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Förster: Martin Kunze hat 2018 mit der Beseitigung der Sturmschäden zu tun

Von Der Waldwirtschaftsplan ist ein geduldiges Zahlenwerk. In der Praxis sieht es oft ganz anders aus, wie ein Kreisblatt-Ortstermin zeigt.
Martin Kunze zeigt, wo der Sturm im August 2017 eine ganz Schneise geschlagen hat. Martin Kunze zeigt, wo der Sturm im August 2017 eine ganz Schneise geschlagen hat.
Kelkheim. 

Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld, nur wenige Meter unterhalb des Eppenhainer Atzelbergs. Nach zwei Stürmen klafft in dem Waldgebiet ein großes Loch, fast ein Fußballfeld groß. Eine schöne Lichtung, könnte mancher Spaziergänger vielleicht meinen, wenn denn nicht noch die Zeugen der Starkwinde herumliegen würden. Am 1. August 2017 hat das Tief „Fritz“ in der Region zugeschlagen – da im Sommer alles trocken war, seien die Fichten regelrecht eingeknickt, berichtet Förster Martin Kunze. Erst vor gut drei Wochen, am 16. Januar, hat Sturm „Friederike“ zugeschlagen – vor allem im Nordhessen, zum Teil aber auch im Main-Taunus-Kreis. Das halbe Dutzend Fichten liegt in ganzer Pracht am Boden – da die Erde damals so feucht war, seien die Stämme regelrecht entwurzelt worden, erklärt der Fachmann für die Kelkheimer Wald, der im April 2016 seinen Dienst begonnen hat.

Frustrierende Schneise

Ende 2017 hat er mit der Stadtverwaltung seinen zweiten Waldwirtschaftsplan den Gremien vorgelegt. Doch mit Leben zu füllen ist ein Papier voller Zahlen am besten an Ort und Stelle. Und so hat sich Kunze gerne fürs Kreisblatt einen Moment Zeit genommen. Der Blick auf das Loch im Bestand am Atzelberg frustriert ihn. Vereinzelt stehen noch Bäume, die aber noch rausgenommen werden müssen. „Es ist eine Frage der Zeit, bis sie umkippen“, ist er überzeugt.

Diese Matschpiste soll zu einem befestigten Radweg ausgebaut werden. Bild-Zoom
Diese Matschpiste soll zu einem befestigten Radweg ausgebaut werden.

Und so ist es für ihn 2018 eine der Hauptaufgaben, die Sturmschäden in Kelkheim zu beseitigen. Das gehe mit den schweren Maschinen und Fahrzeugen aber erst, wenn der Boden nicht mehr so feucht ist – was zuletzt schon der Fall war. So einen Winter mit vielen Niederschlägen habe es lange nicht gegen, weiß Kunze. Am Atzelberg will er Douglasien setzen lassen. Denn der Nadelholzanteil an den 680 Hektar Wald soll bleiben, er beträgt ein knappes Drittel. Die Douglasie sei ein sehr dauerhaftes, fürs Bauen im Außenbereich gefragtes Holz, sie komme besser mit Trockenheit zurecht als die Fichte. Geschwächte Bäume seien wiederum anfälliger für den Borkenkäfer, sagt Kunze. Schon deshalb müssen die Bäume in der Lichtung so bald wie möglich raus, um den Plagegeistern keine Angriffsfläche zu bieten.

Insgesamt, so schätzt der Förster, seien über 1500 Festmeter den beiden großen Stürmen zum Opfer gefallen. Das ist fast ein Drittel der für 2018 geplanten Ernte. Im Waldwirtschaftsplan, den die Politik ohne große Diskussionen abgesegnet hat, sind 4650 Festmeter eingeplant – vor allem Buche (mit Birke und Kastanie) mit knapp 2500. Die Fichte ist mit rund 800 Festmetern drin. Doch hier werde es kaum neuen Einschlag geben, denn sie sei vom Sturmschaden besonders betroffen, so Kunze. Der Gesamtplan sieht bei Einnahmen von 225 000 Euro ein kleines Plus von 5000 Euro vor.

Die zwangsweise gefallenen Bäume brachten dem Forstamt allerdings 2017 nicht eingeplante Mehreinnahmen. Dieses Geld soll nun für die Aufforstungen und den Wegebau verwendet werden. Einige Wege hätten durch die Feuchtigkeit gelitten. Dort, wo der Einschlag beendet sei, wolle er Arbeiten beauftragten, berichtet der Förster. Für solche Projekte seien hohe Förderungen von bis zu 70 Prozent durch die EU möglich. Zudem hat die Stadt als Eigentümer einen Abschnitt im Visier, den sie zum Rad- und Fußweg mit einer neuen Deckschicht ausbauen lassen will. Er soll Ruppertshain mit Eppenhain unterhalb des Atzelbergs verbinden – und ist oft eine Matschpiste.

Die größten Sturmschäden hat Kunze am Roteberg in Hornau ausgemacht. Am „Reis“ wiederum liege eine Kastanien-Abteilung fast am Boden – hier möchte er im Herbst nachpflanzen. Er hofft, dass das Wetter mitspielt und er dann zeitnah Unternehmer bekomme. „Wir leben mit der Natur, da ist nicht immer alles planbar“, weiß der Fachmann aus Kelkheim. Und atmet auf: Im Vergleich zu den Schäden in Nordhessen sei der MTK noch glimpflich davongekommen.

Bestände neu erschließen

Die im Plan als größte Hiebsflächen ausgewiesenen Areale liegen um die 10 oder 11 Hektar – von der Gundelhardt (westlich Bauhof) über Münster (südwestlich Gimbacher Hof) bis nach Fischbach (südwestlich Rettershof). Das sei aber icht starr festgeschrieben – je nachdem, wie schnell die Sturmschäden beseitigt sind. Zudem muss Kunze das vorbereiten, Bestände erschließen, Rückegassen markieren, den Hang für die Maschinen angraben lassen. Mehr als 15 Prozent des Bestandes kommen allein schon für die Vorbereitungen raus. „Wir können das Holz ja nicht rausfliegen.“ Für knifflige Fälle hat er auch Baumkletterer im Einsatz – so wie beim Stamm am Weg nach Eppenhain, der nach einem Sturm als Totholz-Rest stehen bleibt.

Schließlich muss Kunze schon wieder an Weihnachten denken. In den vergangenen zwei Jahren hatte er in Kelkheim keinen der beliebten Baumverkäufe anbieten können. Das strebe er 2018 wieder an. Aber dazu brauche es Reserve, um alle gut bedienen zu können. Kunze plant Weihnachtsbaum-Pflanzungen, obwohl die Pflege aufwendig sei – es muss gemäht werden, der Schutz vor Wildverbiss durch einen Zaun ist notwendig.

Und dann hat er auch immer mal wieder mit den Waldnutzern zu tun. Beschwerden, zum Beispiel über nicht ordentliche Wege, und Konflikte gebe es immer wieder. Aber er könne nicht jede Woche an jeder Ecke nach dem Rechten schauen, bittet er um Verständnis. Und wenn manche Bereiche gesperrt sind, diene das einzig und allein der Sicherheit der Menschen. Bei einer Abholzung im Braubachtal im vergangenen Sommer gab es einigen Ärger. Doch das sei alles rechtens gelaufen, denn das Naturschutzgebiet drohte zuzuwachsen. Nebeneffekt bei der Lichtung des Bestandes war es, die Blickachsen offen zu halten.

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