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Aus 800 Jahren: Klaus Belzer blickt auf bewegte Geschichte des Klosterhofs zurück

Von Raubritter, Mönche, Landwirtschaft, Unterkunft für Schafe, Schrottlager und Wohnungen. Der Klosterhof in Sulzbach, an dessen Stelle seit 1964 die Cretzschmarschule steht, hat in seiner mehr als 800jährigen Geschichte viel erlebt.
Auch das gab es in der spannenden Geschichte: eine Herde Schafe vor dem Klosterhof. Auch das gab es in der spannenden Geschichte: eine Herde Schafe vor dem Klosterhof.
Sulzbach. 

Die Raubritter von Hattstein waren böse Gesellen. Von ihrer kleinen Burg im oberen Weiltal zwischen Reifenberg und Schmitten starteten sie ihre Raubzüge und machten den Taunus unsicher. So hat Raubritter Friedrich von Hattstein – wie Klaus Belzer vom Sulzbacher Geschichtsverein im Erzählcafé berichtete – im Jahr 1353 davon erfahren, dass Siegfried von Rheinberg auf dem Eichelbacher Hof, der zwischen Rod an der Weil, Neuweilbach, Riedelbach und Dombach lag, Hochzeit feierte. Raubritter von Hattstein überfiel bei Nacht und Nebel die Hochzeitsgesellschaft. Siegfried von Rheinberg konnte durch einen geheimen Gang entkommen.

Flucht am Pfingstmontag

Nachdem von Hattstein zehn Jahre später bei der Fehde mit den Reifenberger Rittern in einem Reifenberger Dorf ein Blutbad anrichtete, wurde er auf der Flucht am Pfingstmontag 1363 vor den Toren Limburgs erschlagen.

Ein Gemälde von Lucia Gramlich, Tochter des Schäfers, die mit der Familie im Häuschen rechts wohnte. Bild-Zoom
Ein Gemälde von Lucia Gramlich, Tochter des Schäfers, die mit der Familie im Häuschen rechts wohnte.

Die Spur der Hattsteiner führte auch nach Sulzbach, denn dem Rittergeschlecht gehörte der vermutlich um 1200 errichtete Klosterhof, der 1961 der neuen Grundschule, die Cretzschmarschule, weichen musste. Der Hobbyhistoriker Klaus Belzer, der viele Jahre Vorsitzender des Geschichtsvereins war und auch heute noch im Vorstand mitarbeitet, bedauert, dass beim Abriss des Klosterhofs nicht nach alten Spuren, zum Beispiel Eingravierungen in Holzbalken, gesucht wurde. Belzer: „Damals herrschte noch eine andere Mentalität. Da wurde – leider an vielen Stellen in Sulzbach – viel Erhaltenswertes einfach abgerissen.“

Deshalb wissen die Geschichtsforscher nicht ganz genau, wann der Klosterhof errichtet wurde und wer die ersten Besitzer waren. Nachgewiesen ist, – so Klaus Belzer – „dass Else, die Witwe des Georg von Hattstein, zusammen mit ihren Söhnen Haus und Wiesen am damaligen Ende des Dorfes Sulzbach für 114 Gulden, 14 Schillinge und 3 Heller Frankfurter Währung“ verkaufte. Käufer war Johannes Fabri, Küster an St. Martin und St. Georg in Frankfurt.

Klaus Belzer erläuterte, dass es zeitweise mehrere Höfe im Klosterhof mit verschiedenen Besitzern gab. So hatten dort Hans von Neuenhain, der auch von Reifenberg genannt wurde, und auch Johann von Cronberg Besitztümer im Klosterhof, die – wie aus einer Eintragung von 1482 ersichtlich – von dem Präzeptor Johann Collik für die Antoniter erworben wurden, so dass dieser Orden zu jener Zeit einen Grundbesitz von 263 Morgen Land in Sulzbach hatte.

Die Cretzschmarschule, der frühere Standort des Sulzbacher Klosterhofs. Bild-Zoom
Die Cretzschmarschule, der frühere Standort des Sulzbacher Klosterhofs.

Klaus Belzer berichtete im Gewölbekeller des Frankfurter Hofs vor rund 60 Zuhörern, dass sich die Antoniter 1190 in Roßdorf bei Hanau niedergelassen hatten und um 1355, als Höchst die Stadtrechte erhielt und mit sicheren Mauern und Türmen umgeben war, ihren Standort an den Main wechselten und so auch nach Sulzbach kamen. Im Bereich des großen Klosterhofs erwarben sie Land und Höfe, die sie aber zunächst verpachteten. In dem gut erhaltenen Tagebuch des Bauers Adam Löschhorn ist vermerkt, „dass die Pfaffen 1748 den Hof beziehen“.

1803 nahm die Fürstlich-nassauische Regierung den Klosterhof in Besitz, 1812 wurde er von Friedrich Gottfried Mahr übernommen, der 1832 ein Gebäude mit Garten und Wiesen an Adam Löschhorn, einen Nachkommen des Tagebuchschreibers, verkaufte. Drei weitere Hauptkäufer waren nach Klaus Belzers Recherchen Ludwig Schaar, Jakob Schaars Witwe und Ludwig Heß. Das andere Gelände wurde an 30 Personen verkauft.

Häufiges Hochwasser

Der zentrale Hof befand sich bis zum Abriss im Besitz der Familie Löschhorn. Bewohnt wurde der Hof zuletzt von der Familie Menges. Die Scheune nutzte der Sulzbacher Schäfer Rupert Gramlich als Unterstand für seine Schafe, und auf einem Teil des Geländes hatte die Familie Rill einen Schrottplatz.

Christa Napp, geborene Menges, die mit ihrer Schwester Marianne Kirsch interessiert den Vortrag verfolgte, schwärmt von der Kindheit auf dem Klosterhof: „Ich durfte den Schäfer begleiten, wenn er vom Klosterhof aus die Herde durch die Ortsstraßen trieb. Das sind unvergessliche Erlebnisse.“ Ihre Schwester Marianne sagt: „Damals haben sich die Kinder aus der ganzen Umgebung auf dem Klosterhof zum Spielen getroffen.“

Klaus Belzer stellt in Frage, ob es 1961 wirklich nötig war, den Klosterhof abzureißen: „Für die Schule hätte man auch einen anderen Platz gefunden.“ Er schloss seinen Vortrag mit einer interessanten Anekdote: „Der Bauunternehmer Ludwig Becker hatte sich damals geweigert, die Schule zu bauen, mit dem Argument „In dess nasse Loch bau ich net’.“

Tatsächlich ist dort bis heute häufig Hochwasser aufgetreten. Gerhard Schöffel, lange Zeit Lehrer an der Cretzschmarschule, erinnert sich: „Im August 1980 war der Hochwasserschaden so groß, dass 10 000 Bücher unbrauchbar wurden und weggeworfen werden mussten.“

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