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„Dancing Disaster“: Letzter Auftritt: Männerballett verlässt die Bühne

Von Heute Abend stehen die tanzenden Männer zum letzten Mal auf der Bühne. Während seiner Abschiedstour wurde das Männerballett „Dancing Disaster“ vom Turnverein Okriftel (TVO) von der Stadt ausgezeichnet.
Heute Abend öffnet sich zum letzten Mal der Vorhang für das Männerballett „Dancing Disaster“: (von links vorne) Nils Hartmann, Christian Seelmann und Carsten Fritz, (dahinter von links) Maurice Wehner, Martin Gartenmeier und Andre Hahn Foto: Hans Nietner Heute Abend öffnet sich zum letzten Mal der Vorhang für das Männerballett „Dancing Disaster“: (von links vorne) Nils Hartmann, Christian Seelmann und Carsten Fritz, (dahinter von links) Maurice Wehner, Martin Gartenmeier und Andre Hahn
Okriftel. 

Christian Seelmann steht seit einem Vierteljahrhundert auf der Bühne. Damit ist der Trainer des „Dancing Disasters“ der einzige Aktive, der bereits seit der Gründung durchhält – sozusagen der rote Faden. Die Kollektion abwechslungsreicher Verkleidungen, die Seelmann und seine Mitstreiter in den vergangenen 25 Jahren an- und auszogen, ist umfangreich. Die sportlichen Männer tanzten bereits in Polizeiuniformen, Basketball-Trikots und Tarnkleidung. „Ich habe drei große Kisten mit Kostümen im Keller“, erzählt Tänzer Nils Hartmann. Alles, was die Aktiven auf der Bühne tragen, fällt jedoch früher oder später bis auf die Unterhose. Am Ende der Nummer nackte Haut zu zeigen gehöre als Männerballett auf einer Damensitzung dazu, erklärt Christian Seelmann.

Trotz des unausweichlichen Striptease wählen die Tänzer ihre Kostüme mit Bedacht. Für die diesjährige Kampagne haben sie sich etwas Besonderes überlegt: In schwarzen Fräcken mit Skelett-Verzierung und Totenkopf-Masken feiern sie „Fiesta de los Muertos“ – das „Fest der Toten“. Die schaurig schönen Outfits sind nicht nur ein Hingucker, wenn die Tänzer auf die Bühne stürmen. Der schwarz-weiße Totentanz birgt auch eine Symbolwirkung: Nach dem heutigen Auftritt beim Tanzsport- und Carneval-Club Pinguine in Schwalbach beerdigen die Okrifteler das „Dancing Disaster“. Nach 25 Jahren zieht die Gruppe einen Schlussstrich. „Darüber ist im Moment jeder etwas traurig“, sagt Christian Seelmann.

Als Grund für ihren Ausstieg nennt die Showtanzgruppe berufliche und familiäre Verpflichtungen. Mindestens drei der Aktiven würden bald Nachwuchs erwarten, erläutert Christian Seelmann. Hinzu kommt, dass es gar nicht so leicht ist, tanzbegeisterte junge Männer zu finden. Der letzte Aktive, der sich dem Ballett anschloss, war Maurice Wehner. Der 30-Jährige kam vor vier Jahren dazu und war damals bereits mit Seelmann befreundet. „Ich fand die Jungs schon immer cool“, sagt Wehner.

Andere Quereinsteiger zu motivieren fällt wesentlich schwerer: „Entweder wollen sie sich nicht auf der Bühne ausziehen, oder sie können nicht tanzen“, erklärt Christian Seelmann. Manch einer unterschätze, dass gelegentliches Üben nicht ausreicht. Die Gruppe trainierte ab August einmal wöchentlich und traf sich kurz vor der Kampagne zusätzlich an Wochenenden.

Anfang in Frauenkleidern

Ursprünglich war das „Dancing Disaster“ gar nicht als Fastnachtsgruppe geplant. Die Wurzeln der Tanznummer liegen beim Familienabend des TVO. Im Rahmen der großen Vereinsfeier sei es üblich, dass jede Abteilung etwas vorführe, berichtet Christian Seelmann. Als die Leichtathleten auf ihre Teilnahme angesprochen wurden, sei die Entscheidung gefallen, eine Männertanzgruppe zu gründen. „Zunächst ganz klassisch – in Frauenkleidern“, erzählt Seelmann, der nach zwei Jahren das Training übernahm. Im Jahr 2004 habe die Gruppe dann einen Wendepunkt erreicht: „Wir haben uns gefragt, warum wir immer nur in Frauenklamotten auftreten“, sagt der 42-Jährige. Die Tänzer änderten ihren Stil und erreichten plötzlich ein größeres Publikum.

35 Auftritte pro Abend

Durch die Empfehlung des Fastnachts-Urgesteins Bernd Bruch sei das „Dancing Disaster“ bei einigen Damensitzungen in der Region gelandet. Teilweise musste die Gruppe 35 Auftritte in einem Jahr bewältigen – vier an einem einzelnen Abend.

Das TVO „Dancing Disaster“ besteht aus: Andre Hahn, Maurice Wehner, Nils Hartmann, Carsten Fritz, Martin Gartenmaier, Manuel Odey, Benedikt Hacker und Christian Seelmann. Während ihrer Abschieds-Kampagne wurden die Tänzer von der Stadt Hattersheim mit der Auszeichnung „Narr des Jahres“ geehrt. Ob der Vorhang für die Okrifteler nun endgültig gefallen ist, bleibt abzuwarten. „Vielleicht machen wir in fünf Jahren ja etwas anderes Tänzerisches“, spekuliert Martin Gartenmaier. Getreu dem Sprichwort: Totgesagte leben länger.

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