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Rohbau fertiggestellt: Klinikum Höchst ist die größte Baustelle der Stadt

Von Das weltweit erste Krankenhaus im Passivhaus-Standard entsteht derzeit in Höchst. Der Rohbau der Klinik ist bereits fertiggestellt, aktuell läuft der Innenausbau auf Hochtouren.
Von der Windthorststraße ist die Front des zukünftigen Krankenhauses schon gut zu erahnen. Foto: Maik Reuß Von der Windthorststraße ist die Front des zukünftigen Krankenhauses schon gut zu erahnen.
Frankfurt. 

Es ist die größte Baustelle der Stadt: Der künftige Klinikkomplex ist 143 Meter lang, mehr als 23 Meter hoch und umfasst neben Keller und Erdgeschoss sechs Etagen. Seine Größe ist jetzt sichtbar: Der Rohbau steht, der Innenausbau hat begonnen. Abgeschlossen sein soll der Neubau der besonders energieeffizienten Klinik schon im kommenden Jahr. Vor der Inbetriebnahme ist allerdings ein mehrmonatiger Testbetrieb geplant. Das Passivhaus-Institut in Darmstadt begleitet das Klinikum Höchst bereits seit den Planungen für den Neubau intensiv und setzt diese Beratung während der gesamten Bauarbeiten fort.

Erster Spatenstich war im Sommer 2016 – und im Herbst 2017, nur etwas mehr als ein Jahr später, stand der Rohbau in groben Zügen. Im Frühjahr wird der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Neubaukomplexes installiert. Rundgänge, die das Klinikum auf der beeindruckenden Baustelle im Herbst des vergangenen Jahres angeboten hatte, waren schnell ausgebucht (wir berichteten).

Karsten Valentin, der Geschäftsführer der Zentralen Errichtungsgesellschaft (ZEG) und zuständig für den Klinikneubau, ist zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten. Trotz der komplexen Planung für die technische Gebäudeausstattung laufe alles weiterhin nach Plan. Die geplante mehrmonatige Testphase sei für einen reibungslosen Krankenhausalltag im neuen Gebäude sehr wichtig, denn es ist kein kleines Krankenhaus, das da umziehen soll: 664 Betten wird der Neubau haben, zudem weitere 40 Plätze für die Tagesklinik. In der ersten Etage sind zehn Operationssäle sowie ein Hybrid-Operationssaal für minimalinvasive Eingriffe vorgesehen. Das sechste Obergeschoss, das sich nur über einen Teil des Gebäudes erstreckt, ist ausschließlich für die Technik vorgesehen.

Rund 400 Bauarbeiter sind derzeit mit dem Innenausbau beschäftigt – und auch damit, Musterräume anzulegen, in denen man jetzt schon sehen kann, wie einzelne Abschnitte einmal aussehen werden. Zudem hat der Einbau der mehr als 1000 dreifach verglasten Fenster begonnen.

Zwei Hauptziele verfolgt das Klinikum mit dem Ersatzneubau: Zum einen sollen die internen Betriebsabläufe optimiert werden. Dadurch werden sich auch die Wege für das Personal innerhalb des Gebäudes deutlich verkürzen. Da das bestehende Klinikhochhaus aus den 60er Jahren zum Teil marode ist, sollen mit dem äußerst energieeffizienten Neubau andererseits die Betriebskosten drastisch gesenkt werden.

Hoher Energieverbrauch

Wegen des intensiven 24-Stunden-Betriebs gehören Krankenhäuser zu den Spitzen-Energieverbrauchern: Von der Notaufnahme über die Operationssäle samt Intensivstation bis zu den Patientenzimmern sind zahlreiche technische Geräte im Einsatz. Und auch die Beleuchtung ist praktisch durchgängig eingeschaltet. Ganz allgemein liegt der Stromverbrauch in einem Krankenhaus drei bis vier Mal über dem Verbrauch in einem Wohngebäude. „Der Passivhaus-Standard ist neben verbessertem Komfort auch darauf ausgelegt, den Bedarf an Energie deutlich zu reduzieren. Daher ist das energieeffiziente Konzept für Krankenhäuser mit ihrem hohen Energiebedarf besonders lohnenswert“, erklärt Oliver Kah vom Passivhaus-Institut.

Der Wissenschaftler begleitet den Klinikneubau für die Zentrale Errichtungsgesellschaft unter dem Aspekt der Energieeffizienz. So prüft er unter anderem, ob der geforderte Wärmeschutz mit den geplanten Bauteilen eingehalten wird. In einer Grundlagenstudie hatte Oliver Kah mit Kollegen vor dem Baubeginn untersucht, wie das hoch energieeffiziente Passivhaus-Konzept in Krankenhäusern umgesetzt werden kann. Viele der rund 2100 Krankenhäuser in Deutschland sind sanierungsbedürftig und können von dieser Studie profitieren: Höchst ist quasi bundesweiter Vorreiter.

In der Studie wird deutlich, dass die Ausstattung eines Krankenhauses wesentlichen Einfluss auf den Energiebedarf hat und daher in komplettem Umfang betrachtet werden muss. Gleichzeitig muss die Umsetzung des Passivhaus-Standards in Krankenhäusern besonderen Anforderungen genügen, beispielsweise in den sensiblen Operationssälen. „Dazu gehören auch hohe hygienische Anforderungen, wenn zum Beispiel die Abwärme aus der Abluft des Operationsbereichs genutzt werden soll“, erläutert Oliver Kah.

Nach 2019 geht es weiter

Die Kosten für den Neubau des Klinikums Höchst werden auf 263 Millionen Euro beziffert; Steigerungen gab es bereits. Das Land Hessen beteiligt sich mit rund 55 Millionen Euro an dem energieeffizienten Neubau. Das Hochhaus aus den 60er Jahren soll nach Bezug der Passivhaus-Klinik abgerissen werden. Auf dem Klinikgelände sind nach 2019 zwei weitere Bauabschnitte geplant – unter anderem soll Wohnraum entstehen.

Derweil geht es schon um die Inbetriebnahme im kommenden Jahr: Uwe Eisenmann, parteiloser Ortsbeirat, hat zur nächsten Sitzung des Stadtteilparlaments beantragt, dass der entstehende Platz vor dem neuen Foyer in Hospitalplatz umbenannt wird, um seiner Bedeutung gerecht zu werden – derzeit lautet die Adresse Windthorststraße 21. Und bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Ämter haben die Ortsbeiräte in der vergangenen Woche erreicht, dass für die Zeit der Baustelle ein zusätzlicher Zebrastreifen auf der Windthorststraße eingerichtet wird – wegen der vielen Baufahrzeuge.

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