Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Worauf Eltern achten sollten: Doppelt hält besser gilt auch bei der Sprache

Zweisprachig aufwachsende Kinder haben einen Vorteil. Sprachen können im späteren Alltag und Beruf wichtig sein. Auf was Eltern bei der bilingualen Erziehung achten müssen, erklärt Sibylle Grigat von der Stadtverwaltung heute Abend bei einem Vortrag im Bürgersaal. Das Echo hat vorab mit ihr gesprochen.
Sibylle Grigat, hier im Waldkindergarten, wirbt für zweisprachige Erziehung. Foto: Rüdiger Koslowski Sibylle Grigat, hier im Waldkindergarten, wirbt für zweisprachige Erziehung.
Raunheim. 

Die meisten Kinder lernen eine zweite Sprache erst in der Schule. Mitunter bieten Grundschulen bereits Englisch an. An der weiterführenden Schule geht es dann richtig los. Erst Englisch, dann später im Wahlpflichtbereich eine zweite oder vielleicht noch eine dritte Fremdsprache. Manche Kinder haben aber auch das Glück, Eltern verschiedener Nationalitäten zu haben. Diese Kinder wachsen von vorneherein zweisprachig auf.

Gut, aber anstrengend

Die zweisprachige Erziehung ist eine Herausforderung, meint Sibylle Grigat. Sie ist bei der Stadtverwaltung die Koordinatorin der sprachlichen Bildung an den Kindertagesstätten. Aber sie macht Hoffnung. „Vier Wochen dauert es in der Regel, bis etwas zur Normalität wird“, sagt sie. Soll heißen, wenn die Familien bewusst mit dem Ungewohnten umgehen, wird es innerhalb eines Monats zur Regel.

In ihrem eigenen Freundeskreis erziehen zwei Elternpaare ihre Kinder zweisprachig. Deren Rückmeldung: Das funktioniert gut, ist aber auch anstrengend. „Zweisprachig aufzuwachsen zu sein, ist ein großer Vorteil, das ist ein enormer Schatz“, betont Grigat. Deshalb wirbt sie bei den Paaren mit verschiedenen nationalen Wurzeln, ihre Kinder zweisprachig zu erziehen.

Wichtig ist Grigat, dass die Elternteile in der für sie jeweils starken Sprache bleiben. In welcher Sprache träume ich, in welcher Sprache lese und singe ich etwa, kann die Frage nach der starken Sprache beantworten.

Wenn die Mutter beispielsweise Deutsche und der Vater Marokkaner ist, dann sollten beide Eltern idealerweise in ihrer Muttersprache mit dem Kind sprechen. „Dann lernt das Kind beide Sprachen“, erklärt Grigat. Es bringt also nicht viel, wenn der marokkanische Vater mit vielleicht wenigen Deutschkenntnissen mit seinem Kind Deutsch spricht und die Mutter mit etwa rudimentärem marokkanischen Wortschatz Marokkanisch spricht.

Grigat rät davon ab, zu Hause auf die deutsche Sprache zu verzichten und später auf den Kindergarten zu hoffen. Wenn zu Hause beispielsweise nur in der Fremdsprache gesprochen wird, weil der deutsche Partner sie beherrscht, geht die deutsche Sprache verloren. „Die Kinder kommen dann in den Kindergarten und können kein Wort Deutsch, das erleben wir oft“, sagt die Pädagogin.

Bei gemeinsamen Unterhaltungen der Eltern mit dem Kind sollten sich die Paare für die Sprache entscheiden, in der sie sich gut verstehen. „Sie sollten die stärkste gemeinsame Sprache wählen“, rät Grigat. Optimal sei die deutsche Sprache.

Mix vermeiden

Eine zusätzliche dritte Sprache, wie beispielsweise Englisch, wäre eine große Herausforderung. Auf eine Mischung aus beiden Sprachen sollten die Familien verzichten, weil sonst die Grammatik nicht gut gelernt wird. Auch wenn zweisprachig aufwachsende Kinder selbst oft beide Sprachen in ihren Sätzen anwenden.

Eltern sollten direkt nach der Geburt das Baby in ihrer jeweiligen Sprache in Alltagssituationen ansprechen, ihm zum Beispiel erzählen, dass sie ihm die Windel anziehen. „Je früher die Eltern das Kind ansprechen, desto besser kann es sprechen lernen“, weiß Grigat. Kinder können die Sprache schon im Bauch der Mutter wahrnehmen. „Kinder, die von Anfang an zwei Sprachen hören, erleben beide als ihre Muttersprache“, sagt Grigat. Nach dem ersten Lebensjahr empfinden die Kinder die zweite Sprache als fremd klingend, sie nehmen sie nicht mehr als ihre Muttersprache wahr.

 

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse