E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Vom Wirts- zum Geschäftshaus: Das ist die wechselvolle Geschichte in der Hauptstraße 39 und 41

Von Zwei Häuser an zentraler Stelle der Hofheimer Altstadt sollen demnächst wieder einmal baulich verändert werden. Ein guter Grund, mit Hilfe von Hofheims Familienforscher Wilfried Wohmann zurückzuschauen auf die wechselvolle Geschichte der Häuser Hauptstraße 39 und 41, in denen schon so manches verkauft worden ist und wo auch manch bekannter Hofheimer lebte.
Man sieht es dem Gebäude-Klotz am Eck nicht an, aber das Haus steht wegen der historischen Keller unter Denkmalschutz. Foto: Knapp Man sieht es dem Gebäude-Klotz am Eck nicht an, aber das Haus steht wegen der historischen Keller unter Denkmalschutz.
Hofheim. 

Das Eckhaus Hauptstraße/Burgstraße ist bis heute vor allem als „Kaufhaus Diener“ in Erinnerung. Immerhin hatte dieser Name in Hofheim mehr als 160 Jahre Bestand. Als Georg Diener das Geschäft im Jahr 1845 gründete, hatte es allerdings längst nicht das Ausmaß des heute noch immer leer dastehenden Gebäudes, das erst in den 1960er Jahren erbaut worden ist. Die Anfänge waren an anderer Stelle und eher bescheiden.

Georg Diener hat den Recherchen von Hofheims Familienforscher Wilfried Wohmann zufolge seine Geschäftstätigkeit 1845 zunächst in der Langgasse begonnen. Eigentümer der Häuser, die seine Nachfahren später einmal besaßen, waren da noch ganz andere Personen.

Spuren hinterlassen

In der Hauptstraße 39 lebten Ende des 18. Jahrhunderts Johannes Martin Weiler und seine Frau Maria Elisabeth, geborene Maas. Die Familie Weiler hat in der Hofheimer Stadtgeschichte einiges an Spuren hinterlassen. So sollen Johann Martins Söhne Martin und Philipp Jakob Weiler zu den Anstiftern der sogenannten „Schulhausrevolte“ im Jahr 1831 gehört haben. Auch die Weilers waren geschäftstüchtige Leute. Johannes Martin Weiler vertrieb „Spezereien“ (Gewürze) – und das offenbar sehr erfolgreich. Das Haus Hauptstraße 39 steht heute allerdings nicht mehr so da, wie zu seiner Zeit. Denn im Jahr 1841 brannte es im benachbarten Haus Hauptstraße 41, damals das Gasthaus „Zum weißen Roß““. Das Weiler’sche Haus wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass für beide Gebäude nur der Abriss blieb. Neu baute man, wohl aus Sparsamkeit, nur oberirdisch, der historische Keller unter der Hauptstraße 39 blieb erhalten – und steht heute unter Denkmalschutz.

Blick in die Burgstraße: Links das Haus des Phil. Jos. Weiler, Burgstraße 1. Es stand dort bis in die 1960er Jahre. Ganz links ist heute ein Parkplatz. Bild-Zoom
Blick in die Burgstraße: Links das Haus des Phil. Jos. Weiler, Burgstraße 1. Es stand dort bis in die 1960er Jahre. Ganz links ist heute ein Parkplatz.

Schon 1820 hatte Martin Weiler die Spezereien-Handlung von seinem Vater übernommen. 1822 ersteigerte er das Nachbarhaus Hauptstraße 37. Das Weiler’sche Geschäft führte in der dritten Generation Peter Weiler (ab 1858), der es 1906 aus Altersgründen abgab. So jedenfalls schildert es das Buch „Sippe Weiler“ aus dem Jahr 1945, das Nachfahre Martin Weiler verfasst hat. Sohn und Schwiegersohn des Peter Weiler vermieteten das Geschäft zunächst an eine Firma Fröhling, 1911 verkauften sie es an Georg Diener, den Enkel des Firmengründers, der hier später Eisenwaren und Gartengeräte feilbot. „Dieser Laden existierte bis in die 1990er Jahre“, weiß Wilfried Wohmann noch gut.

Georgs Vater Peter Diener war mit dem von seinem Vater Georg übernommenen Geschäft von der Langgasse ins Haus Hauptstraße 37 umgezogen. Heute ist dort ein Schuhladen, die älteren Hofheimer erinnern sich aber auch noch daran, dass hier bis Ende der 1980er Jahre das Wäschehaus Munz seine Kunden bediente. „Katharina Munz war eine geborene Diener“, weiß Wilfried Wohmann.

„Zum weißen Roß“

Im Haus Nummer 41 befand sich schon um 1800 der Brauerei-Gasthof „Zum weißen Roß“. Einer der Eigentümer war Johann Josef Kling (1826 bis 1884). Der war nicht nur Gastwirt und Bierbrauer, sondern von 1868 an auch Bürgermeister von Hofheim. Wann genau das Gebäude vom Wirts- zum Geschäftshaus wurde, ist nicht klar. 1910 erwarb es ein Heinrich Hennemann, 1934 verkaufte dieser es an die Familie Diener. Bis 1948 bediente hier das Lebensmittelgeschäft „Schade & Füllgrabe“ seine Kunden. Erst danach nutzte die Firma Georg Diener das Haus selbst und eröffnete darin eine Abteilung für Porzellan, Glas und Hausrat.

Der Bauantrag ist gestellt

Der Hofheimer Unternehmer Michael Weiß hat die Gebäude Hauptstraße 39 und 41 vor vier Jahren von den Nachkommen von Georg Diener und letzten Eigentümern des früheren Kaufhauses erworben.

clearing

Nachdem mit dem Haus Burgstraße 1 der Immobilienbesitz der Firma Diener abgerundet werden konnte, wurde 1967 auf beiden Grundstücken das neue Kaufhaus errichtet. Ein Teil des Anwesens Burgstraße 1 wurde zum Parkplatz. Das stattliche Gebäude auf dem Grundstück fiel aber nicht nur für den Neubau. Denn nach dem damals noch aktuellen Plan des Architekten Wasserfurth für ein modernes Hofheim sollte parallel zur Hauptstraße eine neue Erschließungsstraße verlaufen. Die Altstadthäuser wollte Wasserfurth durch deutlich größere, viergeschossige Neubauten ersetzen – nur der Einsatz engagierter Hofheimer Bürger verhinderte den großräumigen Abriss.

Der Spielwarenladen

Die Erben von Georg Diener haben das Kaufhaus, das auch eine Spielwarenabteilung hatte, im Jahr 2007 aufgegeben. Den Spielwarenladen im obersten Geschoss übernahm ein früherer Mitarbeiter, in die unteren Geschosse zog Alf’s Sportladen ein. Die Hauptstraße 39 und 41 verkaufte die Familie Stapf 2014 zugunsten der umfangreichen, denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes Hauptstraße 35 (früher „Gasthaus zum Löwen“), das sich noch heute im Familienbesitz befindet.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen