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Naturschutz: Star: Ein intelligenter Zeitgenosse

Starenweibchen, die ein Ei nicht ausbrüten können oder wollen, legen es in das Nest einer anderen Artgenossin. Die hat damit kein Problem, brütet das Ei mit aus und zieht den Jungvogel groß. Der Naturschutzbund Bad Soden widmet dem Vogel des Jahres, dessen Bestand seit Jahren rückläufig ist, eine Ausstellung.
Ein hübscher Kerl: Der Star ist der Vogel des Jahres 2018.   Bildrechte: Fotolia Ein hübscher Kerl: Der Star ist der Vogel des Jahres 2018. Bildrechte: Fotolia
Bad Soden. 

Für den Naturschutzbund (Nabu) ist der Star der Vogel des Jahres 2018. Häufig als Alltagsvogel abgestempelt, ist er bei genauerem Hinsehen eine wahre Attraktion. Nicht nur die Erfindung der Babyklappe könnte dem Schwarmvogel mit den langen Handflügeln zugeordnet werden. Auch auf dem Gebiet der Homöopathie ist der Vogel bewandert, kennt Kräuter, mit denen man während der Brutzeit fit bleibt. Es lohnt sich also, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Star kommt fast überall vor, in Dörfern genauso wie in Städten. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht. „Der Starenbestand nimmt kontinuierlich ab“, weiß Dieter Neumann, stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Ortsverbands. Er beschäftigt sich alljährlich ab Oktober mit dem Vogel des Jahres und widmet ihm dann ab Januar eine Ausstellung im Wasserturm an der Niederhofheimer Straße.

Dieses Jahr hat er sich in die Lebensgepflogenheiten der Stare und deren Entwicklung eingelesen. „Als ich wusste, dass für 2018 der Star gekürt wird, habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht“, erzählt der passionierte Hobby-Vogelkundler. Im Herbst begann er, Plakate zu erstellen und in den Druck zu geben, bastelte Brutstätten nach und erstellte eine Ausstellung im Exponate-Raum in luftiger Höhe der achteckigen Turmstube mit Ausblick auf die Frankfurter Skyline und die Taunusberge. Der Sachkenntnis Neumanns ist auch der gute Zulauf zu den Ausstellungen zu verdanken, weiß er doch viele Details und zu jeder Frage die richtige Antwort.

Für die Enkel

„Wissen Sie, ich denke da weniger an mich. Ich bin fast 88 Jahre. Aber die nachfolgenden Generationen und meine Enkelkinder sollen doch auch noch Freude an der Natur haben“, so Neumann. Daher müsse man im Einklang mit der Natur leben, nicht gegen sie. „Ich mache da den Bauern keine Vorwürfe. Es ist vielmehr die Politik, die versagt“, gibt der Vogelexperte zu. Sie fördere die vielen Monokulturen sowie den Pestizid- und Insektizid-Einsatz der Bauern auf den Feldern.

„Da geht es den Staren und allen Vögeln wie den Bienen“, weiß er. Sterben würde der Star zwar nicht durch die giftigen Substanzen, aber die Insekten, die er zur Nahrungsaufnahme benötigt. „Haben Sie bemerkt, dass man heute bei langen Autofahrten gar keine Hundertschaften mehr an Insekten auf der Windschutzscheibe kleben hat?“, fragt Neumann. „Stimmt“, denkt man und hat das vorher gar nicht bemerkt. Dies sei der hohen Insektensterblichkeit und dem Rückgang der Artenvielfalt geschuldet.

Ein schöner Gesang

In den vergangenen 20 Jahren hätte man, so Neumann, fast 2,6 Millionen Brutpaare verloren, weil die Tiere kein Futter mehr fänden. Dabei sei der Star ein intelligenter, schützenswerter Zeitgenosse, der dem Menschen viel Freude bereite und interessante Geheimnisse offenbare. „Der Star kann sehr gut singen und unterhält die Menschen mit seinem Gesang“, weiß Neumann. Außerdem imitiere er Stimmen und Laute, die er aufnähme. Zur Brutzeit färbt sich die Schnabelspitze der Weibchen rot. Erinnert Sie das an etwas? Frauen schminken sich ihre Lippen auch – natürlich rot! Die Männchen umsorgen die Weibchen besonders während der Brutzeit. „Sie bringen Pflanzen mit ätherischen Ölen, wie beispielsweise Salbei ins Nest. Damit vertreiben sie Parasiten und sorgen für die Gesundheit von Mutter und Neugeborenen“. Obwohl der Star aufgrund seiner langen Handflügel ein sehr guter Flieger ist, fliegt er längere Strecken im Team. Dies macht ihn für Raubvögel unattraktiv. Die Forderung des Nabu, den Star durch praktischen Naturschutz und artgerechte Lebensraumgestaltung zu unterstützen, helfen, dass der „Allerweltsvogel“ nicht zur bedrohten Art wird.

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