Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Neu-Isenburg 8°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Vandalen legen Gummibären-Spur: Kinder verwüsten Turnhalle in der Königstädter Grundschule

Sechs Kinder verursachten durch Einbruch und Vandalismus in der Turnhalle der Grundschule Königstädten einen Schaden in voraussichtlich fünfstelliger Höhe. Auch in der Gerhart-Hauptmann-Schule wurde auf ähnliche Weise eingebrochen.
Löschpulver und Gummi-Naschwerk – so haben die sehr jungen Vandalen die Halle an der Grundschule hinterlassen. Foto: Stella Lorenz Löschpulver und Gummi-Naschwerk – so haben die sehr jungen Vandalen die Halle an der Grundschule hinterlassen.
Rüsselsheim. 

Weißes, feines Pulver hat sich über den Boden gelegt, vereinzelt findet man Süßigkeiten auf dem Boden. Was sich anhört wie eine Winterwald-Szene aus „Hänsel und Gretel“ ist die wenig märchenhafte Realität in der Turnhalle der Grundschule Königstädten. Sechs Kinder sind dort am Donnerstagmorgen eingebrochen, räumten Schränke aus, kaperten die Feuerlöscher und überzuckerten Turngeräte mit dem Löschstaub.

Jürgen Schneider, Hausmeister der Otto-Hahn-Schule in Bauschheim, hatte Vertretungsdienst für die Königstädter Schulen und entdeckte den Schaden frühmorgens bei seiner Routine-Kontrolle. „Das sah schlimm aus“, sagt Schneider. „Die Oberlichter waren eingeworfen, das Loch ist nur gut 40 Zentimeter im Durchmesser.“ Ein Erwachsener würde da kaum durchpassen. „Unter dem Einstieg befand sich ein Schrank, darüber kamen die Einbrecher noch besser in die Halle.“

Die Oberlichter sind eingeschlagen worden.

Dort bot sich Schneider dann ein Anblick, wie man ihn nicht alle Tage als Hausmeister sieht. „Die hatten Tischtennisplatten aufgestellt, sind Trampolin gesprungen, alles inmitten des Staubs“, sagt er, immer noch ein bisschen ungläubig über diesen improvisierten Abenteuerspielplatz.

Aus Spaß wird Ernst

Provisorisch habe er den Zugang abgedichtet und sei, nachdem die Polizei die Spuren gesichert hatte, zur nächsten Station seiner Route aufgebrochen – der Gerhart-Hauptmann-Schule zwei Straße weiter. „Ich habe noch spaßeshalber zur Kripo-Beamtin gesagt, sie könne mir bestimmt direkt hinterherfahren, wer weiß, was uns da erwartet.“ Was im Scherz gemeint war, entpuppte sich direkt als ernste Angelegenheit. Fünf Oberlichter über den Umkleiden der Sporthalle waren eingeschlagen, außerdem weitere Fenster mit Steinen eingeworfen worden.

Dass die Oberlichter sich gut zweieinhalb Meter über dem Boden befinden, hinderte die Vandalen daran, in die Schule einzusteigen. Verständnislos zeigt sich GHS-Hausmeister Dieter Koch, der seinen Urlaub unterbricht, um den Schaden „seiner“ Schule zu sichten. Er und Jürgen Schneider sind Hausmeister mit Leib und Seele, jede aufgeschlossene Tür wird direkt wieder verschlossen. Über die Zerstörungswut und die Gelenkigkeit der Eindringlinge können sie nur den Kopf schütteln. „Vermutlich sind sie mit der Räuberleiter auf einen flacheren Gebäudeteil gekommen, von dort auf den Umkleiden-Bau gesprungen“, mutmaßt Schneider und zeigt auf die von der Polizei markierte Delle in den Lüftungslamellen aus Metall, die offenbar von einem Schuh stammt. Dass die Geschichte noch nicht vorbei sein soll, ahnt er am Donnerstagvormittag noch nicht.

Der Staub bedeckt den kompletten Hallenboden.

Abends erhält er einen Anruf, er solle erneut an die Grundschule kommen. Als er dort eintrifft, sind die Beamten schon da – und die Täter vom Morgen zurückgekehrt. Sechs Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren, deren Fußabdrücke mit denen im Löschstaub übereinstimmen. Die Kinder gestehen und werden ihren Eltern übergeben. Auch bei der Polizei löste der Fall Verwunderung aus. „So etwas hatte ich persönlich auch noch nicht“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen. Da die Kinder in ihren jungen Jahren noch nicht strafmündig sind, wurden sie von den Beamten in die Obhut ihrer – wahrscheinlich nicht besonders begeisterten – Eltern übergeben. Sie werden sich in den kommenden Wochen wohl noch mit den Folgen der Eskapaden ihrer Schützlinge auseinandersetzen müssen.

Doch auch damit endet die Serie ungewöhnlicher Ereignisse für Jürgen Schneider noch nicht.

Zusammenhänge

Freitagmorgen um kurz vor 7 Uhr klingelt sein Telefon. Die Sekretärin der Gerhart-Hauptmann-Schule hat einen Feuerlöscher auf dem Schulhof gefunden, ein Fenster sei eingeschlagen worden. „Offenbar waren die Eindringlinge in einem der Trakte unterwegs und haben randaliert“, weiß Schneider. Derzeit prüft die Polizei, ob es – angesichts der vielen Parallelen an den Tatorten – zwischen den Fällen einen Zusammenhang gibt. Bislang sei noch nicht sicher festgestellt worden, wann der Schaden an der GHS verursacht wurde.

Was allerdings feststeht, ist, dass ein immenser Schaden angerichtet wurde. „Die Reinigungskräfte säubern die Halle an der Grundschule gründlich, außerdem steht eine Sonderreinigung der Lüftung an – der Staub muss da raus“, sagt Schneider. Die Stadt Rüsselsheim als Schulträger erwartet eine genaue Analyse des Schadens Anfang kommender Woche, Jürgen Schneider schätzt ihn aber schon jetzt auf 40 000 bis 50 000 Euro. Drei Wochen lang wird die Halle gesperrt sein, zum Glück sind Ferien. Vom Sportamt organisierte Tischtennisturniere müssen verlegt werden. „Insgesamt ist das ein Riesenaufwand.“ Er seufzt und begrüßt die Dachdecker, die die Oberlichter an der Gerhard-Hauptmann-Schule reparieren sollen.

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse