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Weltweite Geschäfte: Jaeger-Gruppe: vom Friedberger Start-up zum Hidden-Champion

Gut 90 Jahre ist es her, als der Bad Homburger Tüftler Erich Jaeger die ersten elektrischen Schalter für die Horex-Motorräder baute. Aus dem Start-up wurde ein Hidden-Champion, der von Friedberg aus Steckverbinder-Fabriken in China, Mexiko und Tschechien betreibt. Geschäftsführer Wolfgang Wiese verrät, worauf er sich besonders freut.
Generaldirektor Joerg Dorbandt (links) und Geschäftsführer Wolfgang Wiese zeigen in der Friedberger Zentrale der Erich Jaeger-Gruppe neue Steckverbinder. Generaldirektor Joerg Dorbandt (links) und Geschäftsführer Wolfgang Wiese zeigen in der Friedberger Zentrale der Erich Jaeger-Gruppe neue Steckverbinder.
Friedberg. 

Wolfgang Wiese fährt einen Wagen mit Anhängerkupplung. Den und seinen einachsigen Anhänger verbindet er mit immer neuen Steckern und Kabeln für Rück- und Bremslicht. „Ich probiere, ob sie gut funktionieren“, sagt der 1966 geborene Ingenieur. „Denn wenn es nicht funktioniert, erzeugt es bei unseren Kunden extremen Ärger.“

Die Jaeger-Gruppe

Im Jahr 1927 entwickelte Erich Jaeger in Bad Homburg die ersten Elektroschalter für Motorräder und Autos. Heute hat das Unternehmen weltweit rund tausend Arbeitnehmer und macht rund 83

clearing

Die Produkte der Erich Jaeger-Gruppe sind in der Regel handtellergroß, meist schwarz und mit Löchern und Metallstiften ausgestattet. Buchsen, Stecker und Spiralkabel entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen. Die metallisch glänzende Zentrale liegt an der Straßheimer Straße im Friedberger Gewerbegebiet. Hier arbeiten zwar nur 75 Menschen – doch weltweit beschäftigt das Unternehmen gut tausend Leute. Die elektrischen Verbindungen zwischen Zugfahrzeugen und Anhängern sind das Metier von Erich Jaeger. 83 Millionen Euro Umsatz machte man 2017, berichtet Wolfgang Wiese. Das Wachstum lag bei 23 Prozent. Es wird noch besser, glaubt der Geschäftsführer. „Ich freue mich auf die neue Welt!“

Norm entwickelt

Die neue Welt – das ist das automatisierte Fahren. Die elektronischen Systeme nehmen den Fahrern immer mehr Aufgaben ab. In den USA müsse seit vorigen April jedes neue Fahrzeug eine rückwärtige Kamera besitzen, berichtet der Manager. Deshalb habe man gemeinsam mit der Ford Motor-Company eine technische Norm für den amerikanischen Markt entwickelt. Sie heißt SAE J 3008 und betrifft das Design der Stecker, Kabel und Buchsen für solche Kameras. Noch nie habe eine deutsche Firma so eine US-Norm entwickeln dürfen, erzählt der Geschäftsführer und ist stolz darauf.

Immer neue Steckverbindungen entwickelt und vertreibt das von Friedberg aus geleitete Unternehmen. Denn die Fahrzeugproduzenten wollen für jedes Modell unterschiedliche Verbindungen haben. Außerdem brauchen die elektromobilen Autos der Zukunft noch mehr Kabel – weil auch an der Rückseite des Anhängers Sensoren sitzen werden, die den Abstand und das Tempo eines von hinten kommenden Fahrzeugs messen. Diese Sicherheitselektronik werde auch nach Europa kommen. Man werde neue Stecker brauchen, die Signale mit einem Gigabit pro Sekunde übermitteln können – „da freue ich mich drauf“, sagt der gelernte Automatisierungsingenieur Wiese.

Die Nachkommen des Bad Homburger Firmengründers Erich Jaeger haben mit der Firma nichts mehr zu tun. Seit knapp 20 Jahren gehört sie der Ad-Capital-Gruppe. Im Jahr 2000 zog das Unternehmen aus dem Hochtaunus nach Friedberg und weitete seine Geschäfte weltweit aus. Die Produktion ist längst aus Deutschland abgewandert – denn im Ausland sei sie nun mal billiger, sagt Wiese. Seit zwei Jahren produziere man Steckverbinder für die USA von Mexiko aus. Dass die Trump-Regierung eines Tages die Grenze für Jaeger-Stecker aus Mexiko schließt, glaubt Wiese nicht. Dann könnten ja die US-Produzenten der Spiralkabel keinen Umsatz mehr machen – die Kabel werden zur Montage nach Mexiko geschickt und dann zurück in die amerikanischen Autofabriken und zu Großhändlern importiert. Toll findet Wiese, dass so viele US-Bürger gerne Pick-ups mit Anhängern fahren. Das bringt den Stecker-Leuten aus Friedberg Geld.

Mindestens so wichtig wie die USA ist für Erich Jaeger der chinesische Markt. Dort habe man nicht ein bis zwei, sondern 50 Prozent Marktanteil bei den Steckverbindungen zwischen Zugfahrtzeugen und Anhängern. Im Werk Shenzhen werden momentan etwa drei Fünftel aller Stecker der Jaeger-Gruppe produziert. Als ausländischer Hersteller könne man sich nur am Markt halten, weil so viele unterschiedliche Steckerserien nachgefragt würden. „Wenn alle Kunden das gleiche Produkt bekämen, dann würden die Chinesen das ganze Geschäft machen“. Andere Technik-Produzenten in Deutschland müssten sich nach Einschätzung des Managers noch stärker als bisher anstrengen, damit sie nicht Marktanteile verlieren.

Gute Job-Chancen

Etwa 20 Prozent des Steckverbinder-Sortiments kommt jährlich neu auf den Markt. Die Tests machen der Chef und seine Leute in Friedberg, andere übernehmen die Experten der Dekra oder des Tüv. „Die Verbindungen müssen heute absolut wasserdicht sein“, sagt Wiese. Sie müssen Salzwasser, sauren Regen und auch starke Vibrationen aushalten. Bei der Entwicklung neuer, vielpoliger Steckverbindungen greift Erich Jaeger gern auf Absolventen der Technischen Hochschule Mittelhessen zurück. Momentan seien zwei Werkstudenten im Einsatz – die Einstellungschancen sind laut Wiese prima.

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