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Leberecht-Stiftung: Endlich barrierefrei leben

Von Einen Herzenswunsch haben Katrin und Björn Buol-Wischenau: Sie möchten ihr Haus in Okarben behindertengerecht umbauen. Denn Sohn Tobi (5) ist auf Hilfe angewiesen. Er kann nicht alleine sitzen, stehen oder laufen.
Treppauf, treppab im Treppenhaus mit Tobi im Arm. Für Mutter Katrin ist das sehr anstrengend. Erleichterung soll ein Fahrstuhl bringen, der seitlich angebaut werden kann. Treppauf, treppab im Treppenhaus mit Tobi im Arm. Für Mutter Katrin ist das sehr anstrengend. Erleichterung soll ein Fahrstuhl bringen, der seitlich angebaut werden kann.
Karben. 
Tobi (5) ist ein kleiner Strahlemann in seinem Stehstuhl. Bald soll er einen Rollstuhl bekommen, dazu muss das Haus barrierefrei werden, die Küche wird dann Tobis Zimmer.	Fotos: Anne-Rose Dostalek Bild-Zoom
Tobi (5) ist ein kleiner Strahlemann in seinem Stehstuhl. Bald soll er einen Rollstuhl bekommen, dazu muss das Haus barrierefrei werden, die Küche wird dann Tobis Zimmer. Fotos: Anne-Rose Dostalek

Wenn Katrin Buol-Wischenau (34) die Haustür aufschließt, läuft Sohn Till (3) fröhlich die Treppen hoch. Sein Bruder Tobi kann das nicht, obwohl er zwei Jahre älter ist. Ihn hebt seine Mutter aus dem Auto, setzt ihn auf die Hüfte und trägt ihn die Stufen hoch. Der Fünfjährige leidet an einer zentralen Störung des Nervensystems und der Motorik, genannt spastische Zerebralparese, hervorgerufen durch eine Frühgeburt.

„Ich muss ihn oft tragen und halten, denn Küche und Kinderzimmer sind im ersten Stock und die gesamte Wohnfläche unseres Hauses verteilt sich über drei Etagen“, sagt seine Mutter. Noch ist Tobi ein Leichtgewicht, ein zartes, schmalgliedriges Kind mit großen Augen. Dennoch ist das Tragen und Heben Schwerstarbeit für seine Eltern. Auch für Tobi ist das wegen seiner Spastik nicht optimal. „Oft macht er sich unwillkürlich steif und stößt dann mit seinen Beinen und Armen an die Wände“, berichtet sie. Auch die Körperpflege sei ein Problem, denn das Bad ist nicht barrierefrei. „Ich stehe vor der Dusche oder dem Waschbecken und muss ihn halten“, sagt seine Mutter.

Wie eine Lösung aussehen kann, hat die Architektin Verena Kunad-Riederer gemeinsam mit den Eltern ausgearbeitet. Das Bad im ersten Stock muss umgebaut werden, sodass Rollstuhl oder Sitzschale überall hin geschoben werden können. Außerdem kann ein Fahrstuhl seitlich am Haus angebaut werden. Aus der Küche wird dann Tobis Zimmer mit direktem Zugang zum Fahrstuhl. Dann könnte Tobi bequem mit dem Rollstuhl in sein Zimmer gerollt werden oder zu seinem Bruder nebenan. „Tobi wird älter und bekommt in diesem Jahr seinen ersten Rollstuhl. Wir möchten, dass er sich frei im Haus bewegen kann, so wie sein Bruder auch“, wünscht sich seine Mutter.

Die Gemeinnützige Leberecht-Stiftung gibt es seit sechs ...

Die gemeinnützige Leberecht-Stiftung ist seit über 60 Jahren für benachteiligte oder behinderte junge Menschen, Kinder, Jugendlichen und ihre Familien da.

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Gezielte Therapie

 

Frei bewegen mit Hilfe von Rollstuhl oder Gehhilfen, denn trotz gezielter Therapien wird Tobi vermutlich nie selbstständig laufen können. „Unser nächstes Ziel ist, dass er alleine aufrecht sitzen kann“, sagt seine Mutter. Hoffnung setzen die Eltern auf eine neuartige Therapie, wie sie im Zentrum für Kinderrehabilitation der Universität Köln angeboten werden. „Auf die Beine“ heißt das Programm, das Tobi im Juni stationär durchlaufen soll. Danach bekommt Tobi das Reha-Gerät „Galileo“ mit nach Hause, mit dem seine Muskelkraft aufgebaut wird und er die Kontrolle über Rumpf- und Kopfmuskulatur verbessern kann. Dass Tobi viel von dem versteht, was man ihm sagt oder um ihn herum passiert, ist sich seine Mutter sicher. Sie hört ihm genau zu, hört sein Ja und Nein, und ist stolz darauf, dass er trotz Schwierigkeiten mit der Mundmotorik einzelne Wörter sagen kann. „Bis fünf kann er zählen“, hat sie festgestellt. Aber klar, so weit wie Gleichaltrige sei er nicht. Bei der Kommunikation hilft auch ein Sprachcomputer, den Tobi lernt mit Augenbewegungen zu steuern. Tobi liebt auch Spiele wie Memory und ist ebenso wie sein Bruder Till begeistert vom Einkaufsladen und dem Feuerwehrauto im Kinderzimmer.

Beide Kinder besuchen den Kindergarten: Tobi gehört zur integrativen Gruppe der Kita Am Zauberberg, Till geht seit 2012 in den Märchenexpress in der Luisenthaler Straße. Dass beide Kinder einen Platz in einer Kita haben, ist für die Mutter eine große Erleichterung. So konnte sie nach der Elternzeit in ihren Beruf zurückkehren und halbtags arbeiten.

 

Antrag auf Hilfe

 

Um das gemeinsame Leben in der Familie und die Pflege von Tobi zu erleichtern, wollen die Eltern den Umbau des Hauses möglichst bald in Angriff nehmen. Doch das wird viel Geld kosten. „Wir waren geschockt, als die Kalkulation vorlag“, sagt Buol-Wischenau. Allein der Anbau des Fahrstuhls koste 60 000 Euro. Alle Kosten zusammengerechnet, mit Angleichung der Fußböden, Umbau des Bades, Verlegung der Küche ins Parterre und Neuordnung der Räume, summierten sich auf etwa 200 000 Euro.

„Da stoßen wir an unsere Grenzen, auch wenn wir beide gut verdienen“, weiß das Ehepaar Buol-Wischenau. Mit Hilfe von Krediten und Zuschüssen aus der Pflegekasse soll nun der barrierefreie Umbau des Hauses finanziert werden. Ein Antrag auf Hilfe wurde auch an die Leberecht-Stiftung gerichtet, die schon in der Vergangenheit bei speziellen Therapiestunden für Tobi geholfen hat. „Wir hoffen auch jetzt auf einen positiven Bescheid“, sagt Katrin Buol-Wischenau.

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