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Yassin soll wieder glücklich sein

Ärzte hatten Yassin bereits aufgegeben, doch der kleine Junge hat es geschafft und kämpft sich Stück für Stück zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung unterstützt ihn auf diesem Weg und finanziert therapeutische Reitstunden.
Nach einer schweren Erkrankung ist Yassin, der ein großer Fan von Eintracht Frankfurt ist, von der Hüfte an gelähmt.	Foto: Weis Nach einer schweren Erkrankung ist Yassin, der ein großer Fan von Eintracht Frankfurt ist, von der Hüfte an gelähmt. Foto: Weis
Frankfurt. 

In gut zwei Monaten – am 12. Juni – feiert Yassin seinen 5. Geburtstag und hat nur einen Wunsch: "Ich möchte wieder laufen können." Seit einer schweren Gehirnhautentzündung, bei der auch das Rückenmark stark betroffen war, ist er von der Hüfte an abwärts gelähmt. "Dass er nur diesen einen Wunsch hat, macht mich traurig", erzählt seine Mutter Farah El-Malki. "Ich dachte bisher immer, dass es ein Wunsch von mir ist und nicht, dass auch er sich in seinen Gedanken so damit beschäftigt. Spielsachen oder eine Feier zum Geburtstag sind ihm nicht wichtig."

Yassin ist ein aufgeweckter kleiner Junge mit viel Charme, der Herzen erobern kann. Stolz zeigt er, wie gut er mit seinem Rollstuhl zurechtkommt. Das Emblem der Frankfurter Eintracht prangt auf jedem Rad seines Rollstuhls. "Yassin ist ein großer Fan der Mannschaft." Er wendet flink den Rollstuhl und fährt schnell davon. Sein Bruder Nefer (3) rennt ihm hinterher, und beide liefern sich ein kleines Wettrennen quer über den Hof. Sie lachen zusammen, freuen sich sichtbar. Seine Mutter Farah El-Malki (32) schaut ihren Söhnen dabei liebevoll zu.

Ärzte hatten Yassin bereits aufgegeben, doch der kleine Junge hat es geschafft und kämpft sich Stück für Stück zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung unterstützt ihn auf diesem Weg und finanziert therapeutische Reitstunden.

Es sind genau solche Momente, die der Mutter die Kraft geben, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Denn dass Yassin sich schon wieder so gut mit seinen Armen bewegen kann, ist das Ergebnis von Therapien und zahlreichen Übungen. Die vierfache Mutter setzt alles daran, damit ihr Junge eines Tages wieder ohne Hilfen auf seinen Beinen stehen und laufen kann. "Ich weiß nicht wie, aber ich habe die Hoffnung, dass es klappen wird. Noch vor einem Jahr hat er keinerlei Reflexe an seinen Beinen gezeigt, heute zeigt er einen Reflex an seinem linken Bein", schildert sie.

40,5 Grad Fieber

Für dieses Ziel kämpft sie und ist doch in den meisten Momenten allein, ohne Hilfe von der Familie. Ihr Mann, ein ausgebildeter Maler und Lackierer, wäre sicherlich gerne eine Stütze – doch er ist am Burnout-Syndrom erkrankt und sie leben seitdem von Hartz IV. "Ich bin auf mich allein gestellt, renne von einem Termin zum anderen. Abends bin ich fix und fertig." Manchmal weiß sie nicht, woher sie die Kraft für alles nimmt. "Ich mache es für die Kinder, damit es ihnen gut geht, und Yassin gibt mir die Kraft weiterzumachen. Er macht so viele Fortschritte."

