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Miet-Weigerung: Denkmalschützer legen Schloss lahm

Von Die Oberbürgermeister-Kandidatin der CDU, Bernadette Weyland, wirft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vor, ihre Bedenken bei der Vermietung der Schlossterrasse nur vorzuschieben: Die Weigerung, diese für Kultur-Ereignisse zu vermieten, sei „Taktik“.
Im Ernstfall die Besuchermassen von der Schlossterrasse (rechts) in den Burggraben (links) ableiten – darum geht es in der Diskussion um die Fluchtwege. Zwar führt aus dem Burggraben nur eine kleine Pforte, aber er böte Platz, Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen. Bilder > Foto: Maik Reuß Im Ernstfall die Besuchermassen von der Schlossterrasse (rechts) in den Burggraben (links) ableiten – darum geht es in der Diskussion um die Fluchtwege. Zwar führt aus dem Burggraben nur eine kleine Pforte, aber er böte Platz, Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen.
Höchst. 

Dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich in diesem Jahr weigert, die Schlossterrasse an das Neue Theater Höchst und das Kurzfilmfestival „Shorts at Moonlight“ zu vermieten, und dafür Haftungsgründe angibt, ist „Taktik“, sagt Bernadette Weyland. Die Oberbürgermeister-Kandidatin der CDU ist sich sicher: „Die wollen das schon länger dicht machen.“ Der Stiftung sei nach den jüngeren Entwicklungen daran gelegen, das Höchster Schloss loszuwerden. Die Haftungsgründe, so Weyland, seien „nur vorgeschoben.“

Denn die Situation ist so, wie sie ist – aber das seit Jahren: Der einzige Fluchtweg aus dem Schloss führt durch das Tor, und dieser Weg könnte bei einer Panik zur Falle werden. Deshalb hat der Vereinsring Höchst bereits vor Jahren beschlossen, keine Veranstaltungen mit mehreren Tausend Besuchern mehr auf der Schlossterrasse zu organisieren. Die „Sommernacht am Schloss“ des Neuen Theaters und das Kurzfilmfestival „Shorts at Moonlight“ fanden weiterhin statt – mit dem Argument, es seien Veranstaltungen mit verkauften Eintrittskarten, über die der Besucherzustrom zu regeln sei.

Stiftung in Verantwortung

Nun hat jedoch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vor knapp zwei Wochen ihren Mietern per Brief plötzlich mitgeteilt, sie könnte ihnen die Schlossterrasse in diesem Jahr für die Veranstaltungen nicht vermieten – aus Haftungsgründen. Das will Weyland so nicht gelten lassen: „Die Stiftung hat auch eine Verantwortung vor Ort und kann nicht einfach unser Vereins- und Kulturleben kaputt machen.“ Zwar könne sie es nicht favorisieren, dass die Stadt das Schloss kauft, doch müsse eine Lösung gefunden werden.

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Kommentar Nur noch ein Klotz am Bein

Die hoch fliegenden Pläne der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das Höchster Schloss sind abgestürzt. Die Vermietung des Neuen Schlosses ruht, weil kein Caterer zu finden ist; die Denkmalakademie

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Daran arbeiten derzeit auch das Stadtplanungsamt, das Kulturamt, die Bauaufsicht und die Branddirektion – in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz. Es wird darüber nachgedacht, nicht nur eine abbaubare Treppe in den Burggraben als temporären Fluchtweg zu installieren, sondern eine feste Treppe. Der Kauf des Schlosses ist offiziell kein Thema. Allerdings ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass die Stadt ihre Allzweckwaffe, die Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG), bereits in Stellung bringt. Beim Neujahrsempfang des Ortsbeirats 6 hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gesagt, dass eine Lösung für eine zusätzliche Fluchttreppe gefunden werden müsse.

Ein Erbe der Hoechst AG

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte das Alte und das Neue Schloss von der Infraserv Höchst übernommen, die beide Bauten aus dem Erbe der Hoechst AG veräußert hatte. Im damaligen Kaufvertrag war es allerdings versäumt worden, der Öffentlichkeit ein Nutzungsrecht einzuräumen. Früher stand zum Schlossfest ein großes Festzelt auf der Terrasse – so etwas ist heute nicht mehr genehmigungsfähig. Schwierigkeiten hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben, nachdem die Stiftung Denkmalschutz die Terrasse parkähnlich angelegt hatte: Derzeit kommt die Stadt jährlich mit einer fünfstelligen Summe für die Schäden an Rabatten und Blumenbeeten auf.

Die Terrasse des Höchster Schlosses ist im Sommer einer der schönsten kulturellen Mittelpunkte der Region – mit der „Sommernacht“ und „Shorts at Moonlight“. Die Bestürzung, dass diese Veranstaltungen wegfallen könnten, ist groß: „Ich bin seit 2007 begeisterter Wiederholungstäter bei ,Shorts at Moonlight‘ und freue mich, dass wir ein international renommiertes Kunstfestival in Höchst beheimaten. Dass nun ausgerechnet Brandschutzauflagen diese beiden gesellschaftlichen Ereignisse gefährden sollen, ist aus meiner Sicht umso bedauerlicher, da dies hausgemachte Probleme sind“, sagt etwa Kevin Bornath, Vorsitzender der Jungen Union (JU) Frankfurt-West. Die Sicherheit der Zuschauer müsse bei Großveranstaltungen gewährleistet sein, aber: „Die Veranstalter von heute auf morgen in solche Bedrängnis zu bringen, ohne ihnen Übergangsfristen einzuräumen, halte ich für den falschen Weg.“

Suche nach Lösung

Im Zweifelsfall gehe für ihn „der Brandschutz über den Denkmalschutz, denn ein Schloss ohne Menschen ist bloß ein Ort.“ Wie die Burgruine in Königstein zeige, müssten sich Denkmal- und Brandschutz und Großveranstaltungen nicht ausschließen. Auf der Suche nach einer Lösung seien sowohl das Dezernat für die Angelegenheiten der westlichen Stadtteile als auch das Dezernat für Kultur und Wissenschaft gefragt, so Bornath: „Also der Oberbürgermeister und die Kulturdezernentin. Ich möchte deshalb dazu aufrufen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und die Festivitäten auf der Schlossterrasse im Interesse aller zu retten. Die Zeit drängt.“

Die Fraktionen im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) wollen ebenfalls keine Zeit verstreichen lassen und haben bereits einen Antrag für die nächste Ortsbeiratssitzung am Dienstag, 20. Februar, vorbereitet: CDU, SPD und der Parteilose Uwe Eisenmann bitten darum, dass eine Idee des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Höchst geprüft wird. Dessen stellvertretender Vorsitzender Jürgen Rothländer hatte nämlich angeregt, die im Zuge der Burggraben-Sanierung in den 1970er Jahren zugemauerte Pforte in der Mauer des westlichen Wehrgangs wieder zu öffnen und dort einen neuen Fluchtweg herzurichten. Dies hätte gegenüber der Treppenlösung den Vorteil, dass im Sinne des Denkmalschutzes gearbeitet werden könnte.

Allerdings kommt es bei allen diesen Ideen auf den Eigentümer des Schlosses an: Sagt dieser „Nein“, ist nichts zu machen. Damit hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz derzeit die besseren Karten. Der Ortsbeirat 6 möchte beide Möglichkeiten – Treppe wie Wiederöffnung der Pforte – zügig geprüft wissen.

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