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Illegal aufgestellte Fallen: Wilderer am Werk

In Rüsselsheim lauern am Wegesrand Schlingfallen aus Kupferdraht, in denen Wildtiere verenden. Auch Haustiere können sich darin verfangen. Jäger und Hundebesitzer sind besorgt.
Glück gehabt: Dieser Fuchs wurde aus der Falle befreit. Bilder > Glück gehabt: Dieser Fuchs wurde aus der Falle befreit.
Rüsselsheim. 

Augen, so groß wie Fünf-Mark-Stücke. Und diese Augen, voller Angst, die wird Claudia Ward niemals vergessen. Als die Ginsheimerin am vergangenen Samstag mit einem Bekannten und ihrer Hündin Ronja in der Nähe des Römerhofes bei Bauschheim spazieren geht, da stößt sie auf einen großen Drahtkasten, versteckt im Gebüsch, hinter einer massiven Röhrenfalle – eine Lebendfalle, fast zwei Meter lang. „Und in dieser Falle saß ein Fuchs“, sagt sie. Mit kleinen Stöcken locken die Spaziergänger das verängstigte Wildtier aus der Falle: „Das Tier hatte Todesangst“, sagt Ward. „Der Fuchs wollte zuerst gar nicht aus diesem Drahtkasten heraus.“

Der Blick des Tieres lässt Ward keine Ruhe, zu Hause prüft sie die Schonzeiten für Füchse und stellt fest: „Füchse dürfen in Hessen seit diesem Jahr nur bis zum 1. April gejagt werden.“ Ein großes Problem, schließlich entdeckte Ward den Fuchs am 2. April in der Falle. Außerdem vermutet sie, dass der Drahtkasten, eine unverblendete Lebendfalle, in Deutschland illegal ist. Und tatsächlich: Gerd Bauer, Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Hessen, bestätigt ihren Verdacht: „Das ist ein massives Jagdvergehen“, sagt er. „Erstens, weil eine Lebendfalle laut Hessischer Jagdverordnung verblendet sein muss. Die Tiere dürfen nicht hinausschauen können. Das setzt die Tiere unter Stress und ist Tierquälerei“, sagt Bauer. „Zweitens, weil die Falle Tiere in der Schonzeit bejagt.“ Zudem muss eine legale, also verblendete Lebendfalle mindestens zweimal am Tag kontrolliert werden: „Spätestens zwei Stunden nach Sonnenaufgang. Und das scheint mir nicht der Fall gewesen zu sein“, sagt Bauer.

Die Falle muss also weggeschafft werden, denkt Ward. Sie nimmt den Drahtkorb an sich und kontaktiert auf Empfehlung ihres Tierarztes Manfred Schrepfer, Jagdpächter der Gemarkung Ginsheim. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt der Jäger. „So etwas gehört sich nicht.“ Schrepfer vermutet, dass es sich bei der Falle um einen Fangkorb handelt. Die Untere Jagdbehörde Hessen nimmt sich dieses Falls nun an und ermittelt.

 

Schlingfallen aus Kupferdraht

 

Doch ist das kein Einzelfall. Bei der Ortsbegehung hat Jäger Schrepfer einen Ordner dabei. Darin hat er gruselige Fundstücke gesammelt: „Im letzten Jahr habe ich rund 15 Schlingfallen aus Kupferdraht in meinem Revier gefunden.“ Auch diese Fallen sind illegal, gleichwohl von einem anderen Kaliber als die Lebendfalle, die Claudia Ward fand. Die Schlingfallen sind im Gebüsch quasi unsichtbar: Sie werden an Pfaden angebracht, die kleine Wildtiere nutzen. Flitzt ein Tier durch solch eine Falle, dann zieht sich der Draht zu, und die Tiere ersticken elendig. „Wir können diese Fallen eigentlich nur finden, wenn sich Tiere darin verheddern.“ Nicht nur Kaninchen, Wiesel oder Fasane kommen durch diese Fallen zu Tode, Schrepfer hat auch schon ein Reh aus solch einer Falle befreien müssen. Das hatte sich am Draht jedoch schon so sehr verletzt, dass es „erlöst werden“ musste, wie Schrepfer sagt.

Es wird illegal gewildert im Revier – und nicht nur für die kleinen Wildtiere ist das ein Problem. „Auch wir Hundebesitzer sind natürlich besorgt“, sagt Ward. „Schließlich verfängt sich auch sehr schnell mal ein Hund oder vielleicht auch eine Katze in solch einer Falle.“

 

Gefahr für Hundebesitzer

 

Diese Fallen sind „hochgradig kriminell“, sagt Schrepfer. „Die müssen von einem Fachmann aufgestellt worden sein. Von jemandem, der sein Handwerk versteht.“ Doch weshalb werden diese fiesen Drahtschlingen ausgelegt? „Das kann ich nicht sagen“, sagt der Jäger. Gerd Bauer ist der Überzeugung: „Da will sich jemand einen Sonntagsbraten fangen. Das ist illegale Wildfleischgewinnung für die private Küche.“ Einen wirtschaftlichen Gewinn durch die Felle der kleinen Tiere, den schließen beide Jäger aus. „Für ein Fuchsfell bekommt man heute doch kein Geld mehr“, sagt Bauer.

Findet man solch eine Falle, dann kann man sie mit einer Zange zerstören. Und so sind aufmerksame Spaziergänger und Jäger gefragt, jene Schlingfallen zu eliminieren. Denn diese rund 15 Fallen, die sind nur der Gipfel des Berges, da ist sich Schrepfer sicher: „Wir finden ja in der Regel nur solche Drahtschlingen, in denen Tiere verendet sind oder um ihr Leben kämpfen. Man sieht sie ja sonst gar nicht.“

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