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Kreis geht neue Wege: Sitzungen des Kreistags werden im Internet gezeigt

Der Landkreis geht neue Wege, um Menschen zu erreichen: Sitzungen des Kreistages werden nun im Internet übertragen. Die Kamera, die dafür nötig ist, kostet ein kleines Vermögen.
Kamera im Einsatz: Hier spricht gerade Helmut Kinkel. Foto: Matthias Hoffmann Kamera im Einsatz: Hier spricht gerade Helmut Kinkel.
Kreis Groß-Gerau.. 

Tief eingesunken sitzt Mirko Topolnik auf seinem Stuhl. Die Augen immer auf die beiden Bildschirme vor sich gerichtet. Lichter blinken auf, auf dem Schreibtisch vor ihm Kabelsalat. Eine Hand hat der Büttelborner am Handy, im Ohr stecken Kopfhörer.

Rund 20 Sekunden später

Topolnik sitzt für die Firma Unity Realtime Group aus
Mörfelden-Walldorf im Saal des Landratsamtes. Erstmalig überträgt der Landkreis eine Sitzung des Kreistages live im Internet. Allerdings: „Die Übertragung ist ein paar Sekunden verzögert“, erklärt Topolnik.

Der Grund: Die Bilder, die eine hochauflösende Kamera aus rund sechs Metern Entfernung aufnimmt, laufen zunächst auf einem Firmen-Computer ein. Diesen und die ganze übrige Ausrüstung hat der Mitarbeiter mitgebracht. Der PC gibt das Bild in Echtzeit in einer Software wieder. Hier bieten sich dem Techniker zahlreiche Möglichkeiten: „Wir könnten etwa einen Live-Chat einbinden oder Umfragen starten.“

Auf solche Extras verzichtet der Kreis momentan und begnügt sich lediglich mit der Übertragung. Mit etwa 30 Sekunden Verzögerung kommt das Bild auf der Homepage an. Dessen Qualität kontrolliert Topolnik auf einem Laptop-Bildschirm. Einmal steht der Techniker auf und justiert die rund 30 000 Euro teure Kamera neu. Zu viele Köpfe waren im Bild. „Der Fokus soll auf den Rednern liegen“, so Topolnik.

Kurz darauf geht es los. Kreistagsvorsitzender Gerald Kummer begrüßt die Anwesenden und weist auf die Neuerung hin. „Jeder hat das Recht, dass die Kamera bei seinem Redebeitrag abgeschaltet wird“, verspricht der SPD-Mann.

Gegen 14.20 Uhr wird es ernst. Das Mikro, das Topolnik extra am Pult angebracht hat, wird scharf geschaltet. Der erste Abgeordnete, der auf der Homepage des Kreises zu sehen ist, ist Helmut Kinkel (Freie Wähler-Bürgerliste).

Während Kinkel spricht, kommt ein Mann der Kreis-IT zu Topolnik. Beim Browser Firefox laufe alles reibungslos. Beim Internet Explorer gebe es Probleme. Topolnik verweist auf die technischen Eigenheiten des Betreibers Microsoft und sagt: „Da stecken wir nicht drin.“

Unter die Nase reiben

Peter Engemann von der FDP ist der erste Abgeordnete, der die Kamera abgeschaltet haben möchte. Den Grund dafür liefert er möglicherweise selbst: Er erinnert daran, dass die Redebeiträge alle gespeichert würden und – wäre das System bereits vor einigen Jahren eingeführt – er Landrat Thomas Will und dessen SPD-Fraktion alle Redebeiträge nun unter die Nase reiben könnte.

Wie viele Nutzer den Service der Übertragung genutzt haben, lässt sich noch nicht sagen. „Das analysieren wir im Nachhinein“, sagt Topolnik. Um 14.34 Uhr – das ist verbürgt – verfolgen 35 Leute den Stream. Wenn ein Redner ohne Kamera sprechen möchte, lesen die Zuschauer übrigens: „Derzeit findet keine Übertragung statt.“ ias

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