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Kosten für Helmtherapie übernommen: So hat die Leberecht-Stiftung Charlotte und Sophie Forcher geholfen

Von Die Krankenkasse hätte die Orthesen nur bezahlt, wenn die Kinder lebensbedrohlich erkrankt wären. Die Leberecht-Stiftung will allen Kindern in Not helfen und hat die Kosten für die Helmtherapie von Charlotte und Sophie Forcher übernommen. Heute haben die Mädchen aus Seelbach ganz normale Schädel.
Alles in Ordnung: Kerstin Forcher und ihre beiden Mädchen. Nur drei Monate mussten Charlotte und Sophie ihren Helm tragen, dann waren ihre Köpfe so, wie sie sein sollten. Bilder > Foto: Rauch, Sabine Alles in Ordnung: Kerstin Forcher und ihre beiden Mädchen. Nur drei Monate mussten Charlotte und Sophie ihren Helm tragen, dann waren ihre Köpfe so, wie sie sein sollten.
Seelbach. 

Die beiden Helme hat sie längst weggeworfen. Sie hatten ihre Aufgabe erfüllt. Aber die Fotos von ihren beiden Mädchen mit Helm hat Kerstin Forcher aufgehoben. Obwohl sie eigentlich gar keine Bilder machen wollte, obwohl sie eigentlich nicht daran erinnert werden wollte, dass Charlotte und Sophie mal aussahen wie kleine Marsmännchen mit den Plastikhelmen auf dem Kopf. Natürlich sehen die beiden behelmten Babys merkwürdig aus. Aber das zählt jetzt nicht mehr, denn ihre Köpfe sind heute so wie sie sein sollen: Ebenmäßig und fast ganz symmetrisch – und welcher Kopf ist schon symmetrisch? Auch der Kampf um die Finanzierung der Behandlung ist schon fast vergessen. Die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung hat die Kosten übernommen. Weil die Krankenkasse nicht zahlen wollte – obwohl die Ärzte von Charlotte und Sophie fürchteten, dass die beiden einmal unter Hör- und Sehstörungen leiden könnten, wenn man ihnen nicht rechtzeitig hilft.

Hübsch und aufgeweckt

Charlotte und Sophie Forcher sind inzwischen anderthalb Jahre alt, wunderhübsch und sehr aufgeweckt. Als die Zwillinge am 31. März 2016 auf die Welt kamen, waren sie vor allem sehr zart und eigentlich noch gar nicht bereit, geboren zu werden. Vier Wochen lang mussten die Frühchen in einem Inkubator in der Höchster Kinderklinik bleiben. Bei der U 3 erklärte die Kinderärztin Kerstin und Sascha Forcher, dass ihre Kinder inzwischen voll entwickelt seien, aber mit den Schädeln der beiden nichts alles in Ordnung sei: Beide waren an der Seite eingedrückt, beide an der rechten Seite. Die Plagiozephalie hatte Folgen, die Gesichter der beiden Säuglinge waren asymmetrisch, das eine Ohr weiter vorne als das andere. Das sieht nicht nur nicht besonders hübsch aus, die Kinderärzte warnten auch vor Spätfolgen. „Viele Kinder mit deformiertem Schädel schielen, hören schlecht und haben Zahnfehlstellungen“, sagt Kerstin Forcher. Also war ihr und ihrem Mann schnell klar, dass sie etwas tun mussten. Sie haben sich besondere Kopfkissen angeschafft – mit einer Mulde für den Kopf. Sie haben Krankengymnastik mit den Mädchen gemacht, sie waren beim Babyschwimmen. Aber nichts hat wirklich geholfen.

Der Rat der Spezialisten

Also sind Kerstin Forcher und ihr Mann im September 2016 mit den Mädchen in die Uniklinik Gießen gefahren – zu Spezialisten. Die empfahlen den beiden, ihren Kindern kleine Helme aufzusetzen, die das Wachstum des Kopfes regulieren. Und die Ärzte empfahlen den Forchers, mit den Helmen nicht mehr lange zu warten, denn in den ersten Lebensmonaten wächst der Kopf besonders schnell. Die Ärzte sagten den Forchers aber auch, dass ausgerechnet ihre Krankenkasse, die Techniker-Krankenkasse, sich oftmals weigert, die Kosten für die Helmtherapie zu übernehmen.

„Also haben wir uns zusammengesetzt und beraten“, sagt Kerstin Forcher. Dass sie und ihr Mann sich die 3638 Euro für beide Helme nicht leisten können, war klar. Das Ehepaar hat erst vor kurzem in Villmar-Seelbach ein Haus gekauft, Kerstin Forcher ist in Elternzeit, und mit Zwillingen ist sowieso alles doppelt so teuer. Aber auf die Krankenkasse wollten die Eltern nicht setzen. „Jede Woche, die man wartet, ist verschwendete Zeit“, sagt Kerstin Forcher. Und sie weiß, welche Folgen es haben kann, wenn Eltern zu lange mit der Behandlung warten oder sich den Helm gar nicht leisten können – das hatte sie in entsprechenden Foren im Internet gelesen. „Ich wollte meinen Kindern nicht irgendwann einmal erklären müssen, warum sie solche Probleme haben. Da hätte ich lieber auf etwas anderes verzichtet.“ Sascha Forchers Eltern versprachen, das Geld vorzulegen. Als ihre Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnte, haben Sascha und Kerstin Forcher Widerspruch eingelegt, sie haben auf mögliche Folgekosten bei fehlender Behandlung hingewiesen und darauf, dass die beiden Mädchen so gute Fortschritte machen. Als der Widerspruchs-Ausschuss der TK die Kostenübernahme ebenfalls ablehnte, wollten die beiden vors Sozialgericht gehen, „denn diese Ungerechtigkeit regt mich auf.“ Die Forchers haben sich dann doch dagegen entschieden, weil ein Rechtsanwalt und weitere Gutachten noch mehr Geld gekostet hätten – und Nerven.

Sehr zufrieden

Und außerdem waren ihre Kinder ja inzwischen geheilt, die Ärzte waren „super zufrieden“. Weil sie so schnell reagiert hatten, mussten Charlotte und Sophie die Helme nur drei Monate tragen – von Mitte Oktober bis Mitte Januar. „Nachher waren ihre Köpfe erst einmal rund wie Fußbälle“, erinnert sich Kerstin Forcher. Aber es dauerte nicht lange, bis die Schädel in ihre vorgegebene Form wuchsen.

Kerstin und Sascha Forcher waren glücklich und froh; und sie hatten sich damit abgefunden, dass sie die Kosten übernehmen sollten. Bis eine Freundin im Höchster Kreisblatt von einer Familie las, der die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung eine Kopforthese, also einen kleinen Helm, bezahlt hatte. Da habe sie gedacht: „Ich probiere das einfach mal.“ Eigentlich habe sie sich aber keine Chancen ausgemalt, sagt Kerstin Forcher und lacht. Sie schickte trotzdem alle möglichen Gutachten und Befunde und den Schriftverkehr mit der Krankenkasse an die Leberecht-Stiftung, und es dauerte nicht lange, bis sie gebeten wurde, ihre Bankverbindung zu schicken. „Wir haben uns riesig gefreut.“ Nicht nur, weil sie endlich Hilfe bekam, sondern auch, weil alles ganz unkompliziert war. Und weil die Familie jetzt weiß, bei wem ihre Spendengelder gut aufgehoben sind: „Bei der Leberecht-Stiftung weiß ich, dass das Geld auch ankommt“, sagt Kerstin Forcher.
 

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