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Ein Wickerer Soldat

Es sind manches Mal auch Waffen unter den Erinnerungsstücken gewesen, die von Soldaten nach Kriegsende zu Hause aufbewahrt wurden.
Ein altes Bild zeigt Heinrich Wollstädter in Uniform. Ein altes Bild zeigt Heinrich Wollstädter in Uniform.
Wicker/Eddersheim. 

Das ist einmal ein besonderes Stück, das Inge Häb aus Eddersheim da aus dem Besitz ihres Großvaters hat. Bilder mit den Kameraden, Orden und Ehrenzeichen, das liegt bei vielen Familien aus dem Ersten Weltkrieg in der Schublade. Und die Dinge werden, völlig zu Recht, als Erinnerungsstücke in Ehren gehalten. Auch Inge Häb macht das so.

 

Nahkampf-Waffe

 

Aber von ihrem Großvater Heinrich Wollstädter aus Wicker hat sie eine richtige Kriegswaffe geerbt, ein stattliches Bajonett. „Ich weiß nicht, ob er es benutzt hat“, sagt die Eddersheimerin. In dem Punkt nämlich ist es wie in vielen Familien – viel erzählt hat Wollstädter über seine Kriegserlebnisse nicht. „Ich habe mich als Kind aber auch nicht so dafür interessiert“, räumt Inge Häb ein – auch das ist, gerade für ein Mädchen, weder überraschend noch verwerflich. Das Bajonett aber, das sieht richtig gefährlich aus: ein 30 Zentimeter langes Stück, messerscharf geschliffen. Es wurde am Gürtel getragen und bei Bedarf für den Nahkampf an der Spitze eines Gewehrs befestigt. Warum Heinrich Wollstädter das Stück behalten hat, ist unklar – üblich war es jedenfalls nicht, bei der Demobilisierung Teile der Ausrüstung zu behalten. Bajonette gibt es übrigens spätestens seit dem 16. Jahrhundert, und man vermutet, dass sie in Frankreich erstmals eingesetzt wurden.

 

Frontkämpfer

 

Falsch liegt allerdings, wer glaubt, es handele sich um eine rein historische Waffe. Zwar gab es schon im Ersten Weltkrieg Diskussionen darüber. Angesichts der Feuerkraft der großen Schütze schien der Nahkampf nur noch ein Anachronismus zu werden. Noch vor wenigen Jahren kamen Bajonette aber in den Kriegen in Afghanistan und im Irak zum Einsatz. Die Bundeswehr verwendet übrigens keine Bajonette.

Heinrich Wollstädter mag es benutzt haben oder nicht, am eigenen Leib verspürte er die Wirkung dieser oder anderer Waffen nicht. Inge Häb weiß immerhin so viel, dass er unverletzt aus dem Krieg zurückkehrte. Später hat er den Frontkämpfer-Orden erhalten, war also wahrscheinlich an den Kampfhandlungen beteiligt. Wollstädter gehört zu den vielen Soldaten, die während des Krieges geheiratet haben. Erhalten ist ein Hochzeitsfoto. Das Brautkleid ist schwarz, wie damals üblich. Im Jahre 1897 war er damals im besten Hochzeitsalter. Später lernte er den Beruf des Küfers, arbeitete dann in Rüsselsheim bei Opel. „Da ist er jeden Tag zur Arbeit hingelaufen“, weiß Inge Häb. Wollstädter starb in Wicker im Jahre 1981.

(bt)
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