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Aufwendige Arbeiten: So bereitet sich der Schlossgarten auf den Winter vor

3,8 Hektar umfasst die dreistufige Gartenanlage des Weilburger Schlosses und ist damit weithin die größte ihrer Art. Das Areal entspricht einer Fläche von fünf Fußballfeldern. Hier hat Hans-Peter Schmidt als stellvertretender Gartenchef das Sagen. Die NNP war dabei, als der Gärtnermeister und sein Team die Anlage für den Winter rüstete.
Auch Kleinarbeit, wie das Ausputzen der Cyclamen, gehört zum Alltag der Schlossgärtner. Bilder > Foto: Kerstin Kaminsky Auch Kleinarbeit, wie das Ausputzen der Cyclamen, gehört zum Alltag der Schlossgärtner.
Weilburg. 

Die bunten Sommerblumen sind bereits aus den Beeten verschwunden. Nun kommen die wertvollen Kübelpflanzen zum Überwintern in die Orangerie, bevor Herbststürme oder erste Nachtfröste ihnen schaden könnten. „Keine ganz ungefährliche Sache“, bemerkt Hans-Peter Schmidt, „schließlich müssen wir mit mehreren bis zu fünf Meter hohen Palmen einen enormen Höhenunterschied zwischen den Terrassen überwinden.“ Für diese Aktion sei extra ein Treppenlift ausgeliehen worden. Trotzdem: Hätte eine starke Böe die Pflanzen auf dem Weg nach unten gepackt, wären sie nicht zu halten gewesen.

Zum Glück ging alles gut. Nach und nach zogen rund 200 Kübelpflanzen in ihr geschütztes Winterquartier um. Neben den Palmen waren das Lorbeer-, Feigen- und Zitruspflanzen.

Unreife Feigen abgeerntet

Bevor die Feigenbäumchen ins Haus durften, wurden sie abgeerntet. „Die Früchte sind in diesem Jahr nicht reif geworden“, erklärt der Gartenmeister. Sie würden aber auch in der Orangerie nicht mehr nachreifen, sondern lediglich am Baum verderben, und dann könnten sich gefährliche Pilze bilden. „Wir rechnen im hiesigen Klima ja gar nicht mit ausgereiften Feigen. Doch im Jahrhundertsommer 2003 hatten wir tatsächlich mal eine richtig gute Ernte“, erinnert sich Schmidt.

Mit dem Herbst wird die Arbeit für die Schlossgärtner nicht weniger. Nachdem die Kübelpflanzen weggeschafft wurden, sind die Blumenbeete dran. Tausende Frühblüher-Zwiebeln kommen in die Erde; darüber werden Stiefmütterchen, Bellis und Vergissmeinnicht gepflanzt.

Kritik an Stiefmütterchen

„Wir hören manchmal Kritik, weil wir nur so kleine Stiefmütterchen setzen, größere seien doch viel hübscher. Doch hätte man sich für eine Sorte entschieden, die den Winter unversehrt überstehen kann, erklärte der Gartenmeister.

Nachdem die Beete für die kalte Jahreszeit bereitet sind, bekommen auch Brunnen und Sandsteinfiguren eine frostschützende Hülle. Und dann brauchen noch die 177 Linden ihren Winterschnitt. Dafür hoffe man im November auf trockenes Wetter mit Temperaturen von über fünf Grad plus.

„Der Herbst ist für mich eine sehr angenehme Zeit“, findet der Vizechef des Schlossgartens. „Im Sommer haben wir ja neben dem gärtnerischen Alltag viel mit Schlosskonzerten zu tun oder mit dem Management von Hochzeiten.“ Es sei schön, auf eine gut gelaufene Saison zurückblicken zu können und auch etwas Zeit für andere Dinge zu finden.“ Dann könne er etwa Saatgut bestellen und sich mit dem Pflanzplan für das nächste Jahr befassen.

Auf Bauernregeln oder Mondphasen für das Pflanzen nehme man im Schlossgarten keine Rücksicht. Die Arbeitspläne müssten sich vielmehr an den Berufsschultagen der Auszubildenden orientieren. Aber natürlich spiele auch das Wetter eine maßgebliche Rolle. „Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wann es anfängt zu regnen. Meine Prognosen sind manchmal sogar genauer als die des Niederschlagradars im Internet“, freut sich Schmidt.

Die Natur hilft sich selbst

In den beiden Gewächshäusern gedeiht unterdessen der grüne Nachwuchs. Pro Frühjahr und Herbst produziere das Team rund 20 000 Pflanzen – teils aus Samen oder Stecklingen, teils in einem sehr frühen Entwicklungsstadium angekauft. So auch die Hunderte von Alpenveilchen, die derzeit im Kalthaus ihre Blütenpracht entwickeln.

Per Knopfdruck am Bewässerungscomputer lässt Hans-Peter Schmidt zehn Minuten lang Wasser auf die Pflanzen-Tische laufen. In der Zeit können sich die Cyclamen von unten vollsaugen. Überflüssiges Wasser geht in einen verlustfreien Kreislauf. Das spare dem Betrieb neben Wasser auch Dünger, weil auch das mit Nährstoffen angereicherte Wasser nicht verlorengeht.

Sparsam gehe man im Schlossgarten auch mit Pflanzenschutzmitteln um. „Wir bemühen uns immer zuerst um eine biologische Strategie zur Schädlingsbekämpfung. So würden etwa Marienkäfer im Kampf gegen Blattläuse eingesetzt. Der Experte ist überzeugt: „Wenn man die Natur lässt, dann kann sie sich von allein helfen.“

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