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Politik beschäftigt sich mit Katzenschutzverordnung: Gibt es bald eine Katzenplage in Hattersheim?

Von Frei laufende Katzen müssten gekennzeichnet, registriert und gegebenenfalls kastriert werden. Dies forderten die Sozialdemokraten. Die Mehrheit der Kommunalpolitiker lehnte dies ab.
Das junge Kätzchen sieht zwar putzig aus. Doch Tierschützer warnen vor einer extrem ansteigenden Katzenpopulation in der Bundesrepublik, die andere Tierarten gefährde. Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) Das junge Kätzchen sieht zwar putzig aus. Doch Tierschützer warnen vor einer extrem ansteigenden Katzenpopulation in der Bundesrepublik, die andere Tierarten gefährde.
Hattersheim. 

Für eine kurzweilige Diskussion sorgte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ein Antrag der SPD-Fraktion, der eine Katzenschutzverordnung zum Inhalt hatte. Während die Vertreter der Mehrheitsfraktionen von CDU, FWG und FDP das Thema des Antrags eher als Vorlage für die Fastnachtssaison einordneten, wollten die Antragsteller die Ernsthaftigkeit ihres Antrags gewahrt sehen. So konnten die Zuhörer dann Zeugen einer Debatte werden, in der unter anderem die Sachkenntnis der Stadtverordneten als Katzenhalter zur Sprache kam. Anlass für die Diskussion war der Vorschlag der Sozialdemokraten, mittels einer Katzenschutzverordnung den unkontrollierten freien Auslauf von fortpflanzungsfähigen Katzen zu beschränken oder zu verbieten. Für Katzen, die „unkontrolliert freien Auslauf haben können“, solle eine Kennzeichnung sowie Registrierung zur Pflicht werden – genauer gesagt für die Eigentümer der Vierbeiner.

Info: 350 Kommunen haben bereits Verordnungen erlassen

Wie viele es genau sind, ist unbekannt. Sicher ist nur: In Deutschland leben einige Millionen frei laufende Katzen, die herumstreunern, weil dies eben ihre natürliche Lebensart ist.

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Die SPD-Fraktion wies in diesem Zusammenhang auf die im Jahr 2013 erfolgte Änderung des Tierschutzgesetzes hin. Diese ermöglichte es den Landesregierungen, „durch Rechtsverordnungen den freien Auslauf von Katzen einzudämmen. Weil es aber nicht die Aufgabe von Landesbediensteten sein kann, jeder streunenden Katze hinterherzujagen, hatte die hessische Landesregierung durch eine Verordnung im April 2015 die Ermächtigung zur Durchsetzung dieser Verordnung den Kommunen übertragen. Darauf beriefen sich nun die Sozialdemokraten bei ihrem Antrag für eine Katzenschutzverordnung.

Das Wort Katzenschutz ist dabei fast schon leicht irreführend. Denn eigentlich sollen zum einen die Tierarten geschützt werden, die durch eine übermäßig stark ansteigende Population von streunenden Katzen zu deren Beuteschema gehören. Zum anderen werden indirekt die Menschen geschützt, die laut SPD-Antrag in ein paar Jahren mit einer unglaublich großen Anzahl von streunenden Katzen konfrontiert werden. So erläuterte die SPD, dass eine unkastrierte Katze und deren Nachkommen rein rechnerisch in nur sieben Jahren bis zu 370 000 Nachkommen zeugen könnte.

Für die Sozialdemokraten sind dies Horror-Zahlen, die vermieden werden müssten. „Um die unkontrollierte Population und das damit verbundene Katzenelend in unserer Stadt einzudämmen, sollen in einer Katzenschutzverordnung Regelungen getroffen werden, nach denen Freigängerkatzen kastriert und registriert werden müssen“, forderte die SPD-Fraktion in ihrem Antrag.

Kontroll-Frage

CDU-Fraktionschef Michael Minnert begründete die ablehnende Haltung der Christdemokraten. Eine solche Katzenschutzverordnung sei fast kaum zu kontrollieren. Und selbst wenn dies der Fall wäre, würde dies einen großen Aufwand erfordern, den die Stadt personell nicht leisten könne. Auch FDP-Stadtverordneter Wolfgang Deul, selbst Katzen-Liebhaber, mochte dem SPD-Antrag nichts Gutes abgewinnen und sah das Thema schon bei der Büttenreden der Fastnacht verortet. „Was hat man sich bei diesem Antrag gedacht? Wer soll das kontrollieren? Für eine Kastration von Katzen nimmt ein Tierarzt zwischen 120 und 130 Euro. Wer soll das bezahlen?“ Wolfgang Deul wollte auch nicht die prognostizierten 370 000 Katzennachkommen als realistische Zahl anerkennen. „In Okriftel ist das jedenfalls nicht so.“ Und überhaupt könne es nicht um überwiegend wild umherstreunende Katzen gehen. Meistens seien es die Katzen der Nachbarn, die sich in anderen Liegenschaften an fremden Futtertöpfen bedienen würden.

Trotz des heftigen Gegenwinds wollte SPD-Fraktionschef Marek Meyer nicht zurückstecken. Die Zahl 370 000 sei eine theoretische Größe bei der Berechnung der möglichen Nachkommenschaft. Dies sei keine Horror-Meldung und der Verweis seines Vorredners auf die kommende Fastnachtssaison sei „kein guter Stich“, meinte der Fraktionsvorsitzende. Seine Fraktion habe den Antrag gestellt, um pragmatisch mit dem Problem umzugehen.

Die Mehrheit der Stadtverordneten wertete dies allerdings anders. Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU, FWG, FDP sowie Pro Hattersheim abgelehnt.

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