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Discdogging fordert Ausdauer und Köpfchen der Tiere: Akrobatische Sprünge für Hund und Herrchen

Die Frisbee fliegt durch die Luft, der Hund fängt sie mit gewagten Sprüngen: So etwa funktioniert „Discdogging“ und bringt Vierbeinern und Besitzern eine Menge Spaß. Am kommenden Wochenende zeigen Mensch und Tier in Rüsselsheim beim „Milka Remember Cup“ an der Festung ihr Können.
Rüsselsheim. 

Gerade eben noch lagen die drei Hunde seelenruhig vor sich hindösend im Schatten. Doch sobald Stephan Ortlepp die Scheiben aus dem Rucksack holt, geht ein Wandel durch die drei Border Collies. Sie setzen sich auf, ihre Augen scheinen zu leuchten und ihre Körperhaltung zeigt aufgeregte Konzentration.

Die Blicke von Sheba, Smacks und Asics fixieren die Scheiben in den Händen ihres Menschen. „Wann geht’s los?“, scheinen sie zu fragen und folgen mit hochgezogenen Lefzen, die an ein Grinsen erinnern, ihrem Besitzer auf die Wiese vor der Rüsselsheimer Festung, um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: dem Fangen von Frisbees. „Wir sind kein Verein. Nur ein Haufen Gleichbekloppter, die das Discdogging lieben“, erklärt Stephan Ortlepp, der gemeinsam mit seiner Frau Judith Brinkkötter die Gruppe gegründet hat.

Der „Milka Remember Cup“, der bereits zum vierten Mal ausgerichtet wird, ist nach der Hündin Milka benannt, die sich beim Rumtoben so stark verletzte, dass sie eingeschläfert werden musste. „Das war unser Seelenhund“, umschreibt Ortlepp das ganz besondere Verhältnis zwischen Mensch und Hündin. Der Sport, bei dem eine Frisbeescheibe geworfen oder gerollt wird, so dass der Hund sie fängt und apportiert, kann grundsätzlich mit jeder Hunderasse ausgeübt werden. Vielleicht nicht mit einem Mops, schränkt Ortlepp ein, da die Rasse eine zu platte Nase hat und die Scheibe daher nicht gut fangen kann. Lauf-, Jagd- und Hütehunde sind die idealen Partner für den Sport. Das hängt damit zusammen, dass sie nicht nur Auslauf, sondern besonders Kopfarbeit brauchen. Ein Discdogger-Hund ist kein typischer Familienhund, der auf dem Sofa liegt. Mit einer Frisbee werden die Hunde wirklich gefordert, da jeder Wurf anders ist.

 

Sport stammt aus den USA

 

Als Ortlepp 2005 mit dem Sport – der aus den USA kommt – anfing, ging es ihm darum, etwas abseits typischer Breitensportarten zu finden. „Ich wollte den Hund und mich sportlich auslasten.“ Zum Interview hat er drei seiner acht Hunde mitgebracht. Der Jungspund mit gerade einmal 14 Monaten heißt Asics und muss noch lernen, seine Ungeduld zu zügeln. Smacks mit dem graumelierten Fell ist acht Jahre alt und die elfjährige Sheba wird ob ihres schon recht hohen Alters von allen Oma genannt. Sie zeigt ein wenig Altersstarrsinn, erklärt Ortlepp mit zärtlichem Blick in ihre Richtung. Aber zum alten Eisen gehöre sie noch lange nicht. Einfach nur zuschauen funktioniert bei ihr nicht. Ruhestand bedeutet für die Tiere eine Turnierteilnahme unter Berücksichtigung ihres fortgeschrittenen Alters. Und Oma ist im Sport auch noch aktiv. „So lange sie keine Schmerzen beim Sport hat, spielt sie aktiv auf Turnieren.“

 

Viel Arbeit für den Menschen

 

Mit 18 Monaten kommt ein Hund in die sogenannte „Profi-Klasse“. Vorher gibt es nur leichtes Training, da die Knochen der Tiere noch nicht ausgewachsen sind. Aber der Kontakt mit der Frisbeescheibe wird von Anfang an gepflegt. Bei Frisbee denkt man immer, sie werde geworfen, was aber so nicht stimme. Sie kann auch gerollt werden, um den Jagdtrieb zu wecken. Später wird dann mit gehaltenen Scheiben trainiert. Da lernen die Hunde, in die Scheiben zu beißen und diese fest zu halten, das Apportieren und vieles mehr.

All das klingt interessant aber auch nach viel Arbeit. „Für Hunde ist es Spielen, für Menschen ist es Arbeit“, bestätigt Ortlepp. Und was muss der Mensch so alles beherrschen, um ein erfolgreicher Discdogger zu werden? „Wurftalent muss er haben, eine gewisse Athletik besitzen, Kondition und das Wichtigste, er muss Spaß haben.“ Denn auch der Spaßfaktor wird beim Regelwerk mitbewertet. Trainiert werden müssen die verschiedenen Würfe des Frisbee-Sports.

Es gibt kein Mindestalter für die Ausübung des Sports. Zumindest nicht für den Menschen des Teams aus Vier- und Zweibeiner. Da würden schon Drei- oder Vierjährige mitmachen. Gut bei der Sache sei, dass die Kinder gemeinsam mit dem Hund aufwachsen, da das eine geniale Prägephase sei. Das ließe sich später an der Art, wie Hund und Mensch miteinander umgehen, gut erkennen.

Die Rüsselsheimer Gruppe „Disckillaz“, die englische und nicht ganz ernst gemeinte Slangvariante von „Scheibentöter“, fanden sich vor rund fünf Jahren zusammen und sind, so nennt es Ortlepp „acht Verrückte“, die den Sport lieben. Border Collies und ein Australian Shepherd gehören zur tierischen Seite der Truppe. Die „Dunkelziffer“ von Hundehaltern, die Discdogging im Garten oder beim Gassi gehen ausüben sei groß, ist Ortlepp überzeugt.

Das Programm des Turniers

Freitag, 2. September: 11 bis 14 Uhr: Wurfseminar für Menschen 16 Uhr: Start der Spiele mit „Wheels of Fortune“

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Für das Turnier vom 2. bis 4. September haben sich bereits 60 Teams angemeldet. Einige kommen auch aus dem Ausland angereist. Ortlepp hofft, dass auch die parallel stattfindenden Mainland Games,viel Publikum herbei locken. Der Eintritt ist frei. Besondere Highlights des Turniers werden am Samstag gegen 12.30 Uhr ein Freestyle-Spiel und am Sonntag um 13 Uhr das „Quadropad“, eine weitere Spielart, sein.

Trotz großer Hitze zeigen Ortlepp und seine Hunde nach dem Interview noch einige Spezialwürfe. Beim Menschen läuft der Schweiß, der Hund hechelt. Doch die Bewegungen des Duos wirken wie ein harmonischer Tanz. Da zeigt ein eingespieltes Team bester Freunde, was sie drauf haben. Am kommenden Wochenende wird es mehr davon am Mainufer in Höhe des Pumpwerks zu sehen geben.

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