E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Bestatter: Grabgestaltung: Protzig ist nicht gleich protzig

Das Leben ist endlich. Und doch fällt es Hinterbliebenen oft schwer, zu akzeptierten, wenn ein lieb gewonnener Angehöriger verstorben ist. Die Gestaltung des Grabes und die Bestattungsform sind Teil des Abschiednehmens. Steinmetz Ralf Müller-Triffterer erzählt von seinen Erfahrungen.
Steinmetz Ralf Müller-Triffterer hilft seinen Kunden bei der Auswahl mit der Grabsteinausstellung im Hof. Bilder > Steinmetz Ralf Müller-Triffterer hilft seinen Kunden bei der Auswahl mit der Grabsteinausstellung im Hof.
RAUNHEIM. 

Der ältere Herr blättert in einem Katalog. Er wirkt unentschlossen, hat selbst keine eigenen Ideen mitgebracht. Er möchte einen Angehörigen bestatten und befindet sich vielleicht noch in tiefer Trauer. Dennoch, ein paar Grundvorstellungen benötigt Ralf Müller-Triffterer schon, um ein Grabmal herzustellen.

Soll es ein Erd- oder ein Urnengrab, ein Familien- oder ein Einzelgrab sein? Das sind grundsätzliche Angaben, die der Steinmetz braucht, um seine Kunden angemessen bedienen zu können. Also muss der ältere Herr zu Hause einfach noch mal in sich gehen.

Sehr persönlich

Die Beratung über die Art der Bestattung und die Gestaltung eines Grabes ist eine sehr persönliche Angelegenheit, unterstreicht Müller-Triffterer. Bei den Gesprächen muss er ein Vertrauensverhältnis mit den Hinterbliebenen aufbauen.

Manche Angehörige gestalten das Erdgrab erst Monate nach der Beerdigung. Sie sind über den ersten großen Schmerz hinweg, ihnen fällt das Gespräch leichter. Bei einer Urnenbestattung muss die Entscheidung allerdings in sieben bis zehn Tagen gefallen sein. „Die Hinterbliebenen sind noch frisch in der Trauer. Das ist manchmal nicht einfach“, berichtet der Steinmetz von seinen Erfahrungen. Ihnen muss er manchmal ein Taschentuch oder ein Glas Wasser reichen.

Mit der Beratung beruhigen sich die Angehörigen häufig. Einige sitzen zwei Stunden am Tisch und wälzen die Kataloge. Abgesehen von den vielen Katalogen sind bei Müller-Triffterer im Hof reichlich Beispiele zu finden, mit welchen Steinen es möglich ist, Gräber zu dekorieren. In einem Meer von Grabsteinen können sich Angehörige Vorstellungen machen und Ideen sammeln.

Die Gestaltung der Gräber unterliege durchaus der Mode und Trends. Das fange schon bei der Art der Bestattung an. „Der Anteil der Feuerbestattung hat zugenommen“, stellt Müller-Triffterer fest. Die Pflege für die Erdgräber mit Sarg sei den Angehörigen zu aufwendig, hört er häufig. Ihr Anteil werde auf den Friedhöfen immer weniger.

Granit statt Marmor

Ob Urnengräber oder Erdgräber mit Sarg, ein schöner Grabstein erzeuge eine tolle Wirkung, ist der Steinmetz überzeugt. Der 57-Jährige weiß, über was er spricht, machte sich der Steinmetz und Steinbildhauermeister doch schon vor 29 Jahren selbständig und verdient seine Brötchen bereits seit 1975 in diesem Beruf.

Bis in die 70er-Jahre hinein waren Marmorsteine sehr beliebt. Wegen ihrer weichen Politur sind sie allerdings sehr schmutzanfällig. Deshalb wird seither der härtere Granitstein bevorzugt, der sich besser pflegen lässt.

Das Farbspektrum ist breit. Temporär werden bestimmte Farben bevorzugt. Rötliche Steine waren mal eine Zeit beliebt, wurden inzwischen von grau-blauen Farbtönen abgelöst. Die Farbe präge sich bei den Kunden unbewusst ein, wenn sie über einen Friedhof gehen, sagt Müller-Triffterer. Mit diesen Eindrücken suchen sie den Steinmetz auf.

Geprotzt wird mit und auf den Grabsteinen übrigens eher selten, meint Müller-Triffterer. „Protzig wäre eine Goldschrift. Das hat man in den 70er-Jahren gemacht“, sagt er. Ihm bereitet der Begriff ein wenig Probleme. Er bringt protzig nicht unbedingt mit teuer, sondern vielmehr mit überdimensioniert in Verbindung.

Außergewöhnliche Grabsteine mit speziellen Formen und einer schönen Ornamentik sind deshalb für ihn nicht protzig. Er nennt ein Beispiel. Erst kürzlich arbeitete er für eine Hinterbliebene das Matterhorn aus einem Grabstein heraus. Ihr verstorbener Mann verbrachte seinen Urlaub gerne in Zermatt am Fuße des Berges. „Das ist Bildhauerarbeit, das gibt es nicht von der Stange“, betont Ralf Müller Triffterer.

Das Tagesgeschäft wird jedoch von den einfachen Grabsteinen bestimmt. Kunden mit eigenen, ausgefallenen Vorstellungen habe er nicht so häufig, aber immer wieder.

Die passenden Schriftzüge sind das Tüpfelchen auf einem Grabstein. Der Anteil der eingemeißelten Schriften hält sich mit den aufgesetzten Schriftzügen jedoch die Waage, erzählt der Steinmetz.

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse