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Bürgerforum: Entwürfe für geplanten Bücherei-Komplex am Kellereiplatz präsentiert

Von Auf großes Interesse stießen die Ideen der Architekten zur Bebauung des Geländes zwischen Kellereiplatz und Pfarrgasse. Zumindest zwei der Entwürfe gefielen auch den bisherigen Kritikern.
Viele Bürger besuchten am Montagabend das zweite Forum in der Stadthalle zum Bücherei-Komplex. Foto: Knapp Viele Bürger besuchten am Montagabend das zweite Forum in der Stadthalle zum Bücherei-Komplex.
Hofheim. 

Die Spannung war spürbar, das Interesse groß. An die 200 Bürger, darunter viele Stadtverordnete, wollten am Montagabend in der Stadthalle die Entwürfe für die Bebauung des nördlichen Kellereiplatz-Randes sehen. Wo jetzt noch ein Parkplatz ist, sollen die Stadtbücherei, die Taunus-Sparkasse sowie weiteres Gewerbe und möglicherweise auch Wohnungen untergebracht werden. Als Bauherr hat das Stadtparlament die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) auserkoren. Das Projekt und die ersten Modelle hatten im Vorfeld für viele Diskussionen und die Gründung einer Bürgerinitiative (BI) gesorgt – eine Entwicklung, welche die Stadt und die Politiker dazu gebracht hatte, die Entscheidungsfindung auf möglichst breite Füße zu stellen.

Nur vier Entwürfe

Am Montag stand in dem Beteiligungsprozess nun das zweite „Bürgerforum“ an, in dessen Mittelpunkt die Präsentation der beteiligten Architekturbüros stand. Fünf der sieben Interessenten waren ausgewählt worden, das namhafteste, das Büro von Christoph Mäckler in Frankfurt, sprang allerdings nach dem Vorgespräch noch ab. Als Grund habe Mäckler fehlende Kapazitäten angegeben, erklärte HWB-Geschäftsführer Norman Diehl auf Nachfrage.

Der von Roland Strunk moderierte Abend verlief deutlich harmonischer als das erste Bürgerforum am 28. Juni. Der Grund: Zumindest zwei der vier Entwürfe fanden auch bei den Kritikern der Bürgerinitiative, der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt und des Kunstvereins Anklang. Leicht vorn lag bei vielen der gefällige Plan von Gottstein & Blumenstein Architekten aus Darmstadt. „Die Funktionen sind hier klar getrennt“, gefiel Altstadtbürgerin Dr. Erika Haindl, dass die Aufteilung in einzelne Gebäude den „Mischmasch von Ökonomie und Kultur“ vermeide. Ralph Weber vom Vorstand der Bürgervereinigung Altstadt nannte den Entwurf sogar „genial“ und bekannte, nicht damit gerechnet zu haben, in diesem Verfahren eine „städtebaulich so klassisch schöne Lösung“ präsentiert zu bekommen. Auch für die Chefin der BI Kellereiplatz, Ingrid Schulz, war die Gottstein-Lösung die beste. „Wir brauchen keinen Dom auf dem Kellereiplatz“, erteilte sie dem zweiten Publikums-Favoriten eine Absage. Der von den Büros Leben Kilian/Menzel Kossowski vorgestellte Entwurf sieht ein einziges Gebäude mit zwei hohen Spitzgiebeln vor. Zu den Befürwortern zählte hier Eva Rembser, die Vorsitzende des Gewerbevereins IHH, die aber betonte, dies sei nur ihre persönliche Meinung.

Während sich der SPD-Chef Bernhard Köppler, selbst ein Architekt, ebenfalls ein wenig mehr für dieses Modell erwärmen konnte, zeigte sich der FWG-Fraktionschef Andreas Nickel überzeugt, das Rennen werde das Gottstein-Modell machen. „Das nimmt mehr Menschen mit.“ Andere sahen sich hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Entwürfen.

Mehr Platz für die Bücherei

Das Team der Stadtbücherei freute sich besonders, dass in jedem Entwurf an die 1000 Quadratmeter Fläche für die Bücherei eingeplant wurden. Ursprünglich hatte das Stadtparlament nur 758 Quadratmeter bewilligt, erst auf Druck der Bürger war den Architekten eingeräumt worden, der Bücherei mehr Fläche zu geben.

Nächster Schritt im Beteiligungsverfahren: Die Kinder- und Jugendparlamente werden gehört. Am 28. November wird dann ein Auswahlgremium mit einigen Experten sowie Vertretern von Stadt, Politik und Bürgerschaft einen der Entwürfe zur Umsetzung empfehlen. Die HWB kann schließlich aus wirtschaftlichen Gründen noch Veränderungen veranlassen.

Die gefälligste Lösung

Neubau Stadtbücherei Hofheim, Perspektive gba

Ob der Letzte am Ende der Erste sein wird? Die vierte Präsentation, entstanden in den Büros von Gottstein Blumenstein Architekten, Darmstadt, war zumindest Favorit vieler Teilnehmer beim Bürgerforum. Die Plus-Punkte: Die Bebauung ist kleinteilig. Das entspricht der angrenzenden Altstadt. Die Anmutung ist modern. Das schafft den Übergang zum Chinon-Center. Die Fassade ist, wie gefordert, hochwertig. Sie besteht aus hellen Ziegeln, die teilweise, um Licht einzulassen, auf Fuge gesetzt sind.


