerziehungspfleger und schloss sich der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an. Dass seine Chancen auf ein Direktmandat nicht eben groß sind, weiß er. Ein Stimmenanteil von sieben Prozent wäre gut, sagt er. Aber ihm ist sein persönliches Abschneiden nicht wichtig, stellt Martin Klein klar: „Wir tragen zum Gesamtergebnis bei.“

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