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„Sindlinger Wiesen“: Mit dem Stadtrat in den „Dschungel“

Heinz Kunz ärgert sich über zugewucherte Grünflächen, schlechte Wege und regt eine Videoüberwachung an.
Heinz Kunz zeigt den Kelkheimer „Dschungel“. Heinz Kunz zeigt den Kelkheimer „Dschungel“.
Kelkheim. 

Mit seinem Hund Ali Baba ist Heinz Kunz täglich in der Stadt unterwegs. Als Magistratsmitglied ist der FDP-Mann zuständig für die Stadtteile. Und hier legt er den Finger in die Wunde. Ein Dorn im Auge ist ihm aktuell der Stadtpark „Sindlinger Wiesen“ – ein Vorzeigeprojekt, das vor 15 Jahren eingeweiht worden war.

Bei einem Rundgang mit dem Kreisblatt zeigt Kunz die Problemstellen. Und er muss nicht lange gehen, als ihm rechterhand am Eingang in Münster ein Urwald auffällt. „Da gehört mal für zwei, drei Tage ein Gärtner rein“, rät Kunz. Der verrostete Zaun mittendrin gebe ebenfalls kein schönes Bild ab. „Zur Erhaltung der Infrastruktur gehört Pflege“, macht der Stadtrat deutlich. Die Fläche ist als „Nachtigallenwäldchen“ bekannt und sollte vor Jahren mal als Standort für die Feuerwehr Münster dienen. Aus Naturschutzgründen gab es ein Veto – selbst wenn Kunz nie eine Nachtigall gesehen hat. Die Fläche aber ich selbst zu überlassen – das hält er für keine gute Lösung.

Die Verwaltung indes hat kein Problem damit. In der Antwort auf Kunz’ Anfrage heißt es: Das Teilstück sei „von der Natur zurückerobert worden“ und könne als „Kelkheimer Dschungel“ bezeichnet werden: „Unterschiedliche Pflanzen- und Baumarten haben sich angesiedelt und das Obstbaumgrundstück zu einem pflanzen- und artenreichen ,Waldstück‘ gestaltet.“ Erwähnt werden auch eine Hinweistafel und Trampelpfad, die zeigen, „wie Leben entsteht“.

Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) macht Kunz keine Hoffnungen. Die Fläche sei „naturbelassen“ und in Ordnung. „Da haben wir dringendere Dinge.“ Vielleicht hätte die Stadt den alten Zaun entfernen können, überlegt er. Doch Handlungsbedarf sieht der Bürgermeister nicht. Es sei nicht verkehrt, im Stadtpark „ein Stück Natur sich selbst zu überlassen“. Zudem habe der Bauhof vielerorts Nachholbedarf, was nach Prioritäten abgearbeitet werde.

Stadtrat Kunz gibt sich mit den Antworten nicht zufrieden. Wenn der Bürgermeister ein Projekt „Sauberes Kelkheim“ auf den Weg bringe, dann gehöre die Pflege des „Dschungels“ für ihn mit dazu. Der Trampelpfad sei von Leuten angelegt, die dort ihre Notdurft verrichten, auch Hinterlassenschaften von Tieren gebe es reichlich. Kunz: „Ich schäme mich als Magistratsmitglied für dieses Stück Kelkheim am Anfang der Sindlinger Wiesen.“

Patenschaften für Teich?

Damit nicht genug. Kunz hat weitere Schwachstellen im Park ausgemacht: Dicht mit Efeu zugewachsene Bäume zum Beispiel, oder den holprigen Weg. Auch so manche Hinweistafel ist verschmiert – so zum Beispiel im kleinen Naturlehrpfad. Dort schwimmt zudem Müll im Froschteich herum. „Wer kümmert sich?“, fragt Kunz. Früher war der Naturschutzbund verantwortlich, doch den gibt es in Kelkheim nicht mehr. Der Bürgermeister hat indes schon angedeutet, sich hier vielleicht Patenschaften vorstellen zu können. Konkret ist noch nichts.

Dann ist der große Spielplatz erreicht, auf dem sich zuletzt sogar der Eichenprozessionsspinner breit gemacht hat. Kunz weiß von Beschwerden über Lärm und Vandalismus im Park. Daher macht er den Vorschlag, dort eine Kamera zu installieren und weiß bereits von der Absage der Stadt: „Da versteckt man sich hinter Paragrafen. Doch mir sind die Bürger wichtiger als die Paragrafen.“ Rathauschef Kündiger bezeichnet die Kamera-Idee als „kompletten Unsinn“ und führt datenschutzrechtliche Gründe an. Er sieht derzeit übrigens auch keinen überbordenden Vandalismus, vielleicht mal Ruhestörung. Daher werde in den „Sindlinger Wiesen“ die Nachtstreife des Ordnungsamtes im Sommer verstärkt ihre Runden drehen, kündigt er an. Im März haben dort Vandalen allerdings schon heftig gewütet, einen Schaukasten und mehrere Lampen zerstört. Das war im oberen Bereich in Richtung Stadtmitte, den Kunz bei seinem Rundgang an sich in einem guten Zustand sieht. „So sieht eine grüne Lunge aus“, sagt er und macht deutlich: „Auch Privatleute müssen ihre Grundstücke in den ,Sindlinger Wiesen‘ sauber halten.“

Trotz unterschiedlicher Ansichten – in einem Punkt sind sich Kunz und Kündiger einig: Die vor einigen Monaten hier gesichtete Biberratte, das Nutria, ist als einzelnes Exemplar für sich kein Problem. Sollten sich aber mehrere dieser Tiere am Liederbach in Kelkheim ansiedeln, könnte das schnell zu einer Plage werden. Die Städte Frankfurt und Bad Vilbel können ein Lied davon singen . . .

(wein)
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