Der Baukörper, der der denkmalgeschützten Scheune am nächsten steht, verdeckt diese nicht vollständig. In ihm wäre Wohnen, weil abgeschirmt vom Festplatz, vorstellbar. Die Bücherei erhält einen Lesegarten und, wie die Bank, ein eigenes Gebäude – die Funktionen sind klar getrennt. Der Nachteil: Geringe Flexibilität. Eine Vergrößerung oder Verkleinerung ist je nach Entwicklung schwierig.


Auch der kleine Platz an der Pfarrgasse, der zwischen den Gebäudekörpern entsteht, ist ambivalent zu bewerten. Er bringt den Gebäuden Tageslicht von allen Seiten und lädt zum Aufenthalt ein, birgt aber auch die Gefahr neuer „Dreck-Ecken“ , die nicht gut einsehbar sind und gerade deshalb zu abendlichen Treffpunkten werden könnten, wenn die Bank und Bücherei unbelebt sind.


Der Komplex hält den Abstand zum Hexenturm, den der Denkmalschutz fordert, nicht ein. Auch die Vorgabe, zehn Meter Abstand zur Pfarrgasse zu halten, wurde ignoriert. Die Begründung: Die entstehende Freifläche sei unnütz und die Platanen ohnehin nicht zu erhalten, die Verengung signalisiere: Hier ist Altstadt.


Fazit: Mehr Licht als Schatten.

Der mutigste Entwurf

Neubau Stadtbücherei Hofheim, Perspektive hgp Menzel

„Dem riesigen Chinon-Center etwas entgegensetzen“, so Architekt Frank Menzel, will der Entwurf der zwei Büros HGP Architekten Leben Kilian, Frankfurt und Menzel Kossowski Architekten, Darmstadt. Er stellt an die Nahtstelle von Altstadt und modernen Bauten ein Gebäude mit markanter Silhouette und „Gewicht“, das einen hohen Wiedererkennungswert und damit die Möglichkeit zur Identifikation bietet. Damit sind bereits wesentliche Pluspunkte genannt. Die Satteldächer sind der Altstadt näher als ein Flachdach. Der deutliche Abstand zur historischen Bebauung sorgt dafür, dass die denkmalgeschützte Scheune komplett sichtbar bleibt und die Wegebeziehung vom Schießberg in Richtung Kellerei trotz eines einzigen Baukörpers auf dem Gelände gegeben ist. Die Bücherei bekommt ein Café, das ganzjährig genutzt werden kann.

Auch dieser Entwurf zeigt – wie alle anderen – eine Ziegel-Fassade. Sie könnte als Reminiszenz an die früheren Lederfabriken im Lorsbachtal gedeutet werden. Die Ziegel sollen zum Teil auf Lücke gesetzt werden, was Licht einlässt. Dafür sorgen zudem Oberlichter zwischen den Giebeln. Das kompakte Gebäude bringt eine gute energetische Bilanz.


Als Nutzer sind nur die Bank samt einem Verbundpartner (auf der Seite zum Center) und die Stadtbücherei vorgesehen. Wohnungen im Dach wären möglich, eine Abschirmung vom Festplatz fehlt hier aber. Die Gebäudehöhe entspricht nicht den Vorgaben des Bebauungsplanes, trotz Verzicht auf ein drittes Vollgeschoss. Die Giebel überragen sowohl das Kellereigebäude wie das Center.


Fazit: Mutig, mit Charakter.

Das ausgefallenste Dach

Neubau Stadtbücherei Hofheim, Perspektive s+s

An ein Straßenbahn-Depot erinnerte manchen Bürger der Entwurf des Büros Schneider + Schumacher aus Frankfurt. Drei etwa gleich große Baukörper mit erschließendem Kernbereich sind unter das ungewöhnliche Tonnendach gestellt. Der Kern aus Beton, die Flügel in Holzbauweise, mit Ziegelfassade. Über der Tiefgaragenzufahrt an der Pfarrgasse steht ein weiteres (Wohn-)Gebäude mit Satteldach, als „Schlussstein für die Altstadt“, aber direkt Wand an Wand zu dieser, die Scheune verdeckend. Sehr starke Ausnutzung des Grundstücks.


Fazit: Eigenwillig, aber zu kompakt.

Die geringste Distanz

Neubau Stadtbücherei Hofheim, Perspektive sinning

 

Was schon beim ersten HWB-Entwurf für Entsetzen gesorgt hatte, führt auch beim Modell von „Sinning Architekten Darmstadt“ mit „MTP Architekten Frankfurt“ zu klarer Ablehnung: die Zustellung der alten Scheune an zwei Seiten, dazu in voller Höhe. Die zwei mit einem „Glasbaustein“ als Spannungselement verbundenen Gebäude mit klarer Trennung von Bücherei und Bank lassen einen trichterförmigen Durchgang. Die Fassadengestaltung erinnert spontan ans Hofheimer Krankenhaus.


Fazit: Das geht gar nicht.

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