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Ausgebildete Hunde entdecken Schadstoffe: Spürhunde: Dem Schimmel auf der Spur

Von Schimmel ist unansehnlich und ungesund – und unter Umständen unsichtbar. Auch gerochen werden können die Schimmelpilze nicht immer – jedenfalls nicht von Menschen. Die Labrador-Retriever von Sylvia Strate sind indes genau hierfür ausgebildet. Die Tiere sind Schimmelspürhunde.
Wo ist der Schimmel? Schimmelspürhund Tony von Sylvia Strate kann ihn erschnüffeln. Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken Wo ist der Schimmel? Schimmelspürhund Tony von Sylvia Strate kann ihn erschnüffeln.
Hadamar-Steinbach. 

Tony, Joy und Sylvia Strate sind ein eingespieltes Team. Wenn sie zusammenarbeiten, ist die Vorgehensweise klar: Zuerst geht Sylvia Strate in das Haus, in dem sich der Tatort befindet und sondiert das Terrain. Anschließend untersucht der jugendliche, ein wenig ungestüm wirkende Tony die Räume schnell und gründlich. Und am Ende kommt Joy, eine bereits in die Jahre gekommene Dame, die gewissermaßen für die Abnahme der Forschungsergebnisse zuständig ist. Tony und Joy sind ausgebildete und geprüfte Schimmelspürhunde; Sylvia Strate ist im Hauptberuf Architektin und hat sich nebenher zur Sachverständigen für Schimmel in Wohn- und Arbeitsbereichen weitergebildet. Sie ist Schimmelspürhundführerin.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich die 52-jährige Strate in ihrer freien Zeit mit Hunden. Ihre Labrador-Retriever brauchen mehr als ein bisschen Auslauf, sagt sie. Sie brauchen eine „rassetypische Auslastung“. Deshalb trainierte sie mit den Tieren, zunächst mit den Vorfahren von Joy und Tony, Dummy-Sport, bei dem beispielsweise mit Attrappen eine Jagd simuliert wird. Dann wollte sie sich der Rettungshundestaffel in der Region anschließen und stellte sich und ihre Hunde bei den zuständigen Fachleuten vor. Die Hunde hätten sich perfekt verhalten, erzählt Sylvia Strate nicht ohne Stolz. Aber sie ist hörbehindert. Deshalb hieß es: „Die Hunde ja, aber Sie können wir bei der Rettungshundestaffel nicht gebrauchen.“ Sie recherchierte nach weiteren Einsatzmöglichkeiten und stieß auf die Ausbildung zum Schimmelspürhund. Der nicht sichtbare Schimmel wird von den Tieren erschnüffelt.

Beim Heizen sparen

Das war ein Treffer. Schließlich kennt sich die Frau aus dem Hadamarer Ortsteil mit Bauplänen und bauphysikalischen Zusammenhängen aus. Die Erweiterung dieses Fachwissens, „das interessierte mich“. Wie kommt es zu Feuchtschäden? Haben die Schimmelpilze nur oberflächliche Schäden verursacht, etwa unter der Tapete, deren Kleber einen hervorragenden Nährboden für die gesundheitsschädlichen Sporen darstellt? Oder ist beispielsweise durch einen Wasserrohrbruch ein ganzes Bauteil betroffen? Die Ursachen sind häufig ähnlich, erklärt Sylvia Strate: Die Leute wollen beim Heizen sparen, weshalb die Temperatur vornehmlich in Kellerräumen so weit abgesenkt wird, dass die Luft die vorhandene Feuchtigkeit nicht aufnehmen kann. Langfristig kann Sparen so ein teures Unterfangen werden, sagt die Expertin.

Mit der Beseitigung des Schimmels haben sie und ihre Hunde indes nichts zu tun. Strate erstellt ein Protokoll über die Begehung und empfiehlt allenfalls, eine notwendige Sanierung von einer Fachfirma ausführen zu lassen. Aber wenn es soweit ist, sind Tony und Joy längst fertig mit ihrer Begutachtung, für die sie in einer speziellen Schimmelspürhund-Ausbildungsstätte in Baden-Württemberg abgerichtet wurden. Harte Arbeit sei das gewesen, betont Strate. Je nachdem, wie gut die Tiere vorbereitet sind, dauert der Kurs ein oder zwei Jahre. Ihre Hunde haben die Ausbildung schnell absolviert. Joy und der damals erst 15 Monate alte Tony wussten, dass „die Sache keine Bespaßung ist, sondern ein Job“. Vor rund drei Jahren waren die Hunde bereit. Sylvia Strate nahm ihre Tätigkeit als Bauexpertin mit Schimmelspürhunden auf.

Das Einsatzgebiet ist groß. Bis weit nach Bayern oder Thüringen hinein waren die drei bereits dem Hausschimmel auf der Spur. Während der Heizperiode von Oktober bis April fallen in jedem Monat durchschnittlich zwei bis drei Einsätze an. „Wenn wir vor Ort sind, schaue ich mir zuerst die baulichen Gegebenheiten an“, berichtet die Architektin. Sie misst Luftfeuchte, Taupunkt- und Raumtemperatur. Auch die Temperatur der eventuell betroffenen Bauteile wird gemessen. Außerdem muss Strate unter Umständen Möbel verschieben, damit an den Wänden geschnuppert werden kann.

Höchste Konzentration

„Die Hunde arbeiten hier“, sagt sie noch einmal. Da muss Platz sein, und es müssen die Voraussetzungen für höchste Konzentration geschaffen werden. Ein anderes Haustier oder gar ein fremder Futternapf dürfen nicht im Raum sein. „Das würde Tony und Joy ablenken.“ Ihre Nasen sind um ein Vielfaches feiner als die der Menschen. Die Riechschleimhaut betrage bis zu 230 Quadratzentimeter, teilt die Hundebesitzerin mit. Die Riechrezeptoren des Menschen beschränken sich dagegen lediglich auf drei bis fünf Quadratzentimeter. „Wir sind da völlig unterentwickelt.“

Damit die Hunde merken, dass sie im Dienst sind, wird ihnen ein blaues Halsband umgelegt. Blau ist eine Spezialfarbe, sagt die Besitzerin. Joy und Tony wissen: „Jetzt gilt’s.“ Höchstens 30 Minuten darf ein Schimmelspürlauf dauern. Anschließend haben die Tiere sich eine Pause verdient. Nach dem Einsatz fährt Sylvia Strate mit ihren Hunden nach Hause, um sich zu erholen und um mit präparierten Proben für das nächste Mal zu trainieren. Beschwerden gab es noch nie, sagt sie. „Die Hunde sind meine Kollegen, und auf die kann ich mich verlassen.“

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