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Neue Attraktion: Gutenberg-Druckerpresse kommt in den Hessenpark

Von Im Hessenpark wird an Pfingsten eine nachgebaute Gutenberg-Druckerpresse eingeweiht – dank Unterstützung eines Karbeners.
Drucker Hans Kempgen zeigt eine Musterseite, die im Hessenpark mit einer Gutenberg-Druckerpresse hergestellt werden soll. Drucker Hans Kempgen zeigt eine Musterseite, die im Hessenpark mit einer Gutenberg-Druckerpresse hergestellt werden soll.
Karben/Neu-Anspach. 

Es passt sehr gut ins Reformations-Jubiläumsjahr und rundet das Angebot der Museumsdruckerei im Hessenpark ab: An Pfingsten (3./4. Juni) wird in der Druckerei am Marktplatz eine nachgebaute Gutenberg-Druckerpresse eingeweiht.

Zu verdanken hat das Freilichtmuseum diese kleine Sensation einem Karbener: Hans Kempgen ist einer von 20 ehrenamtlichen Fachleuten, die in der Museumsdruckerei die alten Handwerkstechniken vorführen. Er hat damit der Druckerei zugleich ein besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht, denn sie wurde vor 25 Jahren eingeweiht.

Johannes Gutenberg leitete mit dem Entwickeln des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckerpresse im 15. Jahrhundert eine Revolution ein, deren Auswirkung die Welt veränderte. An seinem Hauptwerk, der 42-zeiligen Bibel, arbeitet Gutenberg über sieben Jahre. Damit verhilft er unwissentlich auch Martin Luthers Reformation und deren Verbreitung zum Durchbruch.

Konkurrenz vermeiden

Hans Kempgen (66) hat viel Herzblut in das Projekt gesteckt, mit dem er sich mehrere Jahre beschäftigte. Zu Beginn stand für den gelernten Schriftsetzer und Buchdrucker im Vorruhestand die Überlegung, was eigentlich zur Geburtstagsfeier Sinn macht.

Bisher steht nur das Modell einer Gutenberg-Presse im Museum. Bild-Zoom
Bisher steht nur das Modell einer Gutenberg-Presse im Museum.

In der Druckerei stehen schon viele alte Druckmaschinen, manche sind fast 100 Jahre alt. Und sie kommen auch noch zum Einsatz, etwa bei Kindergeburtstagen oder Vorführungen. Doch so eine Gutenberg-Druckerpresse wäre noch etwas ganz besonderes. Und Neu-Anspach und die Gutenberg-Museen in Mainz oder Eltville waren auch nicht so weit weg, es gab also auch eine gewisse örtliche Nähe.

Kempgen betont aber auch, dass es nur darum gehe die Funktion einer Druckerpresse nachzustellen. Es sei keine historische Nachbildung, mit der das Freilichtmuseum den Gutenberg-Museen Konkurrenz machen wolle. Deswegen werde auch ein informativer Text über den Buchdruck und die Hessenpark-Druckerei die Musterseite bestimmen und nicht ein Bibel-Text. Seit Jahresanfang arbeitet der Schreinermeister des Hessenparks, Dieter Emrich, mit einigen Kollegen an der Presse.

Grundlage ist eine Konstruktionszeichnung, die Kempgen von Dieter Hermes aus Gießen bekommen hat. „Darauf bin ich zufällig gestoßen, nachdem der Kollege Hermes mal einen Besuch im Hessenpark gemacht hat,“ sagt er.

Extra: Seit Jahrzehnten Naturfreund

Hans Kemgen war 21 Jahre lang Kassierer bei den Naturfreunden Karben parallel zu seiner Arbeit bei Heidelberg und zum Engagement im Hessenpark.

clearing

Für die nachgebaute Druckerpresse („ein nagelneues Replikat“) bekommt die Druckerei eine original gegossene Frakturschrift namens „Nürnberger Schwabacher“ von einer Schriftgießerei aus Darmstadt. Zu sehen ist die Schrift dann als fertiger, zweispaltiger Text auf einer Musterseite. Diese ist mit farbigen, kunstvoll gestalteten Hessenpark-Initialen verziert. Die Initialen wurden bei den Gutenberg-Bibeln anschließend mit der Hand eingefügt, deshalb sehen sie in jeder erhaltenen Bibel auch anders aus.

Bei besonderen Anlässen

„Bei uns ist es genau umgekehrt, die Initialen sind schon auf dem Vordruck, die Schrift kommt später aufs Papier“, sagt Kempgen. Gestaltet wurde die Seite von Grafikern der Marketingabteilung des Hessenparks. Man überlegt derzeit noch, wie die Vordrucke veredelt werden sollen, im Gespräch ist zum Beispiel von Golddruck die Rede. Zu sehen bekommen die Besucher die Druckerpresse dann zu den Öffnungszeiten des Freilichtmuseums.

„Vorführungen gibt es aber nur zu besonderen Anlässen“, sagt Kempgen. Gedruckt wird bei den Vorführungen mit Hilfe des Pressbengels, ein Hebel, der den beweglichen Drucktiegel senkrecht auf das Papier und den darunter liegenden Druckstock presst.

Zuvor werden die Bleilettern mit Farbballen eingefärbt, dann kommt das Papier in einem Rahmen auf die Lettern. Mit Hilfe des Bengels wird gedruckt. „Für die Vorführungen müssen wir aber noch üben,“ sagt Kempgen fröhlich. „Denn man darf nicht zu fest drücken, muss den Druck richtig verteilen – so perfekt wie bei Gutenberg selbst wird es vermutlich erst mit viel Übung hinzubekommen sein.“

Wohin mit dem Schmuckstück, war auch nicht gleich klar. „Viel Platz ist im Haus nicht mehr, deshalb muss ich auch immer wieder Angebote für alte Druckmaschinen ablehnen.“ Doch im ersten Stock, wo schon ein kleines Holz-Modell der Gutenberg-Druckerpresse ausgestellt wird, war noch ein repräsentativer Platz frei.

 

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