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Kelkheimer Kulturszene: So feiert das Kammerorchester Jubiläum

Vor 50 Jahren von Heinz Krämer gegründet, ist das Kelkheimer Kammerorchester heute fester Bestandteil der Kelkheimer Kulturszene. Zur Feier des Jubiläums haben die Musiker die junge Flötistin Ronja Macholdt in ihr Programm eingebunden. Das Jubiläumskonzert könnte ihr Karrieresprungbrett sein. Zur Orchesterprobe ließen die Musiker ihre Erinnerungen Revue passieren.
Flötistin Ronja Macholdt ist zu den Proben mit dem Kammerorchester extra aus Berlin angereist, wo sie inzwischen Querflöte studiert. Foto: Hans Nietner Flötistin Ronja Macholdt ist zu den Proben mit dem Kammerorchester extra aus Berlin angereist, wo sie inzwischen Querflöte studiert.
Kelkheim. 

Einige sind bereits seit der Gründung aktive Musiker des Kelkheimer Kammerorchesters. 1968 von Studiendirektor Heinz Krämer als Vereinigung aktiver Musikliebhaber aus Kelkheim und Umgebung ins Leben gerufen, war es zunächst noch unter dem Mantel der Musikschule tätig. 2005 musizierten sich die Musiker frei und gründeten einen eigenen Verein. Vier erste Geigen, fünf zweite, drei Violen, sechs Celli und ein Kontrabass werden seit 1995 von Dirigentin Natalie Schwarzer geleitet.

Cellistin Imme Moschel-Spohn spielt seit 48 Jahren im Orchester und möchte keine Übungsstunde missen. „Es ist immer schön, wenn wir zusammenkommen. Gerade weil wir schon so lange zusammen sind, verstehen wir uns musikalisch und auch menschlich sehr gut“, sagt sie während der Aufbauarbeiten zur Probe im Feuerwehrhaus Kelkheim-Mitte. Sie sei schon immer begeisterte Musikerin und damals auf der Suche nach musikalischen Herausforderungen gewesen. „Ich war Lehrerin an der Pestalozzi-Schule. Ein Kollege sprach mich an und mich lockte sofort die nette und lockere Atmosphäre.“

Simone Weimar kann dies bestätigen. Ursprünglich lernte sie in ihrer Jugend Flöte und Gitarre, spielte in der Kirchengemeinde. Aus innerem Antrieb „und ohne Zutun meiner Eltern“ wollte sie jedoch mit 16 Jahren auch ein Streichinstrument lernen. Im Alleingang informierte sie sich nach guten Musiklehrern und wurde in Hofheims Musikschule fündig. „Allerdings wurde mir dann anstelle der gewünschten Geige die Bratsche aufgrund meines Alters als Instrument empfohlen.“

Vertrauen bereichert

Sie erinnert sich noch an die sanften Töne, die „die Lehrerin dem Instrument in ihrem Wohnzimmer entlockte und ich war hin und weg!“. Mit achtzehn Jahren war ihr Können so weit gediehen, dass sie sich bei Heinz Krämer bewarb.

Vorspielen musste sie nicht. Der Orchester-Gründer vertraute ihr und ihrem Talent. Das imponierte. Heute ist Simone Weimar die erste Vorsitzende des Vereins und kümmert sich gemeinsam mit Dirigentin Natalie Schwarzer und Konzertmeister Keyvan Fathali um die Programmplanung. „Dass keiner bei uns vorspielen muss, haben wir beibehalten.“

Musiker verstünden sich auch ohne Vorspiel und müssten mit gegenseitigem Vertrauen zusammenarbeiten. Dies bereichere ein Orchester. Der eine lerne vom anderen, jeder habe seine individuellen Qualitäten, die nur durch Vielfalt gewährleistet werden könnten. „Leider werden uns aus Altersgründen unser langjähriger Kontrabassist und seine Frau, die Cello spielt, verlassen“, sagt Simone Weimar wehmütig. Man freue sich daher, wenn die geringen Eintrittshürden neue, gerne auch junge Kontrabassisten anziehen.

Es fehlt Rückhalt

Dem Gedanken der Förderung junger Musiker fühlt sich der Verein ohnehin verpflichtet. Seit einigen Jahren lädt Dirigentin Natalie Schwarzer, die an der Musikhochschule Frankfurt examinierte, sich als Jurorin von „Jugend musiziert“ und „Musik-Talente“ einen Namen machte, regelmäßig erfolgversprechende Künstler zum gemeinsamen Musizieren nach Kelkheim ein.

Dieses Jahr ist es Flötistin Ronja Macholdt, die seit ihrem 7. Lebensjahr mit der Flöte zahlreiche Preise erspielte und seit letztem Wintersemester Querflöte an der Universität der Künste in Berlin studiert. Eigens aus Berlin zur Orchesterprobe angereist, weiß Macholdt um den Ruf des Kelkheimer Orchesters, das als einziges „Hobby-Orchester kontinuierlich vom ersten Tag an existiert“. „Wir haben schon einigen Musikern ein Sprungbrett geboten“, bestätigt Simone Weimar.

Neben dem einmal jährlich organisierten Kammerkonzert im Frühling engagiere sich das Orchester seit vielen Jahren auch bei der Veranstaltung „Tag des Liedes“ oder umrahme die festliche Stunde auf dem Friedhof in Kelkheim Mitte zum Volkstrauertag. Traurig sind Vorsitzende Weimar und ihre Musikerkollegen, dass Vereine nicht mehr den finanziellen Rückhalt der Stadt erfahren, „wie es einst mal üblich war“. Vereine wie das Kammerorchester wollten die Kultur erhalten, demonstrierten Freude an klassischer Musik und dem gemeinsamen Musizieren. „Viele Familien mit kleinen Kindern besuchen unsere Konzerte“, deshalb müsse der kulturellen Wert solcher Veranstaltungen gepflegt werden. Bis vor zwei Jahren habe das Orchester noch mit einem Jahreszuschuss von 2000 Euro rechnen können. „Jetzt sind es nur noch 150 Euro im Jahr. Das ist nicht viel!“

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