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S-Bahnen: CDU fordert Alternativen zu Chaos-S 6

Von Verspätungen und Ausfälle sind auf der S-Bahn-Linie S 6 zwischen der Wetterau und Frankfurt eher Regel als Ausnahme – das ist der Eindruck vieler täglicher Nutzer. Karbens CDU will nun vom Rhein-Main-Verkehrsverbund Alternativen fordern. Sie fürchtet, dass die Lage in den nächsten fünf Jahren wegen des S-Bahn-Ausbaus noch schlechter wird.
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Karben/Friedberg. 

Jeden Tag sitzt Sabine Helwig aus Klein-Karben in der S 6. Morgens fährt sie vom Bahnhof Groß-Karben aus zu ihrem Arbeitsplatz in der Finanzbranche mitten in die Frankfurter Innenstadt. Und am späten Nachmittag geht es von dort aus wieder nach Hause.

In den vergangenen Monaten sei der tägliche Arbeitsweg immer beschwerlicher geworden, erklärt Sabine Helwig. Sie habe gelernt, viel zu ertragen, doch inzwischen reiße ihr der Geduldsfaden. Beispielsweise seien während der Weihnachtsferien die Hälfte aller Fahrten ausgefallen und nur während der letzten Ferienwoche die Fahrgäste per Anzeige-Laufschrift informiert worden. „Ständige Zugausfälle und schlechte Informationspolitik“ beklagt die Klein-Karbenerin. „So geht das nicht weiter.“

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Deswegen will Helwig nun ihre Möglichkeiten einsetzen. Denn sie ist ehrenamtliche Stadtverordnete und Chefin des Sozialausschusses. In ihre Fraktion, die CDU, hat sie die Probleme getragen. Und diese will nun per Parlamentsantrag die Stadtregierung beauftragen, beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf zügige Lösungen für das Problem der unzuverlässigen S-Bahn zu drängen. Denn der gerade beginnenden S-Bahn-Ausbau zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West „verspricht weitere Erschwernisse für die Nutzer der S 6“.

Deshalb schlagen die Christdemokraten vor, dass beispielsweise die Expressbuslinie X 27 von Karben nach Bad Homburg alle 30 Minuten – und damit doppelt so oft – fahren könnte. So könnten Pendler bei S 6-Ausfällen auf die dort verkehrende S 5 ausweichen.

Voll gesperrt Darauf müssen sich die Pendler einstellen

Bis 2022 baut das Land Hessen die S6-Strecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel aus. Künftig soll die S-Bahn hier auf eigenen Gleisen zuverlässiger und in einem reinen 15-Minuten-Takt rollen.

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Auch denkt Sabine Helwig daran, dass die Busverbindung zwischen Karben und Bad Vilbel wieder verstärkt werden könnte. „Von dort fährt nicht nur die S 6, sondern auch Regionalbahnen und die Buslinie 30 nach Frankfurt.“ Ad hoc könnte die Bahn zudem Regionalzüge außerplanmäßig immer dann in Karben halten lassen, wenn wieder einmal der S 6-Betrieb stockt. Für die täglich 5000 Pendler am Bahnhof Groß-Karben könne das eine große Verbesserung sein.

„Da müssen wir durch“

So schlecht wie ihr Ruf sei die S 6 gar nicht, beteuert RMV-Sprecher Sven Hirschler. „Was die Pünktlichkeit angeht, liegt sie derzeit bei den S-Bahnen im Mittelfeld.“ In den ersten vier Januarwochen seien 93,04 Prozent aller S 6-Fahrten pünktlich unterwegs gewesen. Die Gründe für die Verspätungen lägen vor allem „in der Infrastrukturauslastung“ – also weil sich die S 6 die Main-Weser-Bahn mit den anderen Regional- und Fernverkehrszügen teilen muss. Deshalb werde die Strecke ja auch ausgebaut.

Die Lösungsideen aus Karben mag Hirschler zunächst aber nicht kommentieren. „Wir prüfen das gern, wenn das über die Stadt an uns herangetragen wird.“

Hoffnungen auf ruhige Zeiten in den Baujahren bis 2022 dürften sich die Fahrgäste nicht machen, fürchtet Jürgen Lerch, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus für Mittelhessen. „Da müssen wir durch, es hilft nichts.“ Wenn der Fahrplan schon – wie etwa in den diesjährigen Sommerferien – ausgedünnt werde, müssten RMV und Bahn aber unbedingt darauf achten, dass dieser zuverlässig funktioniert. „Die S 6 alle 30 Minuten mit Langzügen zwischen Frankfurt und Friedberg ist das Minimum.“

Zum Minimum gehöre außerdem, dass mindestens einmal pro Stunde ein schneller Regionalexpress Mittelhessen via Friedberg mit Frankfurt verbindet, in der Rush-Hour zwei pro Stunde. Das sei trotz der Eingleisigkeit im Baustellenbereich zwischen Frankfurt-West und Frankfurter Berg möglich und schon öfter praktiziert, erinnert Jürgen Lerch. Der Butzbacher weiß das: Er ist selbst ebenfalls Pendler auf der Strecke.

Deutlich längere Fahrtwege via Hanau mit mindestens 20 Minuten Zeitverlust seien die schlechtere Lösung, findet er. Denn oft müssten diese Züge in Frankfurt-Süd enden, weil auch die Strecke von dort zum Hauptbahnhof überlastet sei. Das gelte auch für die Strecke Hanau–Frankfurt, was wiederum die Folge habe, dass umgeleitete Züge im Verspätungsfall immer wieder in Hanau vorzeitig endeten. „Und dann müssen die Fahrgäste von dort aus selbst sehen, wie sie zu ihrem Ziel kommen“, klagt Lerch. Oft sei man dann eine volle Stunde länger als normal unterwegs.

Als wenig gelungen bezeichnet er auch das Vorhaben, die umgeleiteten Mittelhessenexpress-Züge an allen Stationen zwischen Friedberg und Hanau halten zu lassen. „Das kostet noch mehr Zeit zusätzlich“, warnt Jürgen Lerch.

Bus fahren dauert zu lang

Stattdessen schlägt er vor, zu prüfen, ob nicht die ohnehin von Dieselloks gezogenen beiden täglichen Pendlerzüge zwischen Nidda und Frankfurt über die nicht elektrifizierte Strecke Friedberg–Friedrichsdorf ausweichen könnten. „Damit würden zwei weitere, wichtige Verbindungen erhalten und Bad Homburg, Oberursel und Frankfurt-Rödelheim ebenfalls angebunden“, erklärt der Fahrgastsprecher.

Eine Verstärkung der Expressbuslinie zwischen Bad Homburg und Karben hält Lerch ebenfalls für „eine gute Sache“. Doch warnt er vor zu großen Hoffnungen, dass allzu viele Fahrgäste darauf ausweichen.

Ein Aufleben der Buslinie von Karben nach Bad Vilbel dagegen hält er aus Pendlersicht nicht für sinnvoll: „Die Busse stehen dann ohnehin nur im Stau.“ Per Linienbus von Karben nach Bad Vilbel und dann mit dem 30er-Bus nach Frankfurt? „Das dauert so lange, das macht niemand“, schätzt der Fahrgastvertreter. „Dann steigen die Leute doch gleich aufs Auto um.“

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