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Projekt Junge Zeitung: Vom Nikolaus in Todesängsten

Auch der Nikolaus hat manchmal Todesangst, hält mal den ganzen Verkehr auf oder gerät in Zwickmühlen. Darüber schreibt Marlon Arnst, Teilnehmer des NNP-Projektes „Junge Zeitung“. In den nächsten Wochen berichten die Schüler/-innen über „Helden“ in allen möglichen Facetten.
Manchmal hat Bischof Nikolaus, alias Martin Horne auch kleine, himmlische Begleiter. Foto: Marlon Arnst Manchmal hat Bischof Nikolaus, alias Martin Horne auch kleine, himmlische Begleiter.
Limburg-Weilburg. 

Manchmal ist es dann doch nicht schwer, Helden zu finden, vor allem wenn im Limburger Raum mal wieder die Nikoläuse los sind. Jahr für Jahr sorgen ehrenamtliche Helfer der gemeinnützigen Organisation „Nikolaus auf Abruf“ für ein frohes Nikolausfest in Familien, Kindergärten und auch Firmen.

Die dabei eingehenden Spenden werden anschließend als Sachgeschenke an Hilfsbedürftige, sowie Kindergärten oder Frauenhäuser versandt. Im kommenden Jahr geht der Verein Nikolaus aus Limburg ins 50. Jahr. Bereits seit 26 Jahren ist Martin Horne (41), Event-Manager aus Siegen, ehrenamtlich aktiv im Verein. Er gibt einen Einblick in seine Rolle als „Nikolaus“.

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1990 begann Martin Hornes Nikolauslaufbahn. Er war 15, erfuhr durch die Zeitung von der Aktion „Nikolaus auf Abruf“ und bewarb sich wenige Tage später bei einem ersten Vortreffen. Monate später erfuhr er ganz zufällig, dass früher auch sein Vater schon als Helfer mitgemacht hatte. Zunächst bekam er in einer theoretischen Schulung Tipps und Methoden mit auf den Weg, um die Abläufe bei unterschiedlichen Gastgebern zu erlernen. Schnell sollte er nach wenigen praktischen Auftritten, wo er noch zuschauen konnte, selbst zum ersten Mal den Nikolaus spielen. „Eine sehr grauenhafte Geschichte“, wie er verrät. Bei diesem „Kaltstart“ vergaß der Neuling in einer kleinen Familie einige Phrasen und wäre am liebsten im Wohnzimmerboden versunken.

Umlagert von Menschen

Doch schnell lernte er dazu. In den folgenden 25 Jahren nämlich gab es schon das ein oder andere Kuriosum: Zum Beispiel legte er einmal mit einer Nikolauskutsche den Limburger Verkehr lahm: „Ich fuhr mit einer Pferdekutsche die Grabenstraße entlang und verteilte Geschenke aus der Kutsche heraus. Bei dem Fußgängerüberweg zwischen Neumarkt und Kornmarkt wurden wir dann regelrecht von Menschen umlagert, und ich verteilte freudig meine Gaben. Dabei staute sich der Verkehr zurück bis zur Kreuzung Richtung Eschhofen. Die Staunachrichten erreichte sogar die Nikolauszentrale. Das war mir dann doch sehr peinlich.“

An einem anderen 6. Dezember musste er in einem Boot stehend die Lahn überqueren. Zu dieser zittrigen Angelegenheit kam er, weil ihn ein Limburger Ruderverein bestellt hatte. „In Todesangst“, schmunzelt der 41-Jährige, „fuhr ich rund 200 bis 300 Meter über die Lahn.“

Doch es gab auch wesentlich tragischere Fälle, wie Martin Horne erzählt: So sei er bei einem Familienbesuch unverhofft in die Rolle eines Ehekrisenberaters gekommen. Er musste den Wunschzettel des kleinen Jungen erst zweimal lesen, bis er begriff, dass der Vater im nächsten Monat „bitte doch nicht ausziehen“ solle. In Angesicht der etwas irritierten Eltern tat er gut daran, die prekäre Situation langsam aufzulösen. Dann ist statt des gewohnten Gedichteaufsagens sehr viel Improvisation gefordert.

Größere Auftritte sind nun nichts Neues mehr für den Siegener: Bei einem Eschhofer Turnverein durfte er eine Rekordkulisse von 300 Zuhörern genießen.

Zu wenig Anerkennung

Für die Inspiration seines ehrenamtlichen Helfens nennt der 41-Jährige zwei entscheidende Gründe. Natürlich ist es in seiner Absicht, das Brauchtum des Nikolaus zu pflegen. „Man sollte nie den im ,wahren‘ Nikolaus steckenden sozialen Menschen vergessen, der für seinen Posten als Bischof sehr zurückhaltend war, und“, so führt er fort, „sicherlich noch zu wenig Anerkennung findet. Für mich ist der Heilige St. Nikolaus ein stiller Held!“ Zum anderen sorgen die Blicke, Gedichte und Gesänge der Kinder für einen stets frohsinnigen Nikolaus. Es sind wahrscheinlich unzählbar viele Gefühle, die die Kleinen vor dem großen Nikolaus ausstrahlen. „Doch sie liegen irgendwo zwischen Mut, Offenheit und Ehrfurcht“, antwortet Martin Horne. Selbst in Zahlen ist seine Begeisterung nicht zu übersehen: Seit seinem Einstieg fehlte der Selbstständige nur ein einziges Mal.

„Jeder kann und sollte im Ehrenamt tätig sein“, davon ist der gebürtige Offheimer überzeugt. Sein Nikolausamt verschafft ihm neben riesigem Respekt sicherlich auch einen Heldentitel.

Übrigens, junge Nikoläuse werden jederzeit gesucht!

 

Kontakt: Nikolaus e.V., E-Mail: nikolausevlm@gmail.com, Telefon:  0 64 31/56 85 56.

 

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