Farah El-Malki ist traurig darüber, dass ihre Krankenkasse die für ihren Sohn so wichtigen Therapien zusammengestrichen hat. "Im vergangenen Jahr bekam er wöchentlich zwei Mal Physio- und Ergotherapie." Jetzt bekomme er nur noch einmal Physio- und einmal Ergotherapie pro Woche. "Dabei sind die Übungen so wichtig für ihn. Das ist frustrierend. Ich verstehe nicht, warum man ihm die Therapiestunden gekürzt hat." Zwar fehlt es zu Hause an Trainingsgeräten, doch auch wenn der Kleine weniger Therapiestunden hat, übt er mit seiner Mama – etwa durch Ballwerfen und -fangen, damit er seine rechte Hand trainieren kann. "Uns fehlen die Hilfsmittel, um ihn auch zu Hause besser zu fördern", sagt die Mutter.

Yassin, der aufgrund des schweren Verlaufs der Erkrankung nicht mehr sprechen, schlucken noch Arme und Beine bewegen konnte, hat sich zurückgekämpft in das Leben. Er kann – trotz gegenteiliger medizinischer Prognosen – wieder sprechen, selbst wenn es ihm noch schwerfällt, und er kann seine Arme wieder bewegen.

Bis heute kennt Farah El-Malki die Ursache der Erkrankung von Yassin nicht, doch die Erinnerung an den 29. Dezember 2009 und die darauffolgenden Tage sind für sie schmerzhaft. Tränen kullern über ihr Gesicht, als sie hierüber spricht, denn an diesem Tag änderte sich nicht nur schlagartig das Leben ihres Sohnes, sondern auch ihres und das ihrer gesamten Familie.

Yassin wachte damals mit Fieber auf. Sie gibt ihrem Kind ein Fieber senkendes Zäpfchen. "Doch schon bald darauf fühlte ich, dass etwas nicht stimmte, dass dies kein normales Fieber war, denn die Temperatur stieg schnell weiter bis auf 40,5 Grad", erinnert sie sich.

Sie ruft den Notarzt an. "Der kam erst gut eineinhalb Stunden nach meinem Anruf, untersuchte Yassin, telefonierte kurz mit dem Krankenhaus und sagte, dass der Junge nicht eingeliefert werden müsse." Schließlich habe er ihr ein Rezept für ein Antibiotikum gegeben, das sie sofort in der nächsten Apotheke eingelöst und ihrem Sohn verabreicht habe. "Doch es trat keine Besserung ein – ganz im Gegenteil, es wurde immer schlimmer, bis ich merkte, dass er seine Beine nicht mehr bewegen konnte."

Wieder griff sie zum Telefon, um den Notarzt zu rufen. "Ich schrie: Mein Junge ist gelähmt, kommen Sie schnell." Arzt und Sanitäter kamen.

Intensivstation

"Ich sagte immer wieder, das ist etwas Ernsthaftes und wollte, dass Yassin ins Krankenhaus kommt", sagt die Mutter. "Doch der Notarzt beruhigte, sagte, es sei eine harmlose Fieberschwäche, und er müsse eigentlich nicht eingeliefert werden." Schließlich sei Yassin doch ins Krankenhaus gekommen, weil sie darauf bestanden habe. Der Zustand des Jungen verschlechterte sich, und nach eingehenden Untersuchungen stand die schreckliche Diagnose fest.

"Einen Tag später war mein Sohn bewusstlos, und sie verlegten ihn auf die Intensivstation. Dort wurde ein MRT gemacht, das zeigte, dass Teile des Gehirns durch die Entzündung angegriffen waren." Alles sei so unwirklich gewesen, auch, als die Ärzte ihr sagten, dass ihr Sohn nur noch wenige Stunden zu leben habe. Yassins Lebenswillen und eine Vielzahl an Antibiotika-Infusionen haben schließlich das Wunder bewirkt und die Entzündung in seinem Körper besiegt.

Farah El-Malki ist dankbar dafür, dass ihr Sohn lebt und dankbar dafür, dass sie auf ihrem Weg von der Leberecht-Stiftung unterstützt wird. Und Yassin? Der freut sich, dass er auf dem Rücken eines Pferdes sitzen darf. alf

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