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Tierschützer geben Tipps: Wenn Hunde im Auto kochen

Der Vorfall sorgte am Wochenende für Gesprächsstoff und einen Einsatz der Polizei. Eine engagierte Tierfreundin hat in Limburg einen Hund aus einem geparkten Fahrzeug befreit und die Halterin später beleidigt und geschlagen. Die Meinungen über die Aktion gehen weit auseinander.
Ein schöner Anblick? Nicht für Tierfreunde, wenn der Hund in einem Auto eingesperrt ist. Foto: Iryna Kazlova (72781873) Ein schöner Anblick? Nicht für Tierfreunde, wenn der Hund in einem Auto eingesperrt ist.
Limburg. 

Wie weit darf man gehen, um einen Hund im Sommer aus einem heißen Auto zu holen? Diese Frage beschäftigt seit dem Wochenende viele Menschen in der Region, nach dem die Polizei über einen Vorfall auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Limburger Westerwaldstraße berichtete. Eine Frau hatte nach eigenen Angaben alle Fenster ihres Autos offen und ihren Hund im Wagen gelassen. Als sie zurückkam, war der Hund weg. Dessen Befreierin beschimpfte, beleidigte und schlug die Halterin, so die Polizei, die nun wegen Körperverletzung ermittelt.

Gewalt ist natürlich nicht erlaubt, das ist klar. Doch was sollen und dürfen Hundefreunde tun, wenn sie dem Elend nicht tatenlos zusehen möchten? Wir haben gestern darüber mit der Leiterin des Limburger Tierheims gesprochen. Für Adelheid Noble ist das Thema eine „Herzensangelegenheit“, es beschäftigt sie jeden Sommer aufs Neue. Nach ihren Angaben sind in diesem Jahr deutschlandweit schon mehrere Hunde im Auto einen grausamen Tod gestorben. Im Vorjahr hätten ihre Mitstreiter und sie im Landkreis Limburg-Weilburg mehrfach Schlimmeres verhindert.

Tödliche Gefahr

Adelheid Noble erinnert sich auch noch genau an einen furchtbaren Vorfall in Gießen, wo ihr Mann und sie früher im Tierschutzverein waren: „An einem sozialen Brennpunkt stand im Hochsommer an einem Sonntagmorgen ein Pkw auf der Straße, im Innern befand sich eine Schäferhündin. Die Anwohner warteten leider vier Stunden, bevor sie uns im Tierheim kontaktierten. Als mein Mann vor Ort eintraf, stellte er fest, dass die Autotüren gar nicht verschlossen waren und holte die arme Hündin sofort heraus. Sie hyperventilierte schon und lebte nur noch Sekunden. Ich werde niemals das Bild vergessen, als er die tote Hündin auf den Armen ins Tierheim brachte.“

Die Vertreterin des Tierschutzvereins Limburg-Weilburg appelliert an die Autofahrer, Kinder und Tiere niemals im Wagen zurückzulassen. Sie erklärt, dass ein Auto schon ab Temperaturen von 20 Grad zur tödlichen Gefahr für einen Hund werden könne. „Das Fahrzeuginnere heizt sich binnen weniger Minuten auf extreme Temperaturen auf. Der Hund versucht, sich durch Hecheln Kühlung zu verschaffen, dabei verbraucht er allerdings sehr viel Wasser. Wenn er dieses Wasser nicht wieder aufnehmen kann, besteht die Gefahr eines Hitzschlages, an dem ein Hund sterben kann“, so Noble. Im Schatten parken, die Fenster etwas herunter zu lassen oder ein Schälchen Wasser ins Auto zu stellen reiche nicht aus, um die Sicherheit des Tieres zu gewährleisten. Es gebe einige Anzeichen dafür, dass ein Hund einen Hitzschlag hat. „Dazu gehören Unruhe, eine weit herausgestreckte Zunge, Taumeln und eindeutige Erschöpfung. Ein Tier, das Symptome eines Hitzschlages zeigt, muss so schnell wie möglich von einem Tierarzt behandelt werden“, sagt Adelheid Noble.

Die Tierschutzorganisation TASSO weist darauf hin, dass Feuerwehr und Polizei in solchen Situationen in jedem Fall eingreifen dürfen. „Aber auch verantwortungsbewusste Mitmenschen sollten sich für das Leben des Tieres einsetzen.“

Was ist zu tun? TASSO rät:

Steht das Auto auf einem Supermarktparkplatz, lassen Sie den Halter ausrufen. Rufen Sie die Polizei oder die Feuerwehr. Notieren Sie sich alle wichtigen Daten: Datum, Ort, Uhrzeit, Automarke, Farbe und Kennzeichen. Dokumentieren Sie den Vorfall mit Fotos. Suchen Sie Zeugen, die die Geschehnisse bestätigen können, und notieren Sie sich deren Telefonnummer und Anschrift. Erstatten Sie zur Sicherheit Strafanzeige wegen Tierquälerei.

Äußerste Vorsicht

Nur wenn die Situation für den Hund lebensbedrohlich und so eilig sei, dass man nicht länger auf Polizei oder Feuerwehr warten könne, dürfe man den Hund selbst befreien. Dabei gelte es jedoch, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Denn: „Um das Tier zu befreien, müssen Sie fremdes Eigentum beschädigen“, gibt die für TASSO tätige Rechtsanwältin Ann-Kathrin Fries zu bedenken. Um so wenig Schaden wie möglich zu verursachen, sollte daher das Seitenfenster eingeschlagen werden. „In diesem Fall können sich Betroffene auf den rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB berufen“, erklärt Fries.

Wenn das Tier befreit wurde, sollte es entsprechend versorgt werden. Tierärztin Dr. Anette Fach empfiehlt: „Bringen Sie das Tier in den Schatten und kühlen Sie es vorsichtig für mindestens 30 Minuten ab. Beginnen Sie mit nasskalten Umschlägen, und arbeiten Sie sich von den Pfoten über die Beine, das Hinterteil und den Rücken bis zum Nacken hoch. Das Wichtigste ist eine langsame Abkühlung. Keinesfalls darf der Hund mit eiskaltem Wasser übergossen werden. Danach müssen Sie das Tier zeitnah in einem gekühlten Auto zum Tierarzt bringen. „

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