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Die Region gerecht umwälzen: Initiative"Wetterau im Wandel" lädt zum Gründungsfest in Friedberg ein

Von Den Duft von Lavendel einatmen. Selbstgezogenes Gemüse verzehren. Handgemachte Musik hören. Oft steht das in Gegensatz zur hektischen Lebenswelt, weshalb sich etwas ändern muss, um eine liebenswerte Welt zu erhalten. Dieser Auffassung ist jedenfalls das Netzwerk Wetterau im Wandel, das jetzt sein Gründungsfest beging.
Lauschige Musik, aber auch viele Informationen gibt es: 80 Zuhörer kommen zum Gründungsfest des Netzwerkes „Wetterau im Wandel“ ins Theater Altes Hallenbad in Friedberg. Foto: Petra Ihm-Fahle Lauschige Musik, aber auch viele Informationen gibt es: 80 Zuhörer kommen zum Gründungsfest des Netzwerkes „Wetterau im Wandel“ ins Theater Altes Hallenbad in Friedberg.

Mit geschlossenen Augen haucht Yannick Di Mari den Songtext ins Mikrofon. Kuscheliges Ambiente im Theater Altes Hallenbad in Friedberg, in dem es angenehm duftet, denn Wiesenblumen und Kräuter stehen auf den Tischen beim Gründungsfest der Initiative „Wetterau im Wandel“ in Friedberg.

80 Gäste lauschen entspannt der Musik des Sängers und Songschreibers, darunter Silvia Hable, die zuvor über ihre Erfahrungen mit der sogenannten Transition-Bewegung gesprochen hat (Transition bedeutet Umwandlung). Die 32-jährige gehört zu den Akteuren des Vereins „Transition Town – Stadt im Wandel“ in Witzenhausen, der sich mit nachhaltigen Lebensstilen befasst.

Mit Liste ins Parlament

Knapper werdende Bodenressourcen, Umweltverschmutzung, Globalisierung und soziale Ungerechtigkeiten sind die Kulisse, vor der die internationale Bewegung um den irischen Gründer Rob Hopkins 2005 entstand. „Ich bin seit sieben Jahren in der Bewegung“, schildert Hable. In Witzenhausen würden Initiativen wie Mehrgenerationengarten, Pflückoasen, Reparatur-Café und Foodsharing betrieben.

Silvia Hable hat mit wandelnden Lebensstilen Erfahrungen in Witzenhausen gesammelt. In Friedberg berichtet sie davon. Bild-Zoom Foto: Petra Ihm-Fahle
Silvia Hable hat mit wandelnden Lebensstilen Erfahrungen in Witzenhausen gesammelt. In Friedberg berichtet sie davon.

Verschiedene Gruppen seien Teil des Ganzen, „Transition Town“ sei mithin keine Anhäufung dezentraler Projekte, sondern eine „Kultur des Wandels“. Mittlerweile hat die Bewegung in Witzenhausen sogar eine Fraktion im dortigen Parlament, die Bunte Liste. Hable trägt ein selbstgenähtes Kleid: Das Top besteht aus einem rosa Sweatshirt, an das sie einen Rock aus verschiedenen Stoffstreifen angesetzt hat. Sehr apart, aus schlichten Mitteln und absolut individuell. Selbermachen statt von der Stange, Vorhandenes verwerten statt wegwerfen. „Kopf, Herz und Hand – darauf basiert die Bewegung.“

In Friedberg sind zwischen 15 und 20 Gruppen und Initiativen in „Wetterau im Wandel“ vereint, wie der Schriftsteller und „Plastik-Sparer“ Andreas Arnold schildert. Letzten Sommer traf sich das Netzwerk erstmals. Einen Vorstand gibt es nicht, wie Christian Friedrich (37) von der Umweltberatung „Eulenhaus“ Butzbach erläutert, vielmehr handele es sich um ein gleichberechtigtes Team, das eine Präambel erarbeitet hat.

Die Umsonstläden aus Friedberg und Bingenheim sind beispielsweise dabei. Sonja Herrnmarck (Bingenheim) erläutert vor diesem Hintergrund: „Uns interessiert der schonende Umgang mit Ressourcen. Wir wollen bekannter werden und wissen, was die anderen tun. Und wir wollen eine neue Strömung in der Wetterau erleben.“

Sozial und ökonomisch

Ein anderer Akteur ist der Naturschutzbund mit seiner Umweltwerkstatt Wetterau. „Wir wollen den Boden vor dem Flächenfraß schützen und zeigen, wie man mit wenig Bodenverbrauch viel erzeugen kann“, erläutert Veronika Pigorsch (47). Und Uli Heß vom Lieferdienst „Bio-Hopper“ aus Ossenheim findet es wichtig, zusammenzuarbeiten, sich zu unterstützen und bekannter zu machen. „Ich habe in meine Bio-Kiste schon Flyer der anderen Netzwerkpartner gelegt“, nennt der 42-jährige ein Beispiel, wie es funktionieren kann.

„Hier findet die kleine Energiewende statt“, sagt Diethardt Stamm von der MiEG (Mittelhessische Energiegenossenschaft) lachend. Er führt ein Mini-Modul zur Sonnenstromerzeugung vor, das auf dem Balkon der Mietwohnung angebracht werden kann. „Wir sind eh schon gut vernetzt und an Vernetzung immer sehr interessiert“, schildert er die Beweggründe, bei „Wetterau im Wandel“ dabei zu sein. „In punkto Nachhaltigkeit ist Energie ein wichtiges Thema“, betont der 71-jährige.

Sozial und ökonomisch gerecht muss der Wandel sein, wie das Netzwerk nach Worten von Eva Howell vom Friedberger Institut „Faktor 10“ fordert. Ein Thema, zu dem nun Journalist und Buchautor Stephan Hebel spricht. Die hohen Strompreise würden oft auf die EEG-Umlage geschoben, tatsächlich mache der Beitrag für das Erneuerbare-Energien-Gesetz, auf die gesamten Energiekosten eines Haushaltes nur wenige Prozentpunkte aus. „Wer Nachhaltigkeit fördern will, wird sich wehren müssen, wenn soziale gegen ökologische Fragen ausgespielt werden.“ Auch dürfe die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter auseinanderklaffen.

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