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Phrix-Ateliers in Okriftel: Künstler trotzen der Ungewissheit

Von Bei der letzten Ausstellung in den Phrix-Ateliers wurde deutlich, welch große künstlerische Vielfalt sich in der Fabrik zusammengefunden hat. An einer Stelle tickte und klingelte es.
Corinna Zürcher präsentiert eines ihrer Bilder. Sie wird künftig in einer Schrebergartenhütte werken. Foto: Maik Reuß Corinna Zürcher präsentiert eines ihrer Bilder. Sie wird künftig in einer Schrebergartenhütte werken.
Okriftel. 

Die Ausstellungen der Phrix-Künstler beginnen meistens schon im Eingangsbereich vor den Ateliers – so auch am Wochenende: Berge von losen Ästen säumten den Weg zum Treppenhaus des Fabrikgebäudes. Wer die Ausstellung betreten wollte, musste unter einem riesigen Felsbrocken aus Pappmaché hindurchlaufen, der über der Tür aus der Wand ragte. Die gesamte Kulisse wirkte ungebändigt. Die Installation von Ali Brambilla spiegelte damit die gegenwärtige Situation der Phrix-Künstler wider, die ihre Räume zum Jahresende verlassen müssen. Die ehemalige Papierfabrik soll zum Wohnquartier umgebaut werden.

„Alles muss raus“

„Wir sind Treibgut“, erklärte Kulissenbauer Brambilla dem Kreisblatt. Seiner besonderen Gestaltung des Eingangsbereichs gab er den Namen „Alles muss raus“. Die Äste, die er für seine Installation verwendete, seien alle in den vergangenen Wochen auf dem Phrix-Gelände abgeschnitten worden. „Ich wollte ihnen einen neuen Raum geben“, sagte das Mitglied der Künstler-Gemeinschaft.

Die letzte Ausstellung mit geöffneten Ateliers machte noch einmal eindrucksvoll deutlich, welche künstlerische Vielfalt unter dem Dach der Okrifteler Industrieruine zusammengefunden hat. Die Teilnehmer präsentierten alte und neue Arbeiten und stellten die Kunst trotz ihrer schwierigen Situation in den Mittelpunkt. „Wir haben den Auszug nicht zum Thema gemacht“, erläuterte Marten Großefeld. Wer wollte, konnte aber Bezüge zwischen den Werken und der momentanen Ungewissheit herstellen.

Ein Gemälde Großefelds zeigt ein phantastisches Pferd, das an einem Vorhang knabbert. Durch eine Klappe im Körper des Tieres fällt der Blick auf eine Handgranate. Das Bild beschreibe das Gefühl, dass man etwas in sich trägt, das raus muss, sagt der Maler. Er hat das Werk „Bauchgefühl“ genannt.

Die Themen waren genauso vielfältig wie Stil und Technik der Phrix-Künstler. Das Bild „Handzeichen“ von Hannes Bartels ist eine gemalte Auseinandersetzung mit in Not geratenen Menschen. Das Ölgemälde zeigt drei Arme in unterschiedlichen Positionen, die bettelnd, abwehrend und flehend wirken. Stacheldraht und Fetzen von gestreiften Uniformen wecken Bilder von KZ-Häftlingen. Ein Boot in der oberen Bildhälfte lässt allerdings auch eine Deutung als Verarbeitung der Flüchtlingskrise zu.

Corinna Zürcher setzt sich in einem ihrer Bilder mit der Historie der Papierfabrik auseinander: Die Arbeit zeigt den ehemaligen Besitzer Winfried Schäfer inmitten von Autoreifen vor den Phrix-Gebäuden. Corinna Zürcher erzählte, dass sie die Geschichte des früheren Eigentümers fasziniert. Schäfer hatte ein Patent angemeldet, um Rohstoffe aus Autoreifen zurückzugewinnen, war jedoch an der Umsetzung gescheitert. „Er war seiner Zeit voraus“, so die Malerin, die Schäfer als „guten Geist“ der Fabrik bezeichnet.

Eine ganz eigene Kunstrichtung hat auch Kai Wolf eingeschlagen: Aus den Räumen des Phrix-Künstlers drang am Wochenende ein ständiges Klingeln und Ticken. Wolfs Leidenschaft ist der Bau symbolischer Automaten. Nach der Auseinandersetzung mit Magnetismus und Hochspannung widmet er sich momentan der Pneumatik. Eines seiner neuesten Werke bedient sich deshalb mehrerer pausenlos pumpender Insulinspritzen. Es trägt den Titel „Ein Herz und drei Seelen“.

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