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Bürgermeisterwahl in Villmar: Unterwegs mit dem Amtsinhaber

Was ist den Villmarer Bürgermeister-Kandidaten wichtig? Wo sehen Sie in der Gemeinde Handlungsbedarf? Welche Schwerpunkte wollen sie setzen? Um das herauszufinden, sind wir mit ihnen auf Tour gegangen. Fünf Plätze ihrer Wahl sollten sie mit uns anfahren, die für sie als Bürgermeister eine besondere Bedeutung hätten. Heute sitzen wir im Auto von Bürgermeister Arnold-Richard Lenz, der als unabhängiger Kandidat antritt.
Das Wasser kam von allen Seiten – das Hochwasser in Weyer nach dem Starkregen vor zwei Jahren ist nicht nur Bürgermeister Arnold-Richard Lenz noch gut im Gedächtnis. Bilder > Das Wasser kam von allen Seiten – das Hochwasser in Weyer nach dem Starkregen vor zwei Jahren ist nicht nur Bürgermeister Arnold-Richard Lenz noch gut im Gedächtnis.
Villmar. 

Der Bürgermeister kommt pünktlich aus seinem Büro. Allerdings nur, um zu sagen, dass es noch einen Moment dauern wird. Mehr als ein Moment ist es dann auch nicht, dann steht der Amtsinhaber, der sich bei der Wahl am 4. März gegen sechs Gegenkandidaten behaupten muss, parat.

 

  Erste Station: die Baustelle vor dem Rathaus

Die Einschränkungen, die die Baustelle mit sich bringe, beschäftige die Bevölkerung, aber natürlich auch ihn selber schon seit einigen Wochen, sagt Arnold-Richard Lenz. „So etwas läuft nie so, wie es am Anfang geplant war.“ Aber letztlich habe es keine Alternative gegeben, als die Ortsdurchfahrt, die schon einmal zurückgestellt worden sei, endlich anzugehen. Im Jahr 2008 habe die Gemeinde – lange vor seiner Amtszeit – gute zwei Millionen Euro an Zuschüssen bekommen, von denen knapp die Hälfte wieder zurückgezahlt werden mussten. „Wir hätten 2018 fertig werden müssen, um alles behalten zu können, aber das ist nicht mehr zu schaffen. Schließlich habe man auch nicht die Umleitung und die Ortsdurchfahrt gleichzeitig angehen können. Und bis zu seinem Amtsantritt sei erst ein Bruchteil der Summe verarbeitet worden. Stolz ist Lenz auf die Gesamtsumme, die in den vergangenen sechs Jahren, in denen er Bürgermeister war, verbaut wurde: rund zwölf Millionen Euro. Und da in dieser Zeit auch große Zuschüsse geflossen seien und mehr als fünf Millionen Euro der bestehenden Schulden getilgt worden seien, habe sich der Gesamtschuldenstand nur um rund zweieinhalb Millionen Euro auf 15,5 Millionen Euro erhöht. Die Absage des Weihnachtsmarkt sei alternativlos gewesen, da ernste Sicherheitsbedenken bestanden hätten. Er sei lange davon ausgegangen, dass die Bauarbeiten schnell genug vorangehen, damit der Weihnachtsmarkt stattfinden könne. Als sich herauskristallisiert habe, dass das wohl nichts wird und kein geeigneter Alternativstandort in Sicht war, habe er innerhalb von zwei Tagen die Veranstaltung abgesagt.

 

  Zweite Station: das Lahn-Marmor-Museum in Villmar

Das Museum sei über die Grenzen der Gemeinde von Bedeutung. Schließlich sei Villmar das Herz der Marmor-Verarbeitung gewesen, sagt Arnold-Richard Lenz. „Wir wären ja mit dem Klammersack gepudert, wenn wir das nicht nutzen würden.“ Die Gemeinde sei allerdings finanziell außen vor. „Das liegt alles in der Hand des Vereins, der auch die wirtschaftlichen und personellen Entscheidungen trifft.“ Ohne den wäre der Aufbau des Museums nie möglich gewesen, sagt der Bürgermeister. Auf Unterstützung durch die Gemeinde in Form von Kontakten, Werbung und ähnlichem könne der Verein jederzeit rechnen. Um die Zukunft ist dem Bürgermeister trotz der „schwierigen Situation“ nicht bange. „Da stehen fähige Leute an der Spitze, die Ahnung von der Materie haben.“

 

  Dritte Station: Eine Anhöhe oberhalb von Weyer

Der Starkregen mit dem Hochwasser vor allem in Weyer vor knapp zwei Jahren sei eine der eindrücklichsten Erfahrungen als Bürgermeister gewesen, sagt Arnold-Richard Lenz. Den Wassermassen, die von allen Seiten gekommen seien, habe man relativ hilf- und fassungslos gegenübergestanden. Was ihn bedrückt ist, dass es keine Garantie gebe, dass etwas ähnliches mit ähnlich hohen Schäden im Ortsteil nicht wieder geschieht. „Wir können zwar Gräben und Abflüsse freihalten und versuchen, mit Wällen und Rinnen das Wasser am Ort vorbei zu lenken und vom Abrutschen bedrohte Hänge zu stabilisieren, aber wenn wieder so viel Wasser kommt wie 2016, haben wir keine Chance.“ Beeindruckt habe ihn aber, wie gut und effektiv die Hilfskräfte von Feuerwehr und THW gearbeitet hätten. „Das war wirklich toll.“

 

  Vierte Station: die Baustelle des Kulturzentrums in Aumenau

Die Polemik, mit der um den Umbau des alten Feuerwehrgerätehauses in Aumenau zu einem Kulturzentrum gestritten worden sei, habe ihn geärgert, sagt Arnold-Richard Lenz. Es handele sich keineswegs um ein „zweites Bürgerhaus“, schon alleine deshalb, weil es in Aumenau kein erstes Bürgerhaus gebe. Außerdem vereine es mehrere Zwecke in sich. Es biete den Vereinen dringend benötigten Platz, und vor allem werde hier das Mittagessen für die Ganztagsgrundschule angeboten. Die Grundschule hätte ohne Ganztagsbetrieb keine Überlebenschance gehabt.

  Fünfte Station: der Mittagstisch in der Seelbachtalhalle

Die Mittagstische in der Gemeinde, ganz besonders der in Seelbach, seien ein echtes Erfolgsmodell, sagt der Bürgermeister. Vor der Einführung hätten viele noch gezweifelt, ob ein solches Angebot überhaupt angenommen werden würde. Die Zweifel seien mittlerweile ausgeräumt, bis zu 50 Besucher, vor allem Senioren, kämen zu den Terminen. Aber auch junge Leute fänden sich regelmäßig ein, so dass auch die Generationen miteinander ins Gespräch kämen. „Ein echter Gewinn für die Gemeinde“, sagt Lenz.

Podiumsdiskussion der NNP

Eine Möglichkeit, sich einen persönlichen Eindruck von den sieben Kandidaten zu machen, besteht am Mittwoch, 21. Februar, ab 19 Uhr in der König-Konrad-Halle in Villmar. Dann werden die potenziellen Bürgermeister bei der Podiumsdiskussion Rede und Antwort stehen. Es moderieren Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf und Redakteurin Katja Mielcarek. Auch das Publikum wird Gelegenheit zum Fragen haben.

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