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20 mögliche Kollisionspunkte: Nach dem Einkauf kann es ganz schnell krachen

Fürs Foto radelt Michael Duesterberg dort entlang, wo er bereits angefahren wurde. Foto: Hans Nietner Fürs Foto radelt Michael Duesterberg dort entlang, wo er bereits angefahren wurde.
Okriftel. 

Es war ein heller Nachmittag mit guten Sichtverhältnissen als Michael Duesterberg im Bereich der Langgasse im alten Ortskern auf sein Fahrrad stieg. Der Okriftler hatte es nicht besonders eilig – für sportliche Touren wäre sein Gefährt auch gar nicht gemacht gewesen. Duesterberg trat in die Pedale eines alten NSU-Rades aus dem Jahr 1953.

Er sei mit Schrittgeschwindigkeit auf dem Fahrradstreifen entlang der Rheinstraße gefahren, berichtet er dem Kreisblatt. Weit kam der Sammler alter Drahtesel allerdings nicht. Seine Tour endete abrupt und schmerzhaft vor der Einfahrt zum Phrix-Gelände.

Ein Autofahrerin, die mit ihrem Wagen vom Parkplatz des Netto-Marktes kam, nahm Michael Duesterberg die Vorfahrt. Der Okrifteler wurde erfasst und auf die Fahrbahn geschleudert. Dabei hatte er nicht nur Glück, dass er sich beim Sturz keine schweren Verletzungen zuzog. Der Radfahrer kann auch froh sein, dass die Autos auf der vielbefahrenen Rheinstraße rechtzeitig stoppen konnten und ihn nicht überrollten.

Duesterberg kam mit Prellungen und Zerrungen davon – das Oldtimer-Fahrrad sei allerdings Schrott, berichtete er. Der Dame am Lenkrad des Unfallwagens macht er keinen großen Vorwurf. Aus seiner Sicht ist der Kreuzungsbereich an der Ein- und Ausfahrt nämlich nur mit äußerster Konzentration zu meistern.

20 Gefahrenstellen

Michael Duesterberg hat 20 mögliche Kollisionspunkte im Bereich der Kreuzung aufgezeichnet. Dem Kreisblatt zeigte er sie an Ort und Stelle. Auf wenigen Metern bewegen sich dort Fußgänger, Radfahrer und Autos, die in verschiedene Richtungen abbiegen. Für Autofahrer, die vom Parkplatz des Supermarktes kommen, werde zusätzlich zu den vielen Reizen die Sicht erschwert.

Auf der rechten Seiten störe ein Schild die Übersicht; außerdem ein kleines Mäuerchen. Links werde der Einblick in die Straße durch einen bewachsenen Zaun komplett blockiert, betont der Okrifteler. Dies führe dazu, dass Autofahrer bis auf den Geh- und Radweg fahren müssen, um die Kreuzung komplett einsehen zu können.

Michael Duesterberg stört sich darüberhinaus an der Geschwindigkeitsregelung: Dass bis zum Übergang in die Langgasse Tempo 50 gelte, bezeichnet er als „planerischen Fehler“. Er selbst sei nicht zum ersten Mal mit dem Rad auf der Rheinstraße angefahren worden. Im Jahr 2014 erwischte es ihn vor einem der anderen Märkte – dabei hatte er ebenfalls Glück im Unglück und brach sich nur einen großen Zeh.

Ein anderer Okrifteler, der zufällig vorbei kommt, bestätigt die Kritik des Unfallopfers. Er beobachte häufig gefährliche Momente an der Ausfahrt. Es habe einige Situationen gegeben, in denen er froh war, dass es nicht geknallt hat. Als Lösung schlägt der besorgte Okrifteler einen Verkehrsspiegel gegenüber der Phrix-Ausfahrt vor.

Michael Duesterberg kritisiert, dass jeder Markt entlang der Rheinstraße eine eigene Anbindung hat. Dies erhöht seiner Ansicht nach das Unfallrisiko „Ich kann damit leben. Ich passe jetzt auf“, sagt Duesterberg. Er mache sich aber Gedanken um die Zukunft. Der Okrifteler weist darauf hin, dass sich der Verkehr durch den Umbau der Phrix zum Wohnquartier erhöhen wird. „Wie soll denn das gehen?“, fragt Michael Duesterberg. Er spricht sich für einen Kreisel auf der Rheinstraße aus, über den die Autos auf eine Parallelstraße gelangen könnten, um die Märkte von hinten anzubinden.

Klare Hinweise

Das Kreisblatt hat Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) zur Situation und der Kritik befragt. Schindling hatte sich nach dem Unfall mit Duesterberg sowie Vertretern der Polizei und des Ordnungsamts getroffen. Der Rathauschef sagte zu, Markierungen auf dem Boden anbringen oder eine Bodenwelle an der Ausfahrt installieren zu lassen. So könne Autofahrern klar werden, dass sie keine Vorfahrt haben, erläutert der Rathauschef.

Um Sichtbehinderungen entfernen zu können, müsse man Gespräche mit dem Geländeeigentümer führen. Schindling weist darauf hin, dass es sich beim Parkplatz auf dem Phrix-Areal nicht um einen öffentlichen Verkehrsraum handele. Zur Idee einer gemeinsamen Anbindung aller Märkte sagt er, dass dies vielleicht ein Möglichkeit für die Zukunft sei, wenn man die Erschließung neu plane.

Er habe Verständnis dafür, dass es nicht schön sei, wenn man angefahren werde, betont Klaus Schindling. Er weist aber auch darauf hin, dass der Polizei bisher keine Unfälle an dieser Stelle gemeldet worden seien. Ohne Meldungen bestehe formal kein Handlungsbedarf, so der Bürgermeister. Die Polizei habe ihm außerdem mitgeteilt, dass es sich bei dem Weg vor der Phrix nicht um einen Radweg handele, sondern um einen Fußgängerweg mit Erlaubnis für Fahrräder. Radfahrer müssten demnach Schrittgeschwindigkeit fahren und immer bereit sein, anzuhalten. Michael Duesterberg wird dies wohl kaum beruhigen. Der Betroffene hofft jetzt auf die Umsetzung der versprochenen Maßnahmen.

(sas)
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