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Tarifstreit: Streik bei Opel in Rüsselsheim

Von Die aktuelle Tarifauseinandersetzung zwischen IG Metall und den Arbeitgebern hat den Rüsselsheimer Autobauer Opel erreicht. Am gestrigen Vormittag streikten mehrere tausend Arbeitnehmer nach einem Aufruf der Gewerkschaft. Im Mittelpunkt der Versammlung vor dem Opel-Haupthaus stand allerdings weniger der Tarifkonflikt, sondern vielmehr die Zukunft des Autobauers.
Rund 6000 Beschäftigte haben heute vor dem Rüsselsheimer Opel-Werk demonstriert. Foto: Robin Göckes Rund 6000 Beschäftigte haben heute vor dem Rüsselsheimer Opel-Werk demonstriert.
Rüsselsheim. 

Rund 6000 Beschäftigte folgten nach Gewerkschaftsangaben am gestrigen Vormittag einem Streikaufruf der IG Metall und versammelten sich vor dem Rüsselsheimer Opelwerk, um für mehr Lohn und die Zukunft des Standorts zu demonstrieren. Und auch, um ein deutliches Zeichen zu setzen: Mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmern wird bei den Gesprächen zwischen Opel und der neuen Konzernmutter PSA aus Frankreich zu rechnen sein.

In den Reden, die während der Streik-Versammlung gehalten wurden, ging es nicht nur um die Forderungen der IG Metall in der derzeitigen Tarifauseinandersetzung, sondern vor allem auch um die Zukunft des Autobauers am Standort Rüsselsheim. „Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht“, lautete das Motto der Streikenden. Der erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, sowie Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug appellierten an die Opelaner, in der Tarifauseinandersetzung sowie angesichts der weiteren Entwicklungen bei Opel zusammenzustehen. „Sechs Prozent mehr sind drin“, sagte Hofmann und rückte zudem angestrebte Veränderungen bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten in den Mittelpunkt seiner Rede. Die IG Metall sei zum Kampf bereit, wenn auf die Arbeitsplätze bei Opel zugegriffen werden solle. Noch arbeiten rund 38 000 Menschen für das Unternehmen, rund die Hälfte davon an den deutschen Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

 

Auch Schäfer-Klug zielte vor allem auf die Zukunft von Opel ab: „Wir sind nicht naiv, aber die Beschäftigten sind an den Fehlentwicklungen in den vergangenen zwanzig Jahren nicht schuld. Die Probleme von Opel sind lösbar.“ Die Sanierung des Unternehmens dürfe aber nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer durchgezogen werden.

Der französische PSA-Konzern hatte den deutschen Autobauer im August vom US-Hersteller General Motors übernommen und einen harten Sanierungskurs angekündigt. Seit Jahresbeginn ist bei Opel Kurzarbeit angesagt. Nach den Worten von Schäfer-Klug verschafft das Luft für „bretterharte“ Detailverhandlungen zur Umstrukturierung der einzelnen Abteilungen, die am Montag begonnen hätten.

Kämpferisch zeigte sich auch auch Yorgun Aggül, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Opel in Rüsselsheim. Er rückte die Situation der jungen Arbeitnehmer des Autobauers in den Mittelpunkt seiner Rede. Und er warnte davor, dass für das Jahr 2018 noch kein einziger Auszubildender eingestellt worden sei. „Wir verhandeln da aber noch. Es gibt eine Vereinbarung, was die Einstellung neuer Auszubildender angeht. Und auf deren Einhaltung werden wir bestehen“, sagte er. Für eine gesicherte Zukunft brauche man qualifizierten Nachwuchs, so Aggül abschließend.

Zu den Beschäftigten sprachen zudem der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie Thorsten Schäfer-Gümbel, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD Hessen. Bouffier versicherte den Opelanern die Solidarität der Landesregierung bei den weiteren Gesprächen über die Zukunft des Autobauers. „Weder Betriebsrat noch Gewerkschaften stehen hier alleine. Wir sind an ihrer Seite. Mitbestimmung ist ein Teil unserer Kultur. Das müssen auch diejenigen in Frankreich verstehen, die vielleicht bisher eine andere Sichtweise haben“, sagte Bouffier. Die Umstrukturierung könne nur gelingen, wenn die Interessen der Beschäftigten fair behandelt würden. Thorsten Schäfer-Gümbel versicherte den Streikenden die Rückendeckung der hessischen Sozialdemokratie: „Wir stehen an eurer Seite!“

Auch der neue Rüsselsheimer Oberbürgermeister Udo Bauch (parteilos) sagte: „Geht es Opel gut, geht es auch Rüsselsheim gut.“ Ihm sei es wichtig, die Verbundenheit der Stadt mit Opel aufzuzeigen.

Die Beschäftigten des Autobauers verbanden mit dem Warnstreik – wie auch Gewerkschaften und Politik – die Chance, ein Signal an die Konzernmutter PSA zu senden. Trotzdem schauen sie aber natürlich auch genau auf die aktuellen Tarifverhandlungen in der Branche. Bernd Ernstberger, seit 1986 bei Opel beschäftigt, hat konkrete Hoffnungen: „Ich hoffe, die pendeln sich bei den Diskussionen am Ende bei 3,8 Prozent ein. Das halte ich für realistisch.“ Derzeit sei die Stimmung im Rüsselsheimer Werk ganz gut. „Klar ist, in der Produktion können keine weiteren Arbeitsplätze abgebaut werden.“ Man fahre da schließlich derzeit ohnehin schon am Limit. „Wir wollen, dass es mit der Firma weitergeht, das ist doch klar!“

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