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Sportgericht: Geldstrafe für Kicker-Kurzeinsatz

Von Der SV 09 Hofheim versucht, einen Flüchtling schneller in eine Jugendmannschaft zu integrieren als es die Satzung des Fußballverbandes zulässt. Das kostet ihn nun 235 Euro.
Wäre der junge Flüchtling mal besser draußen geblieben: Der 20-minütige Einsatz kostet den Verein 235 Euro Strafe. Foto: Knapp Wäre der junge Flüchtling mal besser draußen geblieben: Der 20-minütige Einsatz kostet den Verein 235 Euro Strafe.
Hofheim. 

Wer nichts mit Fußball sowie dem Vereins-, Funktionärs- und Verbandswesen zu tun hat, nicht die Ernsthaftigkeit kennt, mit dem die Organisation rund um die Freizeitbeschäftigung Fußball betrieben wird, der wird diese Geschichte nicht verstehen. Warum kann nicht ein afghanischer Flüchtlingsjunge eine halbe Stunde in einem Freundschaftsspiel mitkicken, auch ohne Spielerpass? Weil es die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes nicht hergeben. Die haben Gesetzeskraft, zählen so viel wie das Grundgesetz. Mindestens.

Es geht um Mahdi Sherzad. Der Zwölfjährige ist im vergangenen Jahr aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, unter unmenschlichen Bedingungen, wie Ralf Binzen sagt, der Jugendleiter der SV 09 Hofheim. Der Junge wohnt in Hofheim in einem Flüchtlingsheim und hat sich dem Hofheimer Fußballverein angeschlossen. Man habe ihm ein Erfolgserlebnis verschaffen wollen, berichtet Binzen. Mahdi Sherzad wurde in einem Freundschaftsspiel eingewechselt, für 20 Minuten. Mit Einverständnis des gegnerischen Vereins, des BSC Schwalbach, und des Schiedsrichters.

Aber egal. Mit Datum vom 31. Dezember flatterte dem SV 09 ein Schreiben ins Haus. Das Kreissportgericht Main-Taunus hat getagt. „Urteil in Sachen unberechtigter Spielereinsatz“ steht obendrüber. Der SV Hofheim werde mit einer Geldstrafe von 100 Euro belegt, der Trainer mit einer Geldstrafe in gleicher Höhe. Dazu kommen noch ein paar Nebenkosten. „Macht zusammen 235 Euro“, rechnet SV-Pressesprecher Oliver Dziuba vor.

Dabei geht es dem SV 09 sicher nicht um die 230 Euro. „Ein Super-Typ und ein Super-Spieler“, sagt Jugendleiter Binzen über den jungen Afghanen. Dem Sportgericht hat er geschrieben, was das Sportgericht aber sicher wusste. Der Antrag auf Spielberechtigung habe dem Hessischen Fußballverband vorgelegen. Der Verband aber müsse im Heimatland des Spielers nachfragen. Gehe es um Afghanistan, dauere dies in der Regel 30 Tage. Diese unmenschliche Wartezeit habe man dem Spieler erleichtern wollen. Dem SV 09 sei dadurch kein Vorteil entstanden. „Der Spieler hingegen war glücklich und hatte endlich wieder einmal ein positives Erlebnis.“

Vorschriften eindeutig

Für das Sportgericht zählt das nicht. Die Vorschriften seien eindeutig, und sie ließen auch keine Ausnahmen zu., heißt es in der Urteilsbegründung. Der gute Wille des SV sei dem Sportgericht sehr wohl bewusst, trotzdem habe man sich an die Vorschriften zu halten. Dies sei auch dem Verein bekannt gewesen. Und deshalb habe man es auch nicht bei der nach der Satzung zulässigen Mindeststrafe von 15 Euro belassen können. 100 Euro Strafe jeweils für Verein und Trainer seien „tat- und schuldangemessen“.

Das Sportgericht habe gar nicht anders gekonnt, als sich an die Strafordnung zu halten, sagt Martin Spilok, Vorsitzender des Sportgerichts. Er weist darauf hin, dass Spielerpass und Spielberechtigung durchaus ihren Sinn haben. Bevor diese Dokumente ausgestellt werden, müsse eine Einverständniserklärung der Eltern und eine ärztliche Bescheinigung vorliegen, dass das Kind Sport treiben kann.

Schutz des Vereins

Die Bestimmungen dienten dem Schutz des Kindes und dem Schutz der Vereine, argumentiert ganz in diesem Sinne auch Kreisfußballwart Karl-Heinz Reichert. Natürlich kennt diese Argumentation auch der SV Hofheim. Der war aber davon ausgegangen, dass man in einer solchen Situation auch einmal beide Augen zudrücken kann. Unklar bleibt, wer das hätte tun müssen, denn es ließ sich nicht aufklären, auf welche Weise die Angelegenheit zum Sportgericht gelangt ist. Wie auch immer, für Kreisfußballwart Reichert – „meine persönliche Meinung“ – gibt es da kein Vertun: „Wer beide Augen zudrückt, geht ,blind’ durchs Leben.“

Übrigens: Die D-Jugend des SV Hofheim hatte das Freundschaftsspiel in Schwalbach mit 1:3 verloren. Und Mahdi Sherzad hat inzwischen seinen Spielerpass...

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