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Tödlicher Unfall löst Diskussion aus: Tragisches Unglück im Baggersee: „Die Leute sind unbelehrbar“

Von Können Schilder die Menschen von ihrem Vorhaben abbringen, im Hochsommer in einem gefährlichen Gewässer zu baden? Darüber und über die Zustände an dem See gibt es nach dem Todesfall am Mittwoch unterschiedliche Meinungsäußerungen.
Dieses Schild weist am Okrifteler Baggersee auf das Badeverbot hin. Bilder > Foto: Hans Nietner Dieses Schild weist am Okrifteler Baggersee auf das Badeverbot hin.
Okriftel. 

„Wo geht’s denn zum Badesee?“ Diese Frage habe sie schon häufiger gestellt bekommen, berichtet Elisabeth Tuma dem Kreisblatt. Die Vorsitzende des Angelsportvereins Hattersheim antwortet in solchen Fällen immer dasselbe: „Es gibt hier keinen Badesee“, erkläre sie den Fragestellern dann. Der Okrifteler See ist das Vereinsgewässer der Angler. Doch Elisabeth Tuma sorgt sich nicht nur um den ungestörten Fischfang. Die Chefin möchte solche dramatischen Szenen verhindern, wie sie sich am Mittwochnachmittag abspielten, als ein 32 Jahre alter Asylbewerber im See ertrank. Es ist bereits der zweite Todesfall in den vergangenen vier Jahren.

Elisabeth Tuma gehörte gestern zu den gefragten Gesprächspartnern der Medien. Ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks war an Ort und Stelle und interviewte die Vorsitzende am Ufer. Auf solchen Rummel kann die Petri-Jüngerin, die eigentlich das Angelfest am Wochenende vorbereiten wollte, sehr gut verzichten. Elisabeth Tuma weiß aber auch, dass sie nicht mehr tun kann, als die Badegäste auf die Gefahren hinzuweisen. Im See gibt es kalte Strömungen, die Krämpfe auslösen können und Menschen nach unten ziehen. Wenn sie Leute im Wasser sehe, rufe sie und spreche die Schwimmer auf das Badeverbot an, so die Okriftelerin. Darauf hören tue aber so gut wie niemand. Stattdessen bekomme sie Rechtfertigungen von den Schwimmern zu hören – etwa, dass diese schon seit 30 Jahren in dem Gewässer baden und nie was passiert sei. Sie habe schon auf Deutsch, Englisch und Französisch versucht, die Menschen vor den Gefahren in dem Gewässer zu warnen – jedoch ohne Erfolg. „Die Leute sind unbelehrbar“, stellt die Chefin der Angler fest.

Info: Gefährliches Gewässer

Das Unglück vom Mittwoch war nicht der erste Fall, bei dem ein Schwimmer ums Leben kam, weil er anscheinend die Gefahren des Okrifteler Baggersees unterschätzte: Im Juli des Jahres 2012 ertrank ein

clearing

Elisabeth Tumas Einschätzung wurde am Mittwoch schon kurz nach dem Rettungsversuch durch eine Taucherstaffel bestätigt: Kaum hatten die Sanitäter den gegen 16 Uhr verunglückten Flüchtling ins Krankenhaus gebracht, wo er schließlich verstarb, da nahm der Badebetrieb seinen gewohnten Lauf. „Um 18.30 Uhr waren die ersten Schwimmer schon wieder drin“, erzählt die Vorsitzende. Auch nach den Todesfällen der vergangenen Jahre habe sich nie etwas geändert. Elisabeth Tuma ist skeptisch, dass eine bessere Beschilderung die Situation entschärfen würde: „Wir haben hier doch schon einen Schilderwald“, sagt die Okriftelerin. Das interessiere allerdings niemanden. Schilder, die den See als Vereinsgewässer ausweisen, seien in der Vergangenheit sogar herausgerissen worden. Das einzige, was helfe, seien häufigere Kontrollen durch die Polizei, meint die Vorsitzende. Die Beamten müssten verstärkt an Wochenenden nach dem Rechten sehen und direkt Geldstrafen verhängen, meint Elisabeth Tuma.

Bei dem Mann, der am Mittwoch im See unterging und später bewusstlos geborgen wurde, handelte es sich um einen Asylbewerber aus Algerien, der seit Dezember 2015 im Main-Taunus-Kreis gemeldet ist. Er lebte in der Flüchtlingsunterkunft an der Voltastraße.

Rathaussprecher Stefan Käck teilte dem Kreisblatt gestern mit, dass der Baggersee aus Sicht der Stadt ausreichend beschildert sei. Der Nutzen von Hinweisschildern hänge jedoch immer auch davon ab, inwieweit sich Menschen darüber hinwegsetzen. Die Hinweisschilder am See existieren bisher nur in deutscher Sprache. Zur Frage, ob in unterschiedlichen Sprachen gewarnt werden muss, erklärte Käck, dass Hattersheim eine multikulturelle Stadt sei, die ihre Schilder nicht in 20 oder mehr Sprachen übersetzen könne. Die Stadt habe aber bereits auf das Unglück reagiert und Tafeln mit visuellen Hinweisen in Auftrag gegeben. Laut Käck sollen nun an mehreren Stellen am Ufer des Okrifteler Sees neue Schilder mit Symbolen aufgestellt werden, die für alle Nationalitäten verständlich sind.

Kreishaussprecher Johannes Latsch, erläuterte dem Kreisblatt auf Nachfrage, dass im „Willkommenspaket“ des Kreises für Flüchtlinge zwar keine Warnung vor Seen enthalten sei. Von Sozialarbeitern werde die Gefahr jedoch ausdrücklich angesprochen. Ein Mitarbeiter habe die Flüchtlinge in der Voltastraße auch schon konkret gewarnt, dass im Okrifteler See nicht geschwommen werden dürfe. Außerdem erhalte jeder Flüchtling mit dem „Willkommenspaket“ den Link zu einer App, die es ermögliche Schilder und andere Texte zu übersetzen.

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