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Neuenhainer Galerie: Wie ein Nordkoreaner dem Regime mit Kunst die Stirn bietet

Song Byeok stellt bis Ende Februar in einer Neuenhainer Galerie aus. 2002 gelang ihm die Flucht aus Nordkorea.
„Sehnsucht nach Leben“ – das ist der Titel der Ausstellung des nordkoreanischen Künstlers Song Byeok. Foto: Maik Reuß „Sehnsucht nach Leben“ – das ist der Titel der Ausstellung des nordkoreanischen Künstlers Song Byeok.
Neuenhain. 

Aktuell schaut die ganze Welt auf Südkorea. Zum einen richtet die Nation zurzeit die Olympischen Winterspiele aus, zum anderen gab es zuletzt nach mehr als zwei Jahren wieder Annäherungen zwischen Süd- und Nordkorea. Nicht wenige hegen die Hoffnung, dass die Gespräche zwischen den verfeindeten Nachbarn möglicherweise der Beginn dauerhaften Friedens oder gar einer Wiedervereinigung sein könnten.

Song Byeok ist da allerdings zurückhaltend. Der Künstler, der am Samstag seine Ausstellung „Sehnsucht nach Leben“ in der Je Rang Kunstgalerie in Neuenhain eröffnete, flüchtete 2002 aus dem diktatorisch regierten Staat. Der Weg dahin war für Byeok geprägt von Leid und Verlust. Die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang sei „ein gutes Zeichen“, sagt Byeok, doch gleichzeitig habe er „große Bedenken“. Zu undurchsichtig seien die Absichten des Staatsoberhauptes Kim Jong-Un.

Einen Finger verloren

Die Zweifel des Malers sind verständlich, schließlich erlebte er die Schrecken der Diktatur am eigenen Leib. Bei dem Versuch, dringend benötigte Lebensmittel aus China zu besorgen, fiel sein Vater der reißenden Strömung eines Flusses nahe der Grenze zum Opfer. Byeok kam mit dem Leben davon, um kurz darauf von nordkoreanischen Soldaten aufgegriffen und anschließend ins Gefängnis gesteckt zu werden. Während seiner Haft verletzte sich der Künstler am Zeigefinger seiner rechten Hand. Die Amputation wurde ohne Betäubung vorgenommen.

Nach seiner gelungenen Flucht 2002 fand er in Südkorea Zuflucht und erlebte erstmals, was Freiheit bedeutet. Auf die Frage, ob es in seiner Heimat für einen Kunstschaffenden möglich sei, von seinem Handwerk zu leben, winkt er mit einer energischen Geste ab. Es gäbe zwar eine Gruppierung sogenannter kreativer Künstler, doch diese stünde zu hundert Prozent im Dienste der Regierung. Auch Byeok selbst fertigte mehrere Jahre lang Arbeiten zu Propaganda-Zwecken an und kennt daher die strikte Liste dessen, was einem Künstler erlaubt ist und was nicht. Mit seinen heutigen Werken möchte er vor allem eins: Aufmerksamkeit schaffen für die teils desaströsen Lebensbedingungen in Nordkorea. Besonders die Lebensmittelknappheit prägte seine Jugend. Häufig habe es nicht einmal eine Handvoll Reis oder Mehl gegeben, der Hunger war für ihn wie viele andere ein ständiger Begleiter. Während der großen Hungersnot in den 1990ern musste Byeok miterleben, wie seine Mutter und eine seiner jüngeren Schwestern der Unterversorgung erlagen. Als der Frankfurter Hubertus Väth in einem US-Magazin von Byeoks Geschichte erfuhr, lud er ihn spontan anlässlich der 25-Jahrfeier zur Wiedervereinigung Deutschlands in die Mainmetropole.

Zum zweiten Mal hier

Dort wiederum wurde Yohng-Sang Kim, der für diese Zeitung dolmetschte, auf seinen Landsmann aufmerksam und lud ihn für eine weitere Ausstellung nach Bad Soden ein. Nun, zwei Jahre später, kehrt Song Byeok ein weiteres Mal ein in die kleine Je Rang Galerie am Bürgerhaus. Bis zum 24. Februar können dort seine Werke, die mit satirischem Ton dem Kim Regime die Stirn bieten, betrachtet sowie erstanden werden.

Öffnungszeiten

Geöffnet ist die Ausstellung in der Neuenhainer Galerie dienstags, mittwochs, freitags und samstags von 10 bis 13 Uhr sowie montags bis samstags von 16 bis 19 Uhr.

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