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Bildung: Schulen im Main-Taunus-Kreis erreichen Grenze

Von Nicht auf einen Schlag, aber über die Jahre verteilt braucht der Main-Taunus-Kreis 90 Klassenräume mehr als gedacht. Hektische Betriebsamkeit löst diese Erkenntnis im Landratsamt aber nicht gerade aus.
Symbolbild Foto: dpa / Symbolbild Symbolbild
Main-Taunus. 

Es gab schon Zeiten, da wurde über den Schulentwicklungsplan des Kreises heftig gestritten. Die Debatte, ob die Kelkheimer Eichendorffschule von einer Gesamtschule in ein Gymnasium umgewandelt werden soll, ist so lange nicht her. Die Diskussion ging weit über die Kreisgremien hinaus.

Das ist anders geworden. Einstimmig wurde im Kreistag der Schulentwicklungsplan für die Jahre 2018 bis 2022 verabschiedet. Am ehesten würde man bei den Linken vermuten, dass sie gerne eine andere Richtung einschlagen würden, denn es ist klar, dass die Verteilung von Bildungschancen über gesellschaftliche Machtverhältnisse entscheidet. Aber Linken-Abgeordnete Beate Ullrich-Graf mahnte lediglich an, mehr Schulverbünde aufzubauen, damit mehr Sicherheit darüber entsteht, in welche weiterführenden Schulen die Kinder wechseln können. Eine explizit linke Position ist das nicht.

Offensichtlich gibt es eine ganz breite Zufriedenheit mit dem Schulsystem im Kreis. Für den zuständigen Kreisbeigeordneten, Wolfgang Kollmeier, ist das auch kein Zufall. Die Schulvielfalt im Kreisgebiet suche ihresgleichen, erklärte er. „Es gibt hier keinen Schulkrieg, sondern wir stellen die Schulvielfalt gemeinsam sicher“, fasste er die Stimmung zusammen.

Langfristig 90 Klassenräume

Der Schulentwicklungsplan sieht in den nächsten Jahren keine großen Veränderungen vor, es werden keine Schulen neu geschaffen und keine geschlossen, und es werden keine in eine andere Schulform umgewandelt. Einzige Ausnahme ist der Bau einer dritten Grundschule in Hattersheim, aber das ist längst beschlossen.

Herausforderungen gibt es trotzdem. Immer mehr Menschen wollen im Landkreis wohnen, also sind auch immer mehr Schüler da. Dazu kommen die Flüchtlinge, an die bei der Aufstellung des letzten Planes noch keiner dachte. Nicht alle werden längerfristig bleiben, das ist eine Unbekannte in der Rechnung. Außerdem haben die meisten Schulen von G8 auf G9 umgestellt – ein Schuljahr mehr, das bedeutet auch mehr Schüler. Zusammen macht das etwa 90 Klassenräume aus.

„Wir stoßen an der einen oder anderen Schule an die Grenzen“, sagt Kollmeier. Aber Aktionismus ist so ziemlich das Gegenteil der richtigen Beschreibung der Reaktion des Schuldezernenten. Ein Teil des zusätzlichen Bedarfs wird durch die neue Grundschule in Hattersheim abgedeckt – das passt sicher, da Hattersheim durch die vielen Baugebiete auch den größten Bevölkerungszuwachs hat.

An vielen Schulen sind schon Räume, die bisher für andere Zwecke genutzt wurden, zu Klassenräumen umgewandelt worden. Darüberhinaus müsse man bei anstehenden Baumaßnahmen prüfen, ob jeweils zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden können. Deutlich zeichnet sich ab, dass in Hattersheim auch die Gesamtschule erweitert werden muss, und in Hochheim steht eine Vergrößerung der Astrid-Lindgren-Schule an. Darüber hinaus wird es im ganzen Kreis notwendig, an Grundschulen zusätzliche Räume zu schaffen, wenn diese sich zu Ganztagsschulen entwickeln.

Kein viertes Gymnasium

Ein Thema in jedem Frühsommer ist auch, dass einige Schüler, die für ein reines Gymnasium angemeldet werden, einen Platz in einer kooperativen Gesamtschule bekommen. Sehr zur Verärgerung der ganzen Familie. Daran wird sich auch künftig nichts ändern, erklärte Kollmeier im Kreistag. Denn in einer Gesamtschule sei der gymnasiale Bildungsgang ebenso möglich, und genau darauf bezieht sich die Wahlfreiheit der Eltern.

Das Staatliche Schulamt hat den Kreis aber wissen lassen, dass die Voraussetzungen für die Einrichtung eines vierten Gymnasiums nicht gegeben sind. Außerdem wird die Gefahr gesehen, dass durch ein weiteres Gymnasium ein gymnasialer Zweig an einer Gesamtschule bedroht sein könnte, was diese Schulform insgesamt in Frage stellt.

In der kurzen Debatte im Kreistag wies für die FDP deren Landtags-Direktkandidatin Stephanie Müller darauf hin, dass längerfristig an die Schaffung einer weiteren gymnasialen Oberstufe gedacht sei. Dies solle man zwei Jahre vor Ablauf des jetzt beschlossenen Schulentwicklungsplans prüfen, also im Jahre 2002.

Oberstufe für Eppstein?

Auf besonders Interesse wird dies in Eppstein stoßen, wo es mit der Freiherr-vom-Stein-Schule zwar eine kooperative Gesamtschule gibt, die aber keine Oberstufe hat. Zumal die Schüler nicht sicher sein können, anschließend die Oberstufe ihrer Wahl besuchen zu können, wird in Eppstein immer wieder einmal die Einrichtung einer Oberstufe gefordert.

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