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Wünsche formulieren: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung – was ist zu beachten?

Wer benötigt eine Vorsorgevollmacht? Was steht in einer Patientenverfügung? Und welche Konsequenzen kann hat es im Ernstfall für denjenigen haben, der keine hat? Beim 21. Frickhöfer Rot-Kreuz-Gespräch des DRK Frickhofen gab Amtsgerichtsdirektor Michael Meyer Auskünfte zu diesen Fragen. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.
Wer selbst nicht mehr entscheiden kann, braucht Menschen, denen er vertraut. Damit die im Ernstfall wissen, wie sie handeln sollen, ist es ratsam, die eigenen Wünsche frühzeitig schriftlich niederzulegen. Foto: totalpics (26957237) Wer selbst nicht mehr entscheiden kann, braucht Menschen, denen er vertraut. Damit die im Ernstfall wissen, wie sie handeln sollen, ist es ratsam, die eigenen Wünsche frühzeitig schriftlich niederzulegen.
Dornburg. 

Wer sollte eine Vorsorgevollmacht schreiben und warum?

Jeder Erwachsene sollte eine Vorsorgevollmacht abschließen. Damit wird sichergestellt, dass in einer Situation, in der jemand selbst nicht mehr entscheiden kann, eine Person des Vertrauens die Entscheidungen in seinem Sinne trifft. Bei einer Vorsorgevollmacht sollten die Menschen nicht nur daran denken, dass sie eventuell im Alter nicht mehr in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. In solche Situationen können durch eine Krankheit oder einen schweren Unfall auch junge Menschen kommen.

Michael Meyer informierte über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Bild-Zoom
Michael Meyer informierte über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Was passiert, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt?

Gibt es keine Vorsorgevollmacht, dann führt der Weg immer über das Gericht, welches dann einen gerichtlichen Betreuer bestimmt. Dabei schaut das Gericht, ob es Familienangehörige gibt. Aber dieser Weg ist aufwendiger und kann bis zu 48 Stunden dauern, übers Wochenende auch mal 72 Stunden, bevor der Betreuer Entscheidungen treffen darf. Beim Vorliegen einer Vollmacht greift diese direkt, wenn es notwendig ist. Zudem übt das Gericht über diesen Weg ohne vorliegende Vollmacht bei allen wichtigen Entscheidungen wie einem Immobilienverkauf eine Kontrollfunktion aus.

Wie kann ein Missbrauch einer Vorsorgevollmacht ohne gerichtliche Kontrolle verhindert werden?

Ein Arzt muss immer eine Handlungsunfähigkeit des Betroffenen bestätigen, bevor die Vorsorgevollmacht zum Greifen kommt. Amtsgerichtsdirektor Michael Meyer empfiehlt, immer zwei vertraute Personen zu benennen. Dann empfiehlt er weiterhin, dass in einem gesundheitlichen Notfall einer alleine entscheiden kann, aber bei Vermögensfragen oder zum Aufenthaltsbestimmungsrecht nur zu zweit entschieden werden darf.

Was ist, wenn sich die zwei Vertrauenspersonen zerstritten haben?

Wenn sich zwei Betreuungspersonen zerstritten haben, bestimmt das Gericht einen dritten, gerichtlichen Betreuer.

Immer im Portemonnaie

Wie wird eine Vorsorgevollmacht abgeschlossen?

Im Internet auf der Seite vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz oder beim Gericht gibt es einen Vordruck zur Vorsorgevollmacht. Dieser wird ausgefüllt, die Unterschrift muss beim Ortsgericht beglaubigt werden. Es empfiehlt sich, pro Bevollmächtigtem eine beglaubigte Kopie anzufertigen und diese beim Bevollmächtigten zu hinterlegen. Ein Betreuer muss immer seine Vertretungsmacht nachweisen und das Dokument vorlegen. Meyer empfiehlt, dass sich der Bevollmächtigende die Daten zur Bevollmächtigung im Visitenkartenformat ins Portemonnaie steckt. Im Notfall wissen die Ärzte direkt, wen sie ansprechen müssen.

Wie wird eine Patientenverfügung verfasst?

In einer Patientenverfügung muss ein Mensch genau festlegen, was er möchte und was nicht. Daher ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt das A und O dieser Verfügung. Mit diesem Gespräch stellt der Patient einen Katalog auf, welchen medizinischen Maßnahmen er zustimmt und welchen nicht. Das ist eine persönliche Entscheidung jedes einzelnen. Die Wünsche werden schriftlich festgehalten und müssen beglaubigt werden. Meyer empfiehlt, die Verfügung regelmäßig zu überarbeiten und neu zu unterschreiben, da sich auch die Medizin weiterentwickelt.

Was passiert ohne Patientenverfügung?

Die Ärzte dürfen nicht machen, was sie wollen. Es gilt der Wunsch des Patienten. Wenn dieser nicht entscheiden kann, entscheidet der Bevollmächtigte. Kann er die Wünsche plausibel vortragen, führt der Arzt diese durch. Kann der Bevollmächtigte diese nicht plausibel vortragen, erfolgt eine gerichtliche Beweisaufnahme am Krankenbett.

Was ist sonst noch wichtig?

Zusätzlich zur Vorsorgevollmacht und zur Patientenverfügung empfiehlt Michael Meyer, regelmäßig mit Familienangehörigen und Freunden über das gewünschte Verhalten im Notfall zu sprechen. Nur so könnten Familienangehörigen oder auch Freunde wissen, was ein Mensch, der selbst nicht mehr in der Lage ist zu entscheiden, sich wünscht.

Hier gibt es Hilfe

Wo kann ich mich genauer informieren?

Informationen gibt es unter anderem beim Betreuungsverein des Diakonischen Werks, Bahnhofsplatz 2 a, Limburg. Dort werden Hilfestellungen für rechtliche Betreuer angeboten, ebenso wie Seminare, die auf diese Aufgabe vorbereiten. Die Betreuungsbehörde des Sozialamts, Neubau Kreishaus, Schiede 43, in Limburg berät und unterstützt rechtliche Betreuer und Vollmachtsgeber. Schließlich können weitere Informationen auch beim Betreuungsgericht, Gymnasiumsstraße 2, in Hadamar nach telefonischer Absprache eingeholt werden.